Formel E

Venturi-Teamchefin Susie Wolff im Interview: "Formel E braucht keine Formel-1-Fahrer"

Timo Pape

Timo Pape

Die ehemalige Formel-1-Testfahrerin und neue Venturi-Teamchefin Susie Wolff ist der Auffassung, dass die Formel E mittlerweile weniger auf ehemalige F1-Fahrer angewiesen ist - und das kurz nach der Verpflichtung von Felipe Massa im eigenen Rennstall. Darüber hinaus skizziert sie im Gespräch mit CNN-Moderatorin Nicki Shields einige der bevorstehenden Herausforderungen - darunter die Einführung des neuen Gen2-Autos, die enge Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Teamkollegen Massa bei Venturi und  die Teilnahme von Frauen im Motorsport.

Nachdem sich Wolff im Jahr 2015 entschieden hat, ihre Karriere als Fahrerin zu beenden, spricht sie mit Shields über den Mangel an weiblichen Vorbildern und die fehlende Visibilität von Frauen im Motorsport. Im Interview mit 'CNN Supercharged' erklärt Wolff, warum sie in die vollelektrische Rennserie gewechselt ist und was sie von der bevorstehenden fünften Formel-E-Saison erwartet.

Susie, nicht nur du hast eine neue Rolle bei Venturi - auch Felipe Massa ist von nun an als Fahrer im Team. Was kann er in der Formel E erreichen?

Wir waren Teamkollegen bei Williams. Ich kenne ihn also gut. Er kann viel ins Team mit einbringen. Ich habe vor, eine Kultur und Energie in einem Team in meinem Team zu schaffen, die es jedem erlaubt zu gedeihen. Felipe ist jemand, von dem ich definitiv überzeugt bin, dass er dies bei Venturi tun kann.

Ist Massas Wechsel in die Formel E ein Signal für weitere Formel-1-Fahrer, sich ihm anzuschließen?

Möglicherweise, aber ich glaube nicht, dass man Formel-1-Fahrer in der Formel E braucht. Ich habe schon viel Respekt vor vielen großartigen Fahrern im (Formel-E-) Fahrerlager. Ich denke, sie haben zurecht ihren Weg in die Formel E gefunden und sie dadurch in eine Rennserie mit so viel Potenzial verwandelt.

Teamchefin in der aufstrebenden Formel E - siehst du dich als Vorbild für Frauen im Motorsport?

Mein Ziel war es nie zu zeigen, wozu Frauen fähig sind. Ich wollte immer das Bestmögliche aus mir herausholen. Ich dachte, die ganze Geschlechterfrage sei vorbei, als ich aufhörte zu fahren. Aber ich beobachte auch, dass meine Rolle als Teamchefin ziemlich viel Interesse hervorruft. Wenn das andere Frauen inspiriert und zeigt, was möglich ist, dann ist es ein großartiger Nebeneffekt. Aber das ist ganz sicher nicht mein Hauptziel.

Hast du als Teamchefin mit anderen Herausforderungen zu kämpfen als deine männlichen Kollegen?

Ich glaube nicht, dass mein Geschlecht etwas damit zu tun hat. Wir sind ein Team, das nicht die Leistung bringt, die es bringen sollte. Wir alle haben den Wunsch, unsere Performance zu verbessern. Unser Team verfügt über einige großartige Leute, und zusammen werden wir unsere Leistung auf der Strecke verbessern. Aber ich denke nicht, dass mein Geschlecht meinen Job noch schwieriger machen wird.Ich lasse nicht zu, dass ich eine Position einnehme und darüber nachdenke, wie es wohl für einen Mann wäre. Ich bin hier, weil ich hier sein will. Ich bin hier, weil ich eine große Chance mit einem großartigen Team habe und ich beabsichtige, das Beste daraus zu machen.

Warum sehen wir nach wie vor wenige Mädchen und Frauen im Motorsport?

Ich denke, es ist ein zweistufiges Problem. Zunächst gibt es nicht genügend Vorbilder, die die nächste Generation inspirieren - und das führt zum zweiten Problem. Wir haben einfach nicht genug Frauen, die in den Sport einsteigen. Man muss talentiert sein, um erfolgreich zu sein – das Geschlecht ist dabei eigentlich irrelevant.

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