Formel E

"Vollkommen verdient" - Mercedes & de Vries bejubeln Doppel-Titel bei Formel-E-Finale in Berlin

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Formula-E-Mercedes-EQ-Celebrations-Championship

Hollywood hätte wohl kaum ein dramatischeres Drehbuch für das Saisonfinale der Formel E schreiben können. Nacheinander schieden im letzten Lauf der Saison Anwärter auf den WM-Titel aus dem Rennen aus, sodass Nyck de Vries am Ende ein achter Platz zum Titelgewinn genügte. Nach dem Berlin E-Prix dankt er seinem Team mit emotionalen Worten.

"Mir fehlen die Worte, das ist echt emotional", sagte de Vries unmittelbar nach dem Rennen mit Tränen in den Augen. "Die Meisterschaft war bis zum Schluss extrem eng", erzählt de Vries. "So viele Fahrer hatten die Möglichkeit, die WM zu gewinnen. Deswegen sind wir wirklich, wirklich, wirklich glücklich über das Resultat."

Beim Saisonfinale in Berlin genügte dem Niederländer, unter anderem dank Ausfällen seiner Rivalen, ein achter Platz zum WM-Titel.

Erst vor der Saison 2019/20 stieg de Vries als Werksfahrer bei Mercedes-EQ ein und begleitete den Aufbau der Mannschaft von Beginn an. Nach einem durchwachsenen Start in seine Formel-E-Laufbahn - in der Corona-Saison 2020 schaffte er es "nur" auf Gesamtplatz 11 - etablierte sich der Niederländer frühzeitig als Titelanwärter.

Auf dem Weg zu seiner Formel-E-Meisterschaft erzielte er insgesamt vier Podien, zweimal davon als Rennsieger. Aus einem Formtief zur Saisonhalbzeit, als er sechs aufeinanderfolgenden Rennen nur zwei Zähler sammelte, erholte er sich beim London E-Prix im Juli. Dort erreichte er an beiden Tagen den zweiten Platz, wodurch er als Gesamtführender nach Berlin reiste.

De Vries bemängelt Fahrer-Standards: "Will seinen Namen nicht mehr verschweigen..."

"Wir haben hier ein starkes Rennen gezeigt", sagt er über seine eigene Leistung in Deutschland, obgleich de Vries unmittelbar nach der karierten Flagge am Teamfunk anmerkte, dass er mit den fahrerischen Standards seiner Kontrahenten nicht einverstanden war. "Das war enttäuschend. Den Leuten war einfach nicht bewusst, in welcher Situation im Titelkampf wir uns befinden."

"Ich will den Namen nicht mehr verschweigen: Sims muss wirklich besser aufpassen." Bereits am Vortag geriet de Vries mit dem Briten aneinander (Reifenschaden). "Ich habe das Gefühl, dass wir heute noch besser hätten abschließen können. Es war einfach nicht möglich, miteinander zu kämpfen."

Für sein Team findet de Vries lobende Worte. "Die ganze Truppe hat Tag und Nacht gearbeitet, deswegen ist es ein großartiges Gefühl, dass wir auch die Teammeisterschaft gewonnen haben. Ich bin dankbar, dass ich mein Team so belohnen konnte."

"Den heutigen Tag muss ich erst einmal etwas sacken lassen, ich habe es noch nicht ganz realisiert. Das letzte Mal, dass ich eine Weltmeisterschaft gewonnen habe, war 2010 und 2011 in der Kart-WM. 2019 habe ich die F2 gewonnen, heute hier. Das kann mir niemand nehmen. Das macht mich glücklich."

Mercedes' Teamchef Ian James findet, dass de Vries ein würdiger Weltmeister ist. "Er ist da sehr bescheiden", analysiert James, "einfach ein bodenständiger Typ. Das war sein Approach in der gesamten Saison: Er war sehr fokussiert auf die Aufgaben, die ihm gestellt wurden."

"Allein aus diesem Grund ist dieser Titel vollkommen verdient. Dass er der erste Formel-E-Weltmeister ist, ist etwas sehr Besonderes."

Neben der Fahrermeisterschaft sicherte sich Mercedes-EQ auch den Titel in der Herstellerwertung der Formel E. Beim letzten Rennen zogen die "Silberpfeile" an Jaguar Racing vorbei. Stoffel Vandoorne, der bereits 2020 Vizemeister wurde, beendete die Saison auf Platz 9.

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1 Kommentare

Simon ·

Tut mir leid aber ich finde es schwierig nach so einem Finale von einem verdienten Titel zu sprechen. Er hat zwar vor dem Rennen geführt, hat aber nur durch die Ausfälle seiner Konkurrenz gewonnen. Wäre Evans nicht stehengeblieben oder wäre Ihm statt Motara jemand anderes draufgefahren, hätte er den Titel nicht geholt. De Vries hätte sogar ausfallen können und hätte trotzdem den Titel geholt. So ist er dann ehrlich gesagt auch gefahren. Da finde ich es jetzt auch echt schwach, dass er nach dem Rennen noch gegen Sims nachtritt. Die Manöver von De Vries waren am Ende mit sehr viel unnötigem Risiko. Sich dann noch über die anderen Fahrer zu beschweren finde ich wenig weltmeisterlich.

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