Formel E

Trainings- & Nachspielzeit, Reifen, Attack-Mode: Das steht im Sportlichen Reglement für Formel-E-Saison 8

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Neben dem neuen Qualifying-Format gibt es im kommenden Jahr noch eine Reihe von weiteren Regeländerungen in der Formel E. Der Automobil-Weltverband FIA hat nach der Sitzung seines Weltmotorsportrates (WMSC) nun auch das Sportliche Reglement für die Rennen im Jahr 2022 veröffentlicht. e-Formel.de gibt dir einen umfassenden Überblick über sämtliche Änderungen in Saison 8.

Alle Jahre wieder nimmt die FIA Anpassungen am Regelwerk vor, um auf neue Gegebenheiten, geänderte Abläufe oder Vorfälle wie den "Boxengassen-Trick" von Lucas di Grassi in London zu reagieren. Folgende Änderungen am Reglement für die Saison 2022 verdienen dabei eine Erwähnung.

Artikel 5: Meisterschaftsveranstaltungen

Die maximale Anzahl an Rennen pro Saison erhöht sich von 15 auf 16. Die Einschränkung, dass am zweiten Tag bei einem Double-Header das einzige Freie Training 45 Minuten lang ist, wurde gestrichen. Es kann somit auf 30 Minuten gekürzt werden.

Artikel 11: FIA-Delegierte

Die Stelle eines vom Automobil-Weltverband benannten "Race Control Operators" wurde aus dem Regelwerk gestrichen.

Artikel 24: Technische Abnahme und administrative Prüfungen

Der Technische Wagenpass muss nicht mehr bis zum Mittag des Tages vor dem Event eingereicht werden. Stattdessen wird die Uhrzeit den Teams im offiziellen Zeitplan mitgeteilt.

Artikel 25: Reifen & Reifenbeschränkungen während der Meisterschaft

Es dürfen nun wieder vier (statt drei) neue Vorder- und Hinterreifen bei einem E-Prix verwendet werden. Bei einem "Double-Header" erhöht sich die Anzahl der neuen Reifen von vier auf sechs pro Achse.

Artikel 26: Wiegen

Wegen der Einführung des neuen Gruppen-Qualifyings, in dem die Fahrer mehrere gezeitete Runden fahren und zwischendurch auch an der Box ihre Reifen wechseln dürfen, darf die Rennleitung nun nach dem Zufallsprinzip einzelne Fahrzeuge zum Wiegen anhalten, wenn sie durch die Boxengasse fahren.

Artikel 28: Ersatzfahrzeuge, -motoren, -batterien & -getriebe

Die Option, während der Saison straffrei einen neu homologierten Antrieb einsetzen zu dürfen, wurde aus dem Regelwerk gestrichen. Hierbei handelte es sich um eine nur für das Jahr 2021 eingeführte Regelung, die im Zusammenhang mit den Homologationsfenstern des neuen Antriebs stand.

Außerdem ist die Anzahl der Lenkräder, die ein Fahrer während der Saison verwenden darf, nicht mehr eingeschränkt (bislang: zwei). Die im Jahr 2022 erlaubte Anzahl an Kühlern für den Antrieb und die Batterie sowie die Zahl der hinteren Verkleidungen wurden von drei auf vier erhöht.

Geschieht ein Teilewechsel nach dem Qualifying des letzten Saisonrennens, so wird die Strafe - eine Rückversetzung in der Startaufstellung - nicht erst beim darauffolgenden Rennen angewendet, sondern beim aktuellen Lauf. Die Regeln in ihrer bisherigen Formulierung sahen für diesen Fall eine Rückversetzung beim Saisonauftakt der folgenden Saison vor. Diesen Fall gab es jedoch bislang in der Formel E noch nicht.

Sämtliche Einschränkungen, welche Sensoren am Fahrzeug angebracht und zur Datengewinnung genutzt werden dürfen, wurden gestrichen.

Artikel 30: Allgemeine Sicherheitsbestimmungen

Die vorgeschriebene Verwendung von biometrischen Handschuhen wurde aus dem Regelwerk gestrichen. Bereits bei den letzten Saisonrennen war der Einsatz aufgrund von technischen Problemen ausgesetzt worden.

Teilnehmern (also den Teams) ist es nun verboten, Equipment in der Boxengasse, an der Strecke oder an Zäunen und Mauern zu installieren.

Artikel 32: Freies Training

Die vorgeschriebene Dauer eines Freien Trainings beträgt nun immer 30 Minuten.

Artikel 33: Qualifying

Der Artikel wurde umfassend überarbeitet, die Super-Pole dabei durch das neue Duell-Format ersetzt. Außerdem sind Reifenwechsel während des Qualifyings wieder erlaubt. Diese müssen jedoch innerhalb der Garage des Teams passieren, dazu dürfen zwei Mechaniker:innen das Auto rückwärts in die Box schieben. Maximal vier Mechaniker:innen dürfen danach beim Reifenwechsel am Fahrzeug arbeiten. Aus Sicherheitsgründen gilt im Qualifying neben dem Tempolimit von 50 km/h auch eine Mindestgeschwindigkeit von 48 km/h in der "Fast Lane".

