Formel E

Wirbelfraktur bei Mortara, Evans beschreibt Startunfall in Berlin: "Sah ihn in meinem Rückspiegel heranrasen"

Timo Pape

Timo Pape

Mitch-Evans-Jaguar-gutted

"Es war wie ein Schock”, beschreibt Mitch Evans den Moment, als die Ampeln zum Saisonfinale der Formel E in Berlin ausgingen und sein Jaguar nicht vom Fleck kam. Wenige Sekunden später krachte Venturi-Pilot Edo Mortara von hinten mit voller Beschleunigung ins Heck des defekten Jaguar-Autos. Der Traum vom WM-Titel - bis dahin für beide in greifbarer Nähe - zerplatzte auf brutale Art und Weise. Evans weinte nach dem Unfall, Mortara musste selbst nach dem Rennen noch medizinisch behandelt werden.

Evans machte beim Start zunächst einen kleinen Satz nach vorn, dann stoppte das Auto mitten auf der Start- und Zielgeraden. Der Neuseeländer bekam einen Warnhinweis auf seinem Dashboard (Display am Lenkrad), dass irgendetwas nicht stimme. "Das Auto blieb einfach stehen. Ich konnte nirgendwo hin."

"Als ich auf die ausgehenden Lichter reagiert habe, bewegte sich das Auto ein Stück nach vorn, dann ist irgendetwas ausgefallen oder kaputt gegangen", erklärt Evans gegenüber 'e-Formel.de'. "Ich weiß nicht, was es genau war. Vielleicht etwas am Antriebsstrang - wir werden sehen. Ich hatte so ein Problem noch nie zuvor. Wir untersuchen natürlich, woran es genau lag."

Bereits im TV-Weltsignal konnte Evans seine Enttäuschung nicht zurückhalten. Während des Interview mit Boxengassenreporterin Nicki Shields versuchte er noch, die Fassung zu bewahren, doch anschließend konnte er die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Emotionaler Evans: "Dies war ein entscheidender Punkt in meiner Karriere"

"Nicht einmal losfahren zu können, ist wirklich hart", erklärt Evans. "Das hat uns das Herz gebrochen. Dem ganzen Team, aber natürlich auch mir selbst. Dieses Mal tut es wirklich weh, weil dies ein entscheidender Punkt in meiner Karriere war. Ich bin einfach am Boden. Es wird eine Weile dauern, bis dieser Schmerz vergeht."

Die Sekunden nach dem Start erlebte er wie folgt: "Alles passierte einfach sehr schnell. Du hoffst natürlich, dass dich niemand trifft, aber ich sah ihn in meinem Rückspiegel heranrasen. Du kannst einfach nicht glauben, dass das gerade passiert. Es fühlt sich einfach nicht real an."

Trotz der eigenen Enttäuschung sind Evans' Gedanken auch bei seinem Fahrerkollegen Mortara, dem durch den Technikfehler am Jaguar alle Titelchancen genommen wurden. "Es tut mir leid für Edo, der in einer starken Position gewesen wäre (um die Meisterschaft zu kämpfen). Es hätte sonst vielleicht auch (den Titel) gewonnen."

Mortara erleidet Wirbelfraktur

Tatsächlich war Mortara in aussichtsreicher Position gestartet und hätte dem späteren Meister Nyck de Vries womöglich noch einen Strich durch die Rechnung machen können. Stattdessen sah er den stehenden Jaguar zu spät und konnte nicht mehr ausweichen.

Nach dem heftigen Aufprall blieb Mortara zunächst noch im Auto sitzen, stieg jedoch schließlich eigenständig aus. Schon zu diesem Zeitpunkt wirkte der Schweizer leicht benommen. Anschließend ging er sichtlich angeschlagen und humpelnd zur Venturi-Garage zurück. Bei der Pressekonferenz der drei Meisterschaftsbesten - Mortara wurde trotz seines Ausfalls Vizemeister - fehlte er, weil er immer noch medizinisch untersucht wurde.

Im Krankenhaus stellte sich heraus, dass er eine Mikrofraktur des vierten Wirbels erlitten hatte. Eine Operation sei laut Venturi aber nicht nötig. "Nach den Höhenflügen von gestern habe ich mich auf das Rennen heute gefreut, und ich denke, dass wir eine Außenseiterchance auf die Fahrermeisterschaft hatten. Am Start konnte ich Mitch Evans nicht ausweichen, und als er in meinem Sichtfeld war, war es zu spät, um zu reagieren."

Mortara "dankbar, dass ich keine schwerere Verletzung habe"

"Es war ein heftiger Aufprall, und ich bin froh, dass es ihm gut geht", denkt auch Mortara an seinen Fahrerkollegen. "Was mich betrifft, so habe ich durch den Aufprall eine Mikrofraktur des vierten Wirbels erlitten, aber ich bin sehr dankbar, dass ich nicht operiert werden muss oder eine schwerere Verletzung habe. Es war nicht unser Tag, aber ich bin glücklich, unverletzt aus diesem schweren Unfall entkommen zu sein und dass ich die Saison als Vizeweltmeister beendet habe."

 
 
 
 
 
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"Ich möchte mich bei den Streckenposten und dem medizinischen Team für ihre Reaktion auf meinen Unfall bedanken und Norman zu seinem ersten Sieg in der Formel E gratulieren", so Mortara weiter. "Wir haben alles gegeben, aber es war nicht genug. Danke für all euren Support. Wir werden stärker denn je zurückkommen."

Die Sensoren am Venturi maßen beim Aufprall eine Kraft von 26g. Es war für Mortara bereits der zweite schwere Unfall in diesem Jahr, nachdem er bei einer Startübung beim Saisonauftakt in Saudi-Arabien beinahe ungebremst frontal in die TecPro-Barriere raste. Damals war ein technischer Fehler Schuld am Crash.

An Mortaras Stelle nahm auf seinem Stuhl bei der Pressekonferenz Mercedes-Teamchef Ian James Platz. Bevor er jedoch über den Gewinn der Weltmeisterschaften sprach, richtete er - genau wie sein Fahrer de Vries - seine ersten Worte an Mortara: "Ich sollte hier eigentlich nicht sitzen. Zuerst einmal hoffe ich, dass es Edo gut geht. Das war ein ziemlich heftiger Crash am Anfang des Rennens. Deshalb drücke ich ihm und auch Venturi die Daumen."

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1 Kommentare

Robert Mies ·

Bleibt Edo Mortara nur gute Besserung zu wünschen nach diesem unglücklichen Crash!

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