Formel E

Überhol-Spektakel im Fürstentum: Das e-Formel.de Fahrer-Rating zum Monaco E-Prix

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Race-Start-Monaco

Beim Monaco E-Prix 2021 meldete sich der amtierende Formel-E-Meister Antonio Felix da Costa eindrucksvoll zurück. Mit einem Sieg auf dem legendären Straßenkurs etablierte sich der Portugiese auf Platz 4 in der Fahrerwertung und stellte unter Beweis, dass auch in dieser Saison mit ihm zu rechnen ist. Dafür sahnte er im e-Formel.de Fahrer-Rating Bestnoten ab.

Im Verlauf des E-Prix wechselte die Führung insgesamt sechsmal. Zum Vergleich: In der Formel 1 gab es im Fürstentum seit 2013 insgesamt (!) nur fünf Überholmanöver für den ersten Platz. Auch auf den Verfolger-Rängen wurden beim siebten Lauf der Formel-E-Saison munter die Positionen getauscht: In den Rundentabellen wurden insgesamt 142 Positionswechsel registriert - wenngleich hierzu fairerweise auch Plätze zählen, die durch Ausfälle gegnerischer Fahrzeugen gewonnen wurden.

Welche Fahrer an einem Formel-E-Wochenende am besten performt haben, tragen wir nach jedem Event in unserem e-Formel.de Fahrer-Rating zusammen. Unsere Redaktion verteilt hierfür Punkte auf einer Skala zwischen 1 und 10 an jeden Piloten. Wie üblich haben wir auch dieses Mal Unterstützung von einer externen Medienkollegin erhalten. Dieses Mal war es Sarah Jarvis von 'The Pit Crew Online'. Vielen Dank!

Das e-Formel.de Fahrer-Rating zum Monaco E-Prix 2021

Antonio Felix da Costa | 10.0 Punkte

Rennergebnis: Platz 1
Fahrerwertung: Platz 4

Für alle Protagonisten im Formel-E-Fahrerlager war der Leistungsdruck vor dem Monaco E-Prix spürbar. Nur wenige standen jedoch derart unter Zugzwang wie Antonio Felix da Costa, der sich sogar mit einem Sportpsychologen auf das Rennwochenende vorbereitete.

Die Pole-Position, das spektakuläre Überholmanöver in der letzten Runde, die hervorragende fahrerische Einzelleistung und die scheinbare Gelassenheit, mit der er das Rennen gewann, bringen dem DS-Techeetah-Fahrer ausschließlich Bestnoten in unserem Fahrer-Rating ein. Und seinen Sprung vom Zehnmeterbrett haben wir nicht mal eingerechnet.

FAZIT: Der unschlagbare Antonio Felix da Costa, den wir seit dem Berlin E-Prix 2020 vermissten, ist zurück. Weiter so!

Robin Frijns | 9.4 Punkte

Rennergebnis: Platz 2
Fahrerwertung: Platz 1

Manchmal kann der Motorsport erbarmungslos sein. Auch wenn Robin Frijns am Rennsamstag in Monaco fast alles richtig machte, reichte es für den Niederländer nicht zum Rennsieg. Nach der ersten Attack-Mode-Sequenz übernahm Frijns die Führungsposition und konnte sich zwischenzeitlich deutlich von seinen Rivalen absetzen.

Mutmaßlich brachte ein kleiner Fahrfehler seine Konkurrenz jedoch wieder in Schlagdistanz. Letztlich wurde er mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,024 Sekunden Zweiter und sammelte genügend Punkte, um die Gesamtführung in der Fahrer-WM zu übernehmen.

FAZIT: So sehr Frijns den Sieg verdient gehabt hätte: Es sollte wohl einfach nicht sein.

Mitch Evans | 9.0 Punkte

Rennergebnis: Platz 3
Fahrerwertung: Platz 3

Mitch Evans' sehenswertes Überholmanöver gegen Antonio Felix da Costa in der Beau-Rivage-Kurve darf in keinem Rückblick auf die Saison 2021 fehlen. Der Neuseeländer lief am vergangenen Wochenende zur Bestform auf und zeigte Leistungen, die an seine herausragenden Rennen in Mexiko-Stadt (2020) oder Rom (2019) erinnerten.

Den Valencia E-Prix, bei dem Jaguar den bisherigen Tiefpunkt der Saison erreichte, glich Evans mit einer exzellenten fahrerischen Leistung in Monaco aus. Hätte er bei seiner sensationellen Attack-Mode-Aufholjagd etwas mehr Energie gespart, wäre er wahrscheinlich als Sieger aus dem Fürstentum abgereist.

FAZIT: Evans zeigte in Monaco seine beste Leistung der bisherigen Saison.

Jean-Eric Vergne | 8.0 Punkte

Rennergebnis: Platz 4
Fahrerwertung: Platz 7

Jean-Eric Vergne dürfte mit gemischten Gefühlen auf den Monaco E-Prix zurückblicken. Einerseits verbuchte der Franzose sein zweitbestes Ergebnis dieser Saison. Auch ist er der einzige Pilot, der in jedem der letzten drei Rennen in die Punkteränge fahren konnte.

Andererseits hätte Vergne das Rennen vielleicht sogar gewinnen können. Im Positionskampf mit Evans verlor er zwischenzeitlich einen Platz, obwohl der Neuseeländer ihn außerhalb der Streckenbegrenzung in der Hafen-Schikane überholte.

Erst zwei Runden später ordnete Rennleiter Scot Elkins einen Positionstausch der beiden Rivalen an. Zu diesen Zeitpunkt hatte Vergne jedoch bereits den "strategischen Anschluss" an die Spitzenpositionen verloren. Ein sehenswertes Manöver gegen Maximilian Günther (BMW) im Tunnel brachte ihn schließlich in der vorletzten Runde auf einen verdienten vierten Platz.

FAZIT: Vergne machte in Monaco fast alles richtig und dürfte zufrieden mit seinem vierten Platz sein.

Sam Bird | 7.6 Punkte

Rennergebnis: Platz 7
Fahrerwertung: Platz 5

Der alte Sam Bird ist zurück! Nachdem der Brite gemeinsam mit seinem Jaguar-Teamkollegen Evans beim Valencia E-Prix im Sumpf der Unauffälligkeit verschwand, meldete er sich in Monaco mit einer ausgezeichneten Fahrerleistung zurück. In den Freien Trainings begegnete er Evans auf Augenhöhe, im Qualifying war er seinem Garagennachbarn klar unterlegen, doch im Rennen machte er etliche Positionen gut und holte noch ein solides Ergebnis.

FAZIT: Auch wenn mehr möglich gewesen wäre, sind die mit Platz 7 verbundenen Weltmeisterschaftspunkte mehr als verdient.

Maximilian Günther | 7.4 Punkte

Rennergebnis: Platz 5
Fahrerwertung: Platz 16

Eine Teilnahme an der Super-Pole wird für Maximilian inzwischen zur Gewohnheit. In Monaco nahm der BMW-Fahrer bereits zum vierten Mal in dieser Saison am finalen Shoot-out teil, kam aber erneut nicht über Startplatz 5 hinaus.

Im Rennen konnte sich der 23-Jährige zwischenzeitlich bis auf Rang 3 vorarbeiten, fiel bis zum Zieleinlauf jedoch wieder auf seine Startposition zurück. Einen kleinen Energievorteil konnte Günther in der Schlussphase des Rennens nicht ausnutzen, nachdem er von Oliver Rowland (Nissan) touchiert wurde und viel Zeit verlor.

FAZIT: Ein gutes Comeback nach dem katastrophalen Valencia-Wochenende. Platz 16 in der Meisterschaft ist dennoch nicht die Position, auf die Günther für die Saisonmitte gehofft haben dürfte.

Nick Cassidy | 6.8 Punkte

Rennergebnis: Platz 8
Fahrerwertung: Platz 17

Seit einigen Wochen bahnt sich ein "Durchbruch" in Nick Cassidys Formel-E-Karriere an. Zwar reichte es beim Monaco E-Prix abermals nicht für sein erstes Podiumsergebnis. Doch dafür, dass Cassidy zum ersten Mal in seiner Karriere ein Rennen im Fürstentum bestritt, schlug sich der Neuseeländer gut.

FAZIT: Cassidy verpasste den Einzug in die Super-Pole nur um Haaresbreite. Hätte er das Rennen aus den ersten drei Startreihen aufgenommen, wäre er wohl mittendrin im Kampf um das Podium gewesen.

Oliver Rowland | 6.8 Punkte

Rennergebnis: Platz 6
Fahrerwertung: Platz 9

Für Oliver Rowland ist es das alte Lied: Wieder war er deutlich schneller als sein Teamkollege, doch wieder konnte er nicht mit einem Spitzenergebnis auf sich aufmerksam machen. Die Streichung seiner Rundenzeit in der Super-Pole dürfte maßgeblich dazu beigetragen haben, dass in Monaco kein besseres Resultat möglich war. Das Team war nach dem Gruppe-4-Unfall von Sergio Sette Camara (Dragon) schlicht nicht darauf vorbereitet, Rowland rechtzeitig ins Shoot-out zu entlassen.

Wie knapp der 28-Jährige nach einem soliden Rennen am Treppchen vorbeischrammte, verdeutlicht ein Blick auf die Zeitentabellen. Beim Zieleinlauf fehlten ihm nur 0,993 Sekunden auf den Drittplatzierten Mitch Evans. Beinahe unglaublich, dass zwischen ihm und dem Podium trotzdem noch zwei andere Fahrzeuge lagen…

FAZIT: Rowland ist in dieser Saison klar der bessere Nissan-Fahrer. Damit er um die Meisterschaft kämpfen kann, darf er aber nicht den Anschluss an Fahrer wie Vandoorne, Evans oder Frijns verlieren und muss endlich mal wieder ein Highlight setzen.

Alex Lynn | 6.6 Punkte

Rennergebnis: Platz 9
Fahrerwertung: Platz 15

Das Team Mahindra hatte am gesamten Monaco-Wochenende mit der Effizienz zu kämpfen, besonders im dritten Sektor der Rennstrecke. In der Qualifikation sicherte sich Alex Lynn einen respektablen neunten Platz, auf dem er - dank einer Zeitstrafe gegen Andre Lotterer (Porsche) - nach dem Zieleinlauf auch gewertet wurde.

FAZIT: Ein Rennwochenende mit dem Prädikat "so lala". Für Lynn hätte es womöglich noch besser laufen können, insbesondere in Anbetracht seiner Spitzenleistung in Valencia.

Lucas di Grassi | 6.4 Punkte

Rennergebnis: Platz 10
Fahrerwertung: Platz 19

Mit Startposition 17 dürfte Lucas di Grassi keineswegs zufrieden gewesen sein. Das gilt insbesondere mit Blick auf den Fakt, dass der Kunden-Audi von Robin Frijns aus der ersten Startreihe ins Rennen ging. Di Grassi pflügte dennoch durch das Feld, präsentierte eine der für ihn typischen Aufholjagden und lag bereits am Ende von Runde 1 auf Rang 14.

Bis zum Safety-Car hatte er sich sogar auf Platz 9 vorgearbeitet. Abseits der TV-Bilder kollidierte er in der Schlussphase jedoch mit Andre Lotterer (Porsche). Di Grassi fiel auf Platz 10 zurück - immerhin ein Punkt für den Brasilianer.

FAZIT: Nach dem 17. Startplatz blieb di Grassi in Monaco nur noch Schadensbegrenzung. Da wäre mehr möglich gewesen!

Die weiteren Positionen im Fahrer-Rating:

 

Position Fahrer Note Rennergebnis
11. Rene Rast 5,8 DNF
12. Pascal Wehrlein 5,4 DNF
13. Andre Lotterer 5,4 Platz 17
14. Edoardo Mortara 5,2 Platz 12
15. Tom Blomqvist 4,4 Platz 14
16. Norman Nato 4,4 Platz 13
17. Sebastien Buemi 4,2 Platz 11
18. Jake Dennis 3,6 Platz 16
19. Nico Müller 3,6 Platz 18
20. Stoffel Vandoorne 3,6 DNF
21. Nyck de Vries 3,6 DNF
22. Alexander Sims 3,2 DNF
23. Sergio Sette Camara 3,0 Platz 15
24. Oliver Turvey 3,0 Platz 19
So hat die Redaktion abgestimmt:
Fahrer Tobias Bluhm Svenja König Timo Pape Tobias Wirtz Sarah Jarvis Durchschnitt
01. Antonio Felix da Costa 10 10 10 10 10 10.00
02. Robin Frijns 10 9 9 10 9 9.40
03. Mitch Evans 9 9 9 9 9 9.00
04. Jean-Eric Vergne 8 8 8 8 8 8.00
05. Sam Bird 7 8 8 7 8 7.60
06. Maximilian Günther 6 7 8 8 8 7.40
07. Nick Cassidy 6 7 7 7 7 6.80
   Oliver Rowland 6 7 7 7 7 6.80
09. Alex Lynn 5 7 7 7 7 6.60
10. Lucas di Grassi 5 7 6 7 7 6.40
11. Rene Rast 5 6 6 5 7 5.80
12. Pascal Wehrlein 4 5 6 6 6 5.40
13. Andre Lotterer 5 6 5 5 6 5.40
14. Edoardo Mortara 5 7 5 4 5 5.20
15. Tom Blomqvist 5 2 4 5 6 4.40
16. Norman Nato 3 4 5 5 5 4.40
17. Sebastien Buemi 5 4 3 4 5 4.20
18. Jake Dennis 3 2 4 4 5 3.60
19. Nico Müller 4 3 3 3 5 3.60
20. Stoffel Vandoorne 4 3 3 4 4 3.60
21. Nyck de Vries 4 3 2 5 4 3.60
22. Alexander Sims 4 2 2 4 4 3.20
23. Sergio Sette Camara 2 1 2 4 6 3.00
24. Oliver Turvey 3 2 2 3 5 3.00

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