Formel E

Vergne hadert mit Marrakesch-Hitze, Felix da Costa mit Teamorder: "Hätten den Tausch später machen können"

Timo Pape

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DS Techeetah hatte beim Marrakesch E-Prix der Formel E vermeintlich das schnellste Auto, doch ganz vorn landete mit Edo Mortara ein anderer. Antonio Felix da Costa fuhr ein starkes Rennen und wurde Zweiter, während Jean-Eric Vergne letztlich an Pace und sogar noch den dritten Podiumsrang verlor. Am Ende könnte eine suboptimale Teamorder DS Techeetah den Rennsieg und die WM-Führung gekostet haben.

"Ein paar Dinge haben mein Rennen beeinträchtigt", erklärte Felix da Costa kurz nach Rennende im TV-Weltsignal und anschließend in der Pressekonferenz. "Erst hat mich Rowland in der Frühphase des Rennens berührt, sodass ich das Auto beinahe komplett verloren hätte. Das gab Edo (Mortara) die Chance, sich den Attack-Mode zu holen und vor mir wieder auf die Strecke zu kommen. Das hat ihm frühzeitig im Rennen natürlich ein viel besseres Arbeitsfenster eingebracht."

Pole-Sitter Felix da Costa sah sich demnach in der Verfolgerrolle und blieb an Mortara dran. Gut elf Minuten vor dem Ende ließ der Portugiese seinen Teamkollegen Vergne auf Anfrage des Teams hin vorbei, weil dieser im Gegensatz zu ihm dieses Jahr um die Formel-E-WM kämpft. Vergne schaffte es jedoch nicht, Mortara gefährlich zu werden. So funkte Felix da Costa schließlich sein Team an, er könne Mortara schnappen. Tatsächlich tauschten die beiden DS-Fahrer wieder die Positionen, damit Felix da Costa auf die Jagd gehen konnte.

"Am Ende habe ich ihn unter Druck gesetzt und noch versucht, ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern. Aber ich wusste schon, dass es schwierig würde", so der Formel-E-Meister von 2020. "Edo hatte, glaube ich, einen Vorteil in Sachen Batterie-Temperatur. Er hatte immer noch ein bisschen in der Hinterhand, wenn er es gebraucht hat." So ließ sich Mortara nicht aus der Ruhe bringen und trug einen Vorsprung von rund 2,2 Sekunden ins Ziel.

Felix da Costa: "So haben wir Edo noch einen Vorteil gegeben"

Aus Sicht von Felix da Costa hätte es jedoch auch anders ausgehen können, wäre da nicht die relativ frühe Techeetah-Teamorder gewesen: "Es ging ein bisschen hin und her mit meinem Teamkollegen, was uns beide Zeit gekostet hat. Aus meiner Perspektive kann ich nur sagen: Ich wusste, dass ich mehr (Pace) hatte als Edo. Wir wären wahrscheinlich besser dran gewesen, wenn ich ihn hätte bekämpfen können. Dann hätten wir den Tausch ja später noch machen können."

"So haben wir Edo noch einen Vorteil gegeben, und er konnte wieder eine Lücke herausfahren und sein Rennen managen", erklärt Felix da Costa weiter. "Aber ich vertraue meinen Jungs komplett. Wenn sie sagen, das sei der beste Moment gewesen, dann war es der beste. Sie haben ja viel mehr Daten als ich im Auto, daher vertraue ich ihnen. Wir haben es versucht, aber am Ende sah es so aus, als hätte JEV (Spitzname von Vergne) nicht genug Pace gehabt."

Vergne: "Hitze von Marrakesch hat jedoch anders entschieden"

Vergne sparte in der ersten Rennhälfte viel Energie und verlor folgerichtig einige Positionen. Nach und nach arbeitete er sich anschließend jedoch wieder nach vorn auf Platz 3, dann kam die Teamorder. Der WM-Zweite konnte sich jedoch weder von seinem Teamkollegen absetzen, noch einen Angriff auf den Führenden Mortara starten. In den letzten Minuten verlor er sogar noch mehrere Sekunden auf die Spitze und musste den Pokal für Platz 3 noch an Mitch Evans abtreten. Der Grund für Vergnes dramatischen Pace-Verlust lag offenbar im Temperaturmanagement.

"Das ist kein schönes Gefühl für mich, vor allem weil ich das ganze Wochenende über die Pace hatte und ganz klar auf den Sieg aus war", so der Franzose in einem Tweet. "Die Hitze von Marrakesch hat jedoch anders entschieden. Glückwunsch zu deinem zweiten Platz, Antonio - gut gemacht. Ich hätte natürlich gern ein besseres Ergebnis mit nach Hause genommen, aber ich freue mich auf die nächsten beiden Rennen in New York. Ich mag die Stadt und die Strecke und habe dort meine beiden Meisterschaften gewonnen. Hoffentlich haben wir in zwei Wochen zwei sehr starke Rennen."

Am Ende des Tages trauert DS Techeetah einer verpassten Chance hinterher, darf aber trotzdem mit einer ordentlichen Punkteausbeute zufrieden sein, die das Team auf Platz 2 in der Team-WM brachte - nur einen Zähler hinter Venturi. "Wir dachten, wir hätten alles unter Kontrolle. Wir haben daran geglaubt, hier gewinnen zu können", hadert Felix da Costa, lenkt jedoch ein: "Ich hätte gern gewonnen, aber wir hatten keine einfache erste Saisonhälfte. Dann jetzt eine Pole-Position und mein erstes Podium der Saison zu holen - das war ein guter Tag."

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