Formel E

"Verstehe den Grund für diese Serie nicht" - Sebastian Vettel kritisiert Formel E, Lucas di Grassi kontert

Timo Pape

Timo Pape

Sebastian-Vettel-Helm-Aston-Martin-F1

Sebastian Vettel hält nach wie vor nichts von der Formel E. Nachdem er die Elektroserie einst als "Käse" bezeichnete, waren zuletzt Spekulationen aufgekommen, nachdem DS Techeetah dem viermaligen F1-Weltmeister eine Testfahrt angeboten hatte. Mehrere Formel-E-Fahrer luden ihn daraufhin in die Elektroserie ein. Im Interview mit der 'ZEIT' unterstreicht Vettel jedoch, dass er nichts vom Konzept der Formel E halte - begründet auch auf einem weit verbreiteten Irrtum.

Vettel hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Seit der Geburt seines ersten Kindes wuchs bei ihm der Drang, sich mehr für die Umwelt einzusetzen. "An einem gewissen Punkt begann ich, mich zu schämen dafür, dass mein Job dazu beiträgt, die Umwelt zu verschmutzen. Ich pflanze nicht hauptberuflich Palmen, sondern verbrenne Kraftstoff bei dem, was ich liebe und was mir Spaß macht." Vor wenigen Wochen gab schließlich Vettel sein F1-Karriereende zum Ende dieses Jahres bekannt.

Doch wie geht es weiter für den Heppenheimer, der in erster Linie mehr Zeit mit seiner Familie verbringen möchte? Wird er dem Rennsport treu bleiben? "Zumindest nicht direkt. Aber weiterhin im Motorsport zu arbeiten, sofern es die richtige Rolle ist, das ist etwas, das ich mir gut vorstellen könnte. Letztlich gibt es auch Bereiche, die weit weg von der klassischen Formel 1 sind", erklärt Vettel.

Eine Rolle in der Formel E zählt jedoch wohl nicht dazu: "Nein, das nicht. Ich möchte kein Repräsentant sein und mein Gesicht hergeben für ein Konzept, von dem ich nicht überzeugt bin. Ich verstehe den Grund für diese Serie nicht. Die Batterietechnologie, die entwickelt und vorangetrieben wird, hat nichts mit der zu tun, die ein normales Auto nutzen könnte", meint der 35-Jährige.

Der alte Irrtum der "roten Bullen"

Vettel führt jedoch noch einen anderen Grund an: "Es ist nicht förderlich für den Erhalt unserer Umwelt, wenn die Batterien oder Akkus nicht mit erneuerbarer Energie geladen werden, sondern mit fossilen Brennstoffen", fährt er fort und sitzt damit offenbar einem alten Irrtum auf, den auch seine ehemaligen Vorgesetzten bei Red Bull Racing immer wieder öffentlich verbreiten.

Sowohl Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko als auch Teamchef Christian Horner kritisierten in der Vergangenheit, dass der Strom zum Laden der Formel-E-Autos mit alten Dieselgeneratoren erzeugt würde. "Was hinter der Box passiert, ist nicht das, was vor der Garage suggeriert wird", meinte Horner im März und sprang damit auf die fragwürdigen Aussagen seines Bosses Marko auf: "Bei der Formel E hat man erkannt, dass das eigentlich ein Etikettenschwindel ist."

Die Aussagen der Red-Bull-Führungsriege sind jedoch falsch. Womöglich haben sie auch Vettels Bild von der Formel E geprägt. Die ehemaligen Dieselgeneratoren (Cummins KTA50) im Formel-E-Fahrerlager laufen seit Anfang 2015 mit Glycerin. Das ungiftige, geruchslose und wasserlösliche Glycerin fällt als Nebenprodukt bei der Biodiesel-Erzeugung an. Bei der Verbrennung im Paddock setzt es 90 Prozent weniger Partikel und Stickoxide (NOx) als Diesel frei.

Di Grassi kritisiert Vettel: "Entweder er hat keine Ahnung, wovon er redet, oder…"

Formel-E-Urgestein Lucas di Grassi hat sich am Donnerstag via Twitter zu Vettels Aussagen zu Wort gemeldet: "Wenn Vettel nicht in die Formel E kommen will, ist das seine Entscheidung. Wenngleich sie die zweitbestbezahlte Monoposto-Serie der Welt ist - natürlich immer noch weit entfernt von den Topgehältern der Formel 1. Dass er jetzt aber sagt, die Technologie der Rennwagen sei kaum relevant für die Zukunft des Automobils…"

"Entweder hat er keine Ahnung, wovon er redet, oder er versucht absichtlich, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen", so der Brasilianer weiter. "All die 'grünen' Dinge, die er in der Vergangenheit gemacht hat - Müll sammeln, mit dem Fahrrad fahren etc. - sind komplettes Greenwashing und nicht das, an das er wirklich glaubt. Also, ob er die Serie nun mag oder nicht - er sollte sie in jedem Fall unterstützen. Das ist alles."

"Punkt könnte kommen, an dem dich niemand mehr will"

Egal, wie Vettel der Formel E nun gegenübersteht - dass er noch einmal regelmäßig in einem Rennwagen Platz nimmt, scheint ohnehin unrealistisch: "Wenn ich mir die 'zweiten' Karrieren anderer Sportler ansehe, stelle ich fest, dass es eine große Herausforderung ist. Der Punkt könnte kommen, an dem du nicht einmal mehr gut genug fürs Mittelfeld bist und an dem dich niemand mehr will."

"Vielleicht macht es mich dann traurig zu sehen, dass alles, was ich mir aufgebaut habe, in sich zusammenfällt. Es gibt anscheinend keine Garantie, diesen Test zu bestehen. Womöglich gewinne ich dieses Rennen nicht, vielleicht komme ich nicht mal ins Ziel", erklärt Vettel.

Nach den jüngsten Aussagen des Heppenheimers ist es unwahrscheinlich, dass wir Vettel eines Tages in einem Formel-E-Auto fahren sehen. Vielmehr dürften wir ihn künftig in beratender Funktion oder als Experten sehen - in welcher Rennserie auch immer.

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