Formel E

Vom Kundenteam zum Werksteam - DS TECHEETAH

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Im zehnten und vorletzten Teil unserer großen Teamvorstellungsrunde auf e-Formel.de geht es heute um das einzige Formel-E-Team unter chinesischer Flagge, dessen Markenzeichen ein Gepard ist: DS TECHEETAH.

Das Team gehört der Sportmarketingfirma SECA (Sports Entertainment Content Activation), die laut Berichten des 'Forbes'-Magazins auch 9,4 Prozent der Anteile an der Formula E Holdings besitzt. SECA selbst gehört der chinesischen Kapitalgesellschaft Chinese Media Capital (CMC). Die Mannschaft stieg erst zur dritten Saison in die elektrische Rennserie ein, als man den Startplatz von Aguri übernahm. Teamchef ist unverändert Mark Preston.

Der 50-jährige Australier ist ein erfahrener Mann im Motorsport. Er studierte Maschinenbau in Melbourne und ging dann als Projektmanager zur australischen GM-Tochter Holden. Parallel machte er seine ersten Schritte im Motorsport: Er entwickelte bei Spectrum Racing Cars einen Formel-Ford-Boliden für die australische Meisterschaft. 1996 übersiedelte er nach Großbritannien und arbeitete in verschiedenen Positionen für das Formel-1-Team von Arrows. Nach dem Aus des Rennstall im Jahr 2002 wechselte er zu McLaren, blieb hier jedoch nur zwei Jahre.

Anschließend verließ er den Rennstall aus Woking wieder, um mit Preston Racing ein eigenes Team zu gründen, mit dem er in die Formel 1 einsteigen wollte. Durch eine Kooperation mit Aguri Suzuki wurde daraus das Team Super Aguri, das von Honda unterstützt wurde. Preston fungierte als Technischer Direktor. Obwohl das Team nach zwei Jahren wieder aus der Formel 1 verschwand, bestand die Verbindung zwischen Preston und Aguri weiter, sodass Preston 2014 Teamchef des Teams Aguri in der neugegründeten Formel E wurde. Diese Position behielt er auch nach der Übernahme des Teams durch SECA.

DS TECHEETAH ist ein Zusammenschluss des französischen Herstellers DS Automobiles (früherer Partner von Virgin Racing) und dem bisherigen Renault-Kundenteam Techeetah. In der fünften Formel-E-Saison setzt das Team den DS E-Tense FE 19 ein. Das Fahrzeug ist in Gold und Schwarz lackiert.

DS TECHEETAH setzt auf zwei sehr erfahrene und schnelle Fahrer: Andre Lotterer bestreitet seine zweite Saison in der Formel E, für seinen Teamkollegen Jean-Eric Vergne ist es schon die fünfte.

Jean-Eric Vergne (#25, Frankreich)

Jean-Eric Vergne begann seine Karriere im Kartsport und wechselte 2007 in die französische Formel Renault Campus, die er auf Anhieb gewann. Red Bull wurde auf den Franzosen aufmerksam und nahm ihn in sein Förderprogramm auf. Seine Karriere führte ihn dann über den Formel Renault 2.0 Eurocup 2010 in die Britische Formel-3-Meisterschaft, wo er erneut in seiner Debütsaison Champion wurde. Gleichzeitig bestritt er die ersten Rennen in der Formel Renault 3.5, in der er auch die komplette Folgesaison fahren sollte. Am Saisonende wurder er hier Vizemeister hinter Robert Wickens.

Es folgte der Wechsel in die Formel 1, wo Vergne als Nachfolger von Sebastien Buemi für Toro Rosso, das Juniorteam von Red Bull, an den Start ging. In seiner Debütsaison schlug er seinen Teamkollegen Daniel Ricciardo, der bereits eine Saison Formel-1-Erfahrung hatte. 2013 setzte sich jedoch Ricciardo durch und wurde am Saisonende zum Teamkollegen von Sebastian Vettel bei Red Bull Racing befördert. Vergne bekam mit Daniil Kwjat einen neuen Teamkollegen, den er klar hinter sich lassen konnte. Dennoch entschied das Team, Kwjat als Nachfolger von Vettel zu Red Bull zu befördern und Vergne vor die Tür zu setzen. Frustriert unterschrieb der Franzose im Anschluss an die Formel-1-Saison einen Vertrag für den Punta de Este E-Prix der Formel E mit dem Andretti-Team.

