Formel E

Vor Beginn der letzten Brexit-Verhandlungsrunde: Formel E fürchtet "No Deal"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Wenige Wochen vor der letzten geplanten Brexit-Verhandlungsrunde gibt es noch immer keine Aussicht auf ein gemeinsames Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union. Die Briten traten Ende Januar aus der EU aus, bis Ende 2020 gilt allerdings eine Übergangsfrist. Gelingt in diesem Zeitraum keine Einigung, droht ein harter wirtschaftlicher Bruch. Auch die Formel E wäre von einem solchen "No Deal"-Szenario betroffen.

Ob und welche Maßnahmen die Elektroserie ergreift, sollte das Vereinigte Königreich tatsächlich ohne Abkommen aus der EU austreten, ist ungewiss. Bereits 2017 kündigte der heutige Vorstandsvorsitzende Alejandro Agag bei 'Reuters' einen Notfallplan an, laut dem man das Formel-E-Hauptquartier in London "über Nacht verlassen" und verlegen könnte - zum Beispiel in die Niederlande oder nach Monaco (wir berichteten).

EU-Austritt führte zu "Unsicherheiten"

Das Austrittsabkommen zwischen Großbritannien und der EU sieht einen Übergangszeitraum bis zum 31. Dezember vor, innerhalb dessen im Vereinigten Königreich weiterhin Unionsrecht angewendet wird. Dieser Zeitraum kann bis maximal Ende 2022 verlängert werden, wenn beide Parteien dies spätestens bis zum 30. Juni 2020 vereinbaren. Die EU setzt sich für eine solche Verlängerung ein, die britischen Verhandlungsführer sprachen sich zuletzt entschieden dagegen aus.

Sollten sich beide Seiten nicht auf ein Abkommen einigen können, droht zum Jahreswechsel ein "No Deal"-Brexit mit weitreichenden Folgen für die Wirtschaft und den Handel. Diese Möglichkeit beschäftigt auch den Formel-E-Vorstand. In einem kürzlich veröffentlichten strategischen Report schreibt er: "Die Entscheidung des EU-Austritts hat zu Unsicherheiten im Handel zwischen Großbritannien, der EU und dem Rest der Welt geführt. Die (Formel E) organisiert Rennen in aller Welt. Drei Rennen finden in dieser Saison in der EU statt, hinzu kommen Sponsoren, Hersteller und Zulieferer, die dort ihre Basis haben."

Austritt ohne Abkommen hätte "schwerwiegende Konsequenzen"

Ob tatsächlich drei Rennen im EU-Raum stattfinden, ist aufgrund der Corona-Krise noch ungewiss. Der Bericht wurde vor der vorübergehenden Saison-Pausierung und den Absagen der E-Prix in Rom, Paris und Berlin verfasst. Der Vorstand schreibt weiter: "Wir beobachten, wie der EU-Austritt (die Formel E) betrifft. Um Risiken zu minimieren, berücksichtigen wir die folgenden Bereiche: Veränderte Gesetzgebung für Ausstrahlungsrechte, Einfuhrprozesse, mögliche Barrieren gegenüber britischen Firmen in der EU, indirekte und direkte Steuerregulierungen sowie Einschränkungen der Bewegungsfreiheit unserer Angestellten."

Der Vorstand beobachte den Einfluss der erhöhten Unsicherheit (besonders mit Blick auf die europäischen Rennen) und "erörtert die operativen Notfallpläne, um alle womöglich schwerwiegenden Konsequenzen eines 'No Deal'-Szenarios abzudecken."

Neben der Formel E haben auch viele Teams ihr Hauptquartier in Großbritannien. Mahindra verfügt beispielsweise über Büroräume in Banbury, der Simulator von Virgin steht in Silverstone. Auch Jaguar, Nio und Dragon haben ihre Basis auf der "Insel". An der Rennstrecke in Donington stehen zudem für jeden Rennstall Workshops zur Verfügung, die inzwischen jedoch größtenteils ungenutzt sind.

Foto: Peter Minnig / Spacesuit Media

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