Formel E

Vandoorne & Mercedes kurz vor doppeltem Titelgewinn: "Lieber in meiner Position als in irgendeiner anderen"

Timo Pape

Timo Pape

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Der große Gewinner des London E-Prix heißt Stoffel Vandoorne. Während der Mercedes-Pilot insgesamt 30 Punkte aus der britischen Hauptstadt mitnahm, holte sein Hauptrivale Mitch Evans nur derer zehn, während Edo Mortara und Jean-Eric Vergne ganz leer ausgingen. Beim Seoul E-Prix spricht alles für die erste Formel-E-Weltmeisterschaft Vandoornes und eine Titelverteidigung des Mercedes-Werksteams.

36 Punkte Vorsprung hat Vandoorne vor den letzten beiden Rennen in Südkorea - "auf jeden Fall schon mal ein komfortablerer Puffer", findet er selbst. "Ich wäre lieber in meiner Position als in irgendeiner anderen. Trotzdem muss ich auf dem Boden der Tatsachen bleiben. In der Formel E ist es nicht zu Ende, bevor es wirklich zu Ende ist."

Rechnerisch ist schließlich noch alles möglich für seine Konkurrenten Evans und Mortara - sogar Vergne hat noch eine theoretische Minimalchance. "Mitch hat in Rom schon zwei Rennen in Folge gewonnen", gibt Vandoorne zu bedenken. Ich kann mir keine Fehler leisten. Wir werden alles geben und uns gut für Seoul vorbereiten, um dort hoffentlich alles unter Dach und Fach zu bringen."

Das Fundament für diesen wichtigen Schritt im Titelrennen legte Vandoorne mit einem erneut starken Auftritt am Sonntag, als er sich von Startplatz 13 bis auf den vierten Rang vorkämpfte. "Ich glaube, das war heute tatsächlich ein großartiges Rennen - gerade auf so einer Strecke wie hier, wo das Qualifying eigentlich superwichtig ist, weil überholen so schwierig ist. Eine tolle Aufholjagd und das Maximum, was wir heute hätten erreichen können."

Keine Mercedes-Teamorder: "Da gab es keine Zweifel"

Es könnte in der Gesamtwertung sogar noch besser für Vandoorne aussehen, hätte Mercedes-EQ eine Teamorder ausgesprochen. Schließlich lag sein Teamkollege Nyck de Vries vor ihm auf Platz 3 und hätte Vandoorne kurz vor Schluss noch vorbeilassen können, um ihm weitere Punkte zu bescheren. Teamchef Ian James entschied sich jedoch dagegen und ließ dem sportlichen Wettkampf freien Lauf - und de Vries sein verdientes Podium.

"Das ist natürlich immer eine Option und eine Frage, die jedes Motorsportteam diskutieren muss", gibt Teamchef Ian James zu. "Heute lag Stoffel aber ein ganzes Stück zurück - da gab es keine Zweifel. Und es gibt immer auch ein gewisses Risiko, wenn man solche Dinge tut. Es muss schon eine klare Situation sein, wenn man so etwas macht."

Ein positiver Nebeneffekt für die Teamchemie: De Vries durfte nach einem guten Rennsonntag an der Siegerehrung teilnehmen. "Natürlich spielt auch immer der Stolz eine Rolle - das gilt für uns alle", gibt James mit Blick auf seinen ehrgeizigen Piloten aus den Niederlanden zu bedenken. "Deshalb muss man das wohl dosieren. Wir werden sehen, wie es in den nächsten Rennen ausgehen wird."

De Vries mit Aufhängungsschaden auf Platz 3

Nyck de Vries brachte somit wie schon am Samstag den dritten Platz ins Ziel, wenngleich er den Pokal am Vortag nach einer nachträglichen Strafe noch hatte abgeben müssen. Umso glücklicher zeigte sich der (noch) amtierende Formel-E-Meister nach dem Sonntagslauf: "Ich bin wirklich zufrieden heute mit diesem guten Teamresultat", so der Fahrer mit der Startnummer 17. "Zumal sieben, acht Runden vor Schluss etwas an meiner Aufhängung brach. Ich hatte wirklich Angst, das Rennen nicht beenden zu können. Wäre das nicht gewesen, hätten wir vielleiht sogar noch Jake (Dennis) angreifen können."

In zwei Wochen beim Seoul E-Prix kann Mercedes beide WM-Titel sicherstellen - wie schon im Vorjahr in Berlin. In der Fahrermeisterschaft dürfte jedenfalls kaum noch etwas anbrennen: Bei 58 noch zu vergebenden Punkten müsste Mitch Evans schon beide Rennen gewinnen und hoffen, dass Vandoorne maximal 22 Punkte in zwei Rennen holt - eher unwahrscheinlich.

In der Teamwertung hat Mercedes-EQ 35 Punkte Vorsprung auf sein eigenes Kundenteam Venturi. Auch hier gilt: Das Werksteam müsste patzen, um den zweiten Titel in Folge noch zu verspielen. Zudem lief es bei Mortara zuletzt gar nicht rund. Vor dem Formel-E-Ausstieg der Stuttgarter steht jetzt schon fest: Mercedes verlässt die Serie als absolutes Topteam - und wahrscheinlich mit zwei weiteren Weltmeisterschaften.

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