Es sollte der Anfang einer großen Erfolgsgeschichte sein: Vergne sicherte sich bei seinem Debüt direkt die Pole-Position. Beim Kampf um den Rennsieg mit Buemi brach nach dem Überfahren der Kerbs jedoch die Radaufhängung seines Boliden, sodass er ausschied. In der Folge zeigte Vergne immer wieder seinen überragenden Speed, konnte diesen jedoch meist nicht in Ergebnisse umsetzen - weder bei Andretti noch bei DS Virgin, wo er in Saison 2 Teamkollege von Sam Bird war. Erst bei Techeetah - Vergne besitzt selbst Anteile am Rennstall - gelang es ihm, mehr Konstanz zu zeigen und sein Temperament auf der Strecke besser zu zügeln, was ihm in Saison 4 verdient zum Formel-E-Champion machte.

Vergnes Statistik in der Formel E:

  • 43 Rennen
  • 441 Punkte
  • 1 Fahrertitel
  • 5 Siege
  • 15 Podien
  • 8 Poles
  • 1 Schnellste Rennrunde
  • 13 FANBOOSTs

Andre Lotterer (#36, Deutschland)

Der 37-jährige Andre Lotterer schloss seine erste Formel-E-Saison für Techeetah mit Podestplätzen in Santiago und Rom als bester Rookie auf Rang 8 der Gesamtwertung ab. Zuvor konnte er bereits viele Erfolge im Motorsport auf der gesamten Welt feiern.

1998 startete Lotterer zum ersten Mal im Formelsport und gewann auf Anhieb den Meistertitel der Formel BMW Junior. Dies wiederholte er im folgenden Jahr in der Formel BMW. Es folgte der Wechsel in die Formel 3, außerdem bestritt er erste Testfahrten für das Jaguar-Formel-1-Team. Bis zu seinem ersten Formel-1-Rennen sollte es allerdings noch viele Jahre dauern. 2003 wechselte Lotterer nach Japan in die Formel Nippon, in der er 15 Jahre lang antrat. Er war in dieser Zeit niemals schlechter als Platz 6 in der Gesamtwertung, 2011 gewann er die Meisterschaft. Parallel bestritt Lotterer von 2003 bis 2011 die Super GT, wo er 2006 und 2009 Champion wurde.

2009 gab er in einem privat eingesetzten Audi sein Debüt beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, im folgenden Jahr gehörte er bereits zum Werksaufgebot der Ingolstädter. 2011, 2012 und 2014 erzielte er mit Benoit Treluyer und Marcel Fässler den Gesamtsieg beim Traditionsrennen an der Sarthe. Ab 2012 bestritt er zudem die neue Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) für Audi - das Trio gewann dabei auf Anhieb den Titel. 2014 erfolgte schließlich doch noch sein Formel-1-Debüt: Beim Großen Preis von Belgien ging er für Caterham an den Start, fiel jedoch bereits in der ersten Runde aus. Zu weiteren Formel-1-Einsätzen kam es nicht mehr. Nach dem Ausstieg von Audi aus der WEC fuhr er dort ein Jahr für Porsche, bis auch die Zuffenhausener aus der Serie ausstiegen.

Lotterers Statistik in der Formel E:

  • 12 Rennen
  • 64 Punkte
  • 0 Siege
  • 2 Podien
  • 0 Poles
  • 1 Schnellste Rennrunde
  • 0 FANBOOSTs

Die große Teamvorstellungsreihe auf e-Formel.de endet morgen früh - in der elften Folge beschäftigen wir uns mit dem Titelverteidiger Audi Sport ABT Schaeffler.

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