Wegen WEC-Terminkollision: Formel E erwägt kurzfristige Umstrukturierung des Rennkalenders 2026/27
Thomas Grüssmer
FIA Formula E
Erst vor wenigen Wochen zeigte die Formel E ihren neuen Rennkalender für den Start der Gen4-Ära. Möglicherweise werden aber schon jetzt Änderungen des Zeitplans in Betracht gezogen. Der Grund seien die beiden Überschneidungen mit der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC. Zusätzlich bekundet die Formel E ihr Interesse an einem zweiten Rennen in Deutschland, welches man sich für die ferne Zukunft vorstellen könnte.
Die Vorstellung des neuen Rennkalenders für die Saison 2026/27 ist gerade einmal gut zwei Wochen her, zog aber umgehend ihre Kreise. Allen voran Envision-Pilot Sebastien Buemi äußerte seinen Unmut über die Überschneidungen mit der WEC. Schließlich fährt er, wie auch einige andere Fahrer, ein Doppelprogramm. Da Envision von seinen Fahrern den möglichst alleinigen Fokus auf die Formel E fordert, steht der Verbleib des Schweizers in der Eletrorennserie aktuell noch in den Sternen.
Während des Rennwochenendes in Shanghai breitete sich innerhalb des Paddocks nun das Gerücht aus, dass man zumindest in einem der beiden Fälle für eine Änderung im Zeitplan des Kalenders bereit sein könnte. Aktuell ist die Austragung des Monaco E-Prix für das Wochenende vom 15. und 16. Mai 2027 angesetzt, was bekanntlich mit dem Rennen der WEC in Spa kollidiert und somit voll in die Vorbereitungsphase für die 24 Stunden von Le Mans fällt.
Im Fall Buemi macht ihn das für Toyota dem entsprechend absolut unentbehrlich. Laut der Kolleg:innen von FE Notebook besteht nun seitens der Formel E die Überlegung, die Veranstaltung in Monaco um zwei Wochen nach vorne zu verlegen, sollte dies im Bereich des Möglichen liegen.
Dodds: "Ohne Genehmigung keine Verschiebung"
Auf das Thema angesprochen, sagte Formel-E-Geschäftsführer Jeff Dodds bei FE Notebook: "Wenn wir das Datum für Monaco wirklich ändern wollen würden und, vielleicht ist das gerade auch im Gespräch, dann würde die Verschiebung ohne die Einbeziehung der FIA und des Motorsport-Weltrats nicht genehmigt werden. Ich glaube, das nächste Treffen findet erst im September oder Oktober statt. Der Vorschlag darüber, solch eine Verschiebung vorzunehmen, steht vielleicht wirklich im Raum. Solange es keine Genehmigung gibt, gibt es aber auch keine Verschiebung."
"Wenn wir die Kollisionen mit der WEC von zwei auf nur eine reduzieren, macht das auch für die Fahrer, die in beiden Meisterschaften antreten, einen erheblichen Unterschied", so Dodds weiter. "Wenn wir Monaco verschieden, vermeidet das natürlich eine Kollision mit einem der prestigeträchtigsten Rennen der WEC."
Besteht Hoffnung auf ein zweites Rennen in Deutschland?
Im Rahmen der Vorstellung des neuen Rennkalenders kam man auf die Zukunft der Formel E in Deutschland zu sprechen. Wie sich einige erinnern dürften, stand für die Formel E ein möglicher Umzug von Berlin an den Norisring im Raum. Hierfür führte man mit dem Motorsportclub Nürnberg bereits zu Beginn des Jahres Gespräche, verwarf diese aber aufgrund verschiedener Themen, in den man keine Übereinstimmung finden konnte. Das führte zur Verlängerung mit Berlin.
Trotzdem können die deutschen Fans in der Zukunft aber weiterhin leise auf ein zweites Rennen hierzulande hoffen. Einmal mehr signalisierte die Formel E, wie wichtig der deutsche Markt für die Weltmeisterschaft sei. Verstärkt wird das zusätzlich durch die Expansion von Porsche auf ein zweites Werksteam innerhalb der Rennserie und dem Einstieg von Opel zum Start der Gen4.
Formel-E-Mitbegründer Alberto Longo äußerte sich bei einem Roundtable zu dem Thema: "Wir sagten, wir würden zwei Rennen in China haben, Das haben wir nun. Wir sagten, wir müssen in den USA expandieren. Das haben wir. Wir sagten, wir würden die Zahlen der Rennen, die wir in Europa haben, erhöhen. Auch das haben wir getan. Wollen wir noch mehr Rennen in Europa und potenziell in Deutschland? Warum nicht? Vor fünf Jahren hätte ich noch gesagt, dass wir niemals zwei Rennen in einem Land haben möchten. Das ändert sