Formel E

Trotz Doppel-Punkten von Bird & Dennis: Britische WM-Träume platzen bei Formel-E-Rennen in Jakarta

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Cockpit-Jaguar-Land-Rover

Mit insgesamt sechs Fahrern ist keine Nation so prominent wie das Vereinigte Königreich in der Formel E vertreten. Sportlich lief es für die britischen Piloten trotz ihrer zahlenmäßigen "Überlegenheit" in der jüngeren Vergangenheit trotzdem alles andere als gut. Mit Punkteergebnissen gelang Sam Bird (Jaguar) und Jake Dennis (Andretti) beim Jakarta E-Prix immerhin ein kleiner Achtungserfolg - alle anderen Engländer reisten erneut enttäuscht ab.

Die Feierlichkeiten anlässlich des 70. Thronjubiläums von Königin Elisabeth II. versetzten am vergangenen Wochenende Hunderttausende in Ekstase. Durch die Londoner Innenstadt marschierte die königliche Gardedivision, ehe die Royal Air Force bei Flügen über die Stadt ihre Helikopter und Kampfflugzeuge demonstrierte. Die Queen winkte erfreut vom Balkon des Buckingham Palace.

Rund 11.500 Kilometer südöstlich der britischen Hauptstadt, in Jakarta, waren die im Formel-E-Zirkus mitgereisten Rennfahrer aus Großbritannien deutlich weniger in Feierlaune. Insgesamt sechs Engländer starten in diesem Jahr in der Elektroserie. Sie sind: Oliver Rowland, Alexander Sims (beide Mahindra), Oliver Turvey, Dan Ticktum (beide Nio 333) Jake Dennis (Andretti) und Sam Bird (Jaguar).

Beim Rennen auf dem Jakarta International E-Prix Circuit, einem 2,370 Kilometer langen Rundkurs, speziell für die Formel E entworfen, erreichten allerdings nur die zwei Letztgenannten das Ziel in den Top 10. Nach unauffälligen Fahrten überquerten Dennis und Bird den Zielstrich auf den Rängen 5 und 9 und erweiterten das "Nationen-Punktekonto" Großbritanniens in der aktuellen Saison somit auf 85 Zähler.

Zum Vergleich: Der WM-Führende Stoffel Vandoorne (Mercedes) hat in den ersten neun Rennen des Jahres bereits 121 Punkte gesammelt. Die überschaubaren Ergebnisse sorgen auch bei den britischen Fahrern für Frust. "Insgesamt war es ein enttäuschendes Wochenende für mich", fasst Nio-333-Pilot Ticktum seine Stimmung zusammen.

Nio 333 mit schlechtem Qualifying-Timing für Ticktum

Der 22-Jährige verpasste im Gruppen-Qualifying die Chance auf eine zweite 220-kW-Runde, da er die Startlinie erst nach dem Ablauf der Zeit überquerte. "Ich war für das Rennen dadurch einfach nicht gut aufgestellt, wodurch ich wiederum in zu viele Kämpfe verwickelt war, um schnell durch das Feld zu kommen."

Auch Mahindras Teamchef Dilbagh Gill zeigte sich nach dem Jakarta E-Prix verärgert über den insgesamt sechsten "Doppel-Nuller" seiner britischen Fahrer. "Obwohl wir die Schnellsten im ersten Training waren, konnten wir es in der Qualifikation einfach nicht zusammenbringen", so Gill. "Das hat Alexander (Sims) davon abgehalten, in die Top 10 zu kommen. Auch Oliver (Rowland) war nicht gut im Qualifying, aber auch er bekam nicht die Gelegenheit dazu, um in die Punkte zu fahren."

Bird & Dennis trotz Top-10-Ergebnis ohne Mitsprache im Titelkampf

Immerhin Dennis und Bird schafften es in Jakarta in die Punkteränge, nachdem sie im vorausgegangenen Rennen in Berlin leer ausgingen. "Platz 9 ist ein gutes Resultat", findet Bird, "vor allem weil ich in der ersten Runde auf Platz 17 zurückfiel. Ich muss mehr an meinen Qualifying-Runden arbeiten, denn wir hatten eindeutig ein starkes Rennpaket mit unserem Jaguar-Wagen."

Der 35-Jährige steht in diesem Jahr dennoch klar im Schatten seines Teamkollegen Mitch Evans, der in Jakarta seinen dritten E-Prix der Saison gewann. Bird liegt nach nur vier Punkteergebnissen abgeschlagen in der zweiten Tabellenhälfte. In Jakarta profitierte er zudem von einer Strafe gegen Andre Lotterer (Porsche), die Bird nachträglich einen Platz nach vorn brachte.

Nur sechs Zähler vor Bird, auf Gesamtplatz 11, rangiert derzeit Jake Dennis. Der Andretti-Pilot stand beim Saisonauftakt in Diriyya noch auf dem Podium, konnte anschließend jedoch kaum mehr mit guten Leistungen überzeugen. In Indonesien erreichte er mit Platz 6 das beste Formel-E-Ergebnis seit rund vier Monaten.

"Wir haben Fortschritte machen können, auch wenn ich letzten Endes immer noch denke, dass wir nicht die Pace der besten zwei oder drei Teams haben", sagt Dennis bei 'Formula E Zone'. "Das letzte Bisschen fehlt immer noch, wodurch wir pro Runde zwei Zehntelsekunden verlieren. Trotzdem muss ich dem Team danken, die das Auto seit Berlin, wo es immer nur nach hinten ging, deutlich verbessert haben!"

Und dennoch: Bislang läuft es für die britischen Formel-E-Fahrer immer noch nicht rund. Fehlendes Tempo, insbesondere im Qualifying, kostet vielen von ihnen nach wie vor die Gelegenheit auf bessere Ergebnisse - auch in Jakarta. Angesichts der Zuspitzung im WM-Kampf, bei der sich die Top 4 immer weiter vom Rest des Feldes absetzen, ist kaum mehr ein realistischer Eingriff eines Briten in den Titelkampf vorstellbar. Auf einen englischen Fahrermeister wird die Formel E wohl noch mindestens eine Saison warten müssen.

Mit Jaguar schaffte es wenigstens ein in Großbritannien beheimatetes Team, etwas zur Feierstimmung in London beizutragen. Für James Barclay, den Teamchef des Rennstalls, ist der Sieg vom Neuseeländer Mitch Evans sogar Anlass genug für eine besondere Botschaft. "Als britisches Team und Firma ist es eine Ehre", so Barclay nach dem E-Prix, "diesen Rennsieg Ihrer Majestät der Königin an ihrem Jubiläumswochenende zu widmen."

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