Artikel 35: Startaufstellung

Die ersten acht Startpositionen gehen an die Teilnehmer der Duell-Phase. Die Fahrer dahinter werden anhand ihres Platzes in der Gruppenphase in eine Startreihe einsortiert. Wer in derselben Gruppe wie der spätere Pole-Sitter fuhr, startet dabei auf einem ungeraden Startplatz (9, 11, 13...). Wer nicht in der Gruppe des Final-Siegers fuhr, startet auf der Seite mit den geraden Startpositionen (10, 12, 14...).

Sollte die Duell-Phase nicht stattfinden können und es nur ein Gruppen-Qualifying geben, so wird diese Regel auch für die ersten acht Positionen angewendet, ausgehend vom schnellsten Fahrer in der Gruppenphase, dem die Pole-Position zugesprochen wird.

Rückversetzungen in der Startaufstellung werden immer im Nachhinein angewendet, und zwar in der Reihenfolge ihrer Bekanntgabe.

Artikel 37: Rennen

In Minute 41 wird durch die Rennkommissare die "Extra Time" bekannt gegeben, die auf die Renndauer addiert wird. Hierfür wird während der ersten 40 Minuten eines Rennens jede volle Minute hinter dem Safety-Car oder in einer Full-Course-Yellow-Phase addiert. Für jede "neutralisierte" Minute werden der Rennzeit 45 Sekunden hinzugefügt, jedoch nie mehr als zehn Minuten insgesamt. Safety-Car- oder Full-Course-Yellow-Phasen, die nach der 40. Rennminute ausgerufen werden oder dann noch nicht beendet sind, zählen dabei nicht.

Gegen diese Nachspielzeit kann kein Protest eingereicht werden.

Die maximale Leistung im Rennmodus beträgt 220 kW, die Leistung im Attack-Mode wird von 235 kW auf 250 kW erhöht.

Der FANBOOST darf nicht mehr aktiviert werden, während sich das Fahrzeug im Attack-Mode befindet. Das Fahrzeug darf dabei einmalig die Leistung auf 240 bis 250 kW erhöhen. Sollte die Leistungsabgabe aus der Batterie unter 240 kW fallen, gilt der FANBOOST als aufgebraucht, auch wenn nicht die gesamte Energie von 100 kJ verwendet wurde.

Die Möglichkeit der Energiereduzierung nach einer Full-Course-Yellow- oder einer Safety-Car-Phase wurde aus dem Regelwerk gestrichen.

Artikel 37: Safety-Car

Die Ampel am Ende der Boxengasse schaltet auf Rot, sobald das Safety-Car die Safety-Car-Linie 1 (in der Regel die Boxengasseneinfahrt) passiert. Die Ampel schaltet erst dann wieder auf Grün, wenn das letzte Fahrzeug hinter dem Safety-Car die Safety-Car-Linie 2 (in der Regel die Boxengassenausfahrt) überfahren hat.

Anhang 4: Hochspannungs-Betriebssicherheit

Die obligatorische E-Sicherheits-Schulung heißt jetzt Briefing und wird anstelle von dem/der "Chef-Elektrik-Spezialist:in" nun von dem/der "E-Sicherheitsdelegierten der FIA" veranstaltet. Auch hierbei handelt es sich lediglich um eine Umbenennung. Zudem wurde die Aufgabenverteilung zwischen diesem/dieser Delegierten und seinen/ihren untergeordneten Mitarbeiter:innen neu geregelt.

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1 Kommentare

Derbe_klopp_te ·

"Artikel 35: Startaufstellung
[...]Wer in der selben Gruppe wie der spätere Pole-Sitter fuhr, startet dabei auf einem ungeraden Startplatz (9, 11, 13, ...). Wer in der Gruppe des Final-Verlierers fuhr, startet auf der Seite mit den geraden Startpositionen (10, 12, 14, ...)."
Das ergibt leider garkeinen Sinn. Angenommen beide Finalteilnehmener kommen aus deselben Gruppe (was ja durchaus möglich ist), so gehört den weiterhinten startenden beide Slots in der Startaufstellung einer Reihe. Die andere Gruppe geht vollkommen leer aus.

"Sollte die Duell-Phase nicht stattfinden können und es nur ein Gruppen-Qualifying geben, so wird diese Regel auch für die ersten acht Positionen angewendet..."
wie kann diese Regel anwendung finden, wenn bedingung ist, dass es ein Ergebniss im Finallauf gibt? Wer steht denn auf der Pole, wenn es keine Duelle gibt?

Antwort von Tobias Wirtz

Hallo, Du hast natürlich vollkommen Recht mit Deiner Aussage. Ich habe das mal so korrigiert, dass es stimmt.

Auch einen Hinweis, wer auf der Pole-Position steht, wenn die Duelle ausfallen, habe ich hinzugefügt.


Gruß, Tobias

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