Formel E

Vandoorne glänzt & Porsche stolpert: Das e-Formel.de Fahrer-Rating zum Monaco E-Prix 2022

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Friends-Rivals-Formula-E-Mercedes-Jaguar

Nach dem Monaco E-Prix der Formel E nimmt der Titelkampf 2022 endgültig Fahrt auf. Stoffel Vandoorne und Mercedes katapultierten sich mit einem Sieg an die Spitze der Fahrer- und Teamwertungen, doch mehrere Fahrer liegen weiterhin in Schlagdistanz. In unserem Fahrer-Rating küren wir die besten Piloten des Wochenendes.

Wie üblich hat unsere Redaktion nach dem Wochenende die Einzelleistungen sämtlicher Fahrer bewertet. Alle Piloten werden dabei auf einer Skala zwischen 1 und 10 Punkten eingeschätzt, der Durchschnitt aller Wertungen ergibt anschließend unseren "Rating-Score". Unterstützt werden wir dabei stets von externen Medienkolleg:innen. Dieses Mal war es der französische Eurosport-Kommentator Alexandre Khaldi. Merci beaucoup!

Das e-Formel.de Fahrer-Rating zum Monaco E-Prix 2022

1. Stoffel Vandoorne | Mercedes-EQ | 9.3 Punkte

Wie ein Tiger auf der Jagd lauerte Stoffel Vandoorne in der ersten Hälfte des Rennens auf seine Chance - und packte dann eiskalt zu, als er sie bekam. Im Windschatten der vorausfahrenden Autos konnte er zunächst jede Menge Strom einsparen, den er anschließend bei taktisch klugem Einsatz seiner Attack-Modes nutzte, um die Führung zu übernehmen. Er verteidigte Platz 1 auch bei einem Safety-Car-Neustart und fuhr souverän als Sieger ins Ziel.

FAZIT: Vandoorne bestritt ein brillantes Rennen in Monaco, bei dem der Mercedes-Fahrer seine ganze Klasse ausspielen konnte.

2. Mitch Evans | Jaguar TCS Racing | 8.8 Punkte

Nach seinem sensationellen Doppelsieg in Rom reiste Mitch Evans mit breiter Brust nach Monaco. Der Neuseeländer machte im Fürstentum genau dort weiter, wo er drei Wochen zuvor aufgehört hatte. Mit einem gut abgestimmten Fahrzeug stürmte der 27-Jährige auf die Pole-Position und führte die erste Phase des Rennens an.

Da er seinen direkten Verfolgern auf den für Formel-E-Verhältnissen langen Geraden jede Menge Windschatten spendierte, geriet Evans bald darauf jedoch in Energieprobleme. Somit fiel er zunächst hinter Pascal Wehrlein (Porsche) und Stoffel Vandoorne zurück, beendete den E-Prix nach Wehrleins Ausfall letztlich aber auf Rang 2.

FAZIT: Abermals ein bärenstarker E-Prix von Evans, der seinem Teamkollegen Sam Bird erneut den Zahn zog.

3. Pascal Wehrlein | TAG Heuer Porsche | 8.3 Punkte

Beinahe wäre es erneut der perfekte Nachmittag für Pascal Wehrlein geworden - dann bereitete ein Technik-Fehler seinem Monaco-Rennsamstag ein jähes Ende. In Führung liegend konnte der Deutsche zwischenzeitlich mit genügend Energie das Tempo vorgeben, ehe ein elektronisches Problem ihn zur Aufgabe zwang.

Die Ursache für das abgeschaltete Fahrzeug hat Porsche inzwischen identifiziert: Die 12-Volt-Niederspannungsbatterie konnte nicht mehr aufgeladen werden. Der Akkumulator konnte wichtige Fahrzeugsysteme somit nicht mehr mit dem nötigen Strom versorgen, weshalb die Elektronik im Fahrzeug ausfiel. Wehrleins verzweifelte Versuche, das Auto mit einem "Power Cycle" wieder zum Rollen zu bringen, blieben erfolglos.

FAZIT: Der Monaco-Ausfall ist eine bittere Pille für den schnellen Deutschen. Der Motorsport kann manchmal ungerecht sein…

4. Jean-Eric Vergne | DS Techeetah | 8.3 Punkte

Für den ehemaligen Formel-E-Meister Vergne wäre in Monaco sogar der Rennsieg möglich gewesen. Allerdings lotste ihn sein Team wenige Sekunden vor der Full-Course-Yellow-Phase, die zur Bergung des havarierten Porsche von Wehrlein ausgerufen wurde, durch die Attack-Zone. Der Franzose verlor dabei wertvolle Zeit im 250-kW-Modus, die er benötigt hätte, um an die Spitze des Feldes zu fahren.

FAZIT: Ähnlich wie in Rom präsentierte sich Jean-Eric Vergne in Monaco von seiner besten Seite. Als WM-Zweiter gehört er nach wie vor zu den Fahrern mit den besten Aussichten im Titelkampf.

5. Robin Frijns | Envision Racing | 8.0 Punkte

Dass Robin Frijns in sechs Qualifying-Sessions sechsmal die K.-o.-Phase erreichte, dürfte Beweis genug für das unbestrittene Talent des Niederländers sein. Auf einer Runde hat er seinen Teamkollegen Nick Cassidy in diesem Jahr klar im Griff, im Rennen reichte es bislang aber noch nicht zum großen Wurf. In Monaco blieb Frijns eher unauffällig, sammelte als Vierter aber wichtige WM-Punkte.

FAZIT: Frijns bestritt ein besonnenes Rennen, bei dem er nie wirklich um den Sieg kämpfte. Ein Podium wäre wohl möglich gewesen, das trübt sehr guten Gesamteindruck seiner Individualleistung aber nicht.

6. Sebastien Buemi | Nissan e.dams | 7.5 Punkte

ENDLICH! Sebastien Buemi kehrte in Monaco zu der Form zurück, die Formel-E-Fans bereits in seiner Meisterschaftssaison 2015/16 beobachten konnten. Nach einem enttäuschenden Qualifying, bei dem er auf seiner schnellsten Runde von einer gelben Flagge ausgebremst wurde, arbeitete sich der Schweizer fokussiert durch das Feld und überholte dabei stolze 14 Fahrzeuge. Am Ende überquerte Buemi den Zielstrich auf einem hochverdienten achten Platz, der ihm vier WM-Punkte einbrachte.

FAZIT: Während Teamkollege Günther mit der Energie zu kämpfen hatte, blieb Buemi bis zum Ende cool. Im schwer abzustimmenden Nissan-Renner dürfte dieses Resultat fast einem Rennsieg gleichen.

7. Nick Cassidy | Envision Racing | 7.3 Punkte

Ganz ähnlich wie Sebastien Buemi wäre ohne ein verkorkstes Qualifying wohl mehr für Nick Cassidy möglich gewesen. Dass das Rennen des Neuseeländers hervorragend lief, ist dennoch nicht von der Hand zu weisen: Von Startrang 18 arbeitete er sich bis auf den siebten Platz vor. Auch wenn er dabei von Ausfällen seiner Konkurrenten und etwas Glück beim Energiemanagement profitierte, egalisierte Cassidy dabei sein bislang bestes Rennergebnis 2022.

FAZIT: Nick Cassidy musste sich seinem Garagennachbarn Frijns erneut geschlagen geben. Unser Panel würdigt seine sehenswerte Aufholjagd dennoch mit guten Punktewertungen.

8. Antonio Felix da Costa | DS Techeetah | 7.3 Punkte

Zwar konnte Antonio Felix da Costa 2022 nicht seine Zauberfahrt aus dem Vorjahr wiederholen, doch mit seiner Hatz von Platz 10 auf den fünften Rang dürfte er trotzdem zufrieden sein. Im Training leistete er gute Arbeit bei der Feinabstimmung seines DS-Techeetah-Wagens, sodass er im Rennen von einer guten Balance profitieren konnte.

FAZIT: Eine gute Fahrzeugabstimmung gab dem Portugiesen viel Selbstbewusstsein. In Monaco musste er sich dem Glanz seines Teamkollegen trotzdem unterordnen.

9. Edoardo Mortara | ROKiT Venturi Racing | 6.8 Punkte

Beim Venturi-Heimspiel in Monaco zeigte Edoardo Mortara seine gesamte fahrerische Klasse. Ausgehend von einem eher bescheidenen Startplatz 16 arbeitete er sich dank einer hervorragenden Attack-Mode-Strategie bis in die Top 7 vor. Im erhöhten Leistungsmodus pirschte er sich ausgangs des Tunnels an seinen Teamkollegen Lucas di Grassi heran und legte sich den Brasilianer für ein Überholmanöver zurecht.

Dass di Grassi - seinerseits nicht im Attack-Mode - die Innenbahn der Nouvelle Chicane mit aller Härte verteidigen würde, hat wohl auch Mortara überrascht. Es kam Kontakt zwischen den Teamkollegen, in dessen Folge der Schweizer den E-Prix mit einem beschädigten Auto sogar aufgeben musste. Im Briefing nach dem Rennen dürften die Fetzen geflogen sein…

FAZIT: Di Grassi bereitete einem hervorragenden Rennen seines Teamkollegen Mortara ein jähes Ende. Bei Venturi liegt Krach in der Luft.

10. Andre Lotterer | TAG Heuer Porsche | 7.0 Punkte

Es kommt immer anders als man denkt. Andre Lotterer fuhr in Monaco ein solides Rennen innerhalb der Top 10, bis er in einen Positionskampf mit Oliver Rowland involviert wurde. Der Brite verlor dabei auf dem Kerb von Kurve 1 die Kontrolle über seinen Mahindra-Renner und schlitterte in den Wagen von Lotterer, der kurz darauf in der TecPro-Bande feststeckte. Der Unfall besiegelte das Ende eines bitteren Tages für Porsche.

FAZIT: Ein unverschuldeter Crash mit Oliver Rowland raubte Lotterer die Möglichkeit auf gute Punkte im WM-Kampf.

Die weiteren Positionen im Fahrer-Rating:

 

Position Fahrer Note Ergebnis
11. Lucas di Grassi 6,5 Platz 6
12. Jake Dennis 6,3 Platz 9
13. Nyck de Vries 5,8 Platz 10
14. Alexander Sims 5,5 Platz 11
15. Maximilian Günther 5,3 Platz 17
16. Dan Ticktum 4,8 Platz 12
17. Sam Bird 4,8 DNF
18. Sergio Sette Camara 4,5 Platz 13
19. Oliver Askew 4,3 Platz 15
20. Oliver Turvey 3,8 Platz 14
21. Antonio Giovinazzi 3,5 Platz 14
22. Oliver Rowland 2,8 DNF

 

So hat die Redaktion abgestimmt:
Fahrer Tobias Bluhm Tobias Wirtz Svenja König Alexandre Khaldi Durchschnitt
01. Stoffel Vandoorne 9 10 9 9 9.3
02. Mitch Evans 9 9 9 8 8.8
03. Pascal Wehrlein 9 9 7 8 8.3
04. Jean-Eric Vergne 8 9 8 8 8.3
05. Robin Frijns 8 9 8 7 8.0
06. Sebastien Buemi 8 7 6 9 7.5
07. Nick Cassidy 7 7 6 9 7.3
08. Antonio Felix da Costa 6 8 7 8 7.3
09. Edoardo Mortara 8 9 5 6 7.0
10. Andre Lotterer 7 8 7 6 7.0
11. Lucas di Grassi 6 7 7 6 6.5
12. Jake Dennis 5 6 6 8 6.3
13. Nyck de Vries 5 6 6 6 5.8
14. Alexander Sims 5 5 5 7 5.5
15. Maximilian Günther 6 4 6 5 5.3
16. Dan Ticktum 4 5 3 7 4.8
17. Sam Bird 5 4 5 5 4.8
18. Sergio Sette Camara 3 5 3 7 4.5
19. Oliver Askew 6 3 3 5 4.3
20. Oliver Turvey 3 5 1 6 3.8
21. Antonio Giovinazzi 4 2 2 6 3.5
22. Oliver Rowland 3 0 4 4 2.3

 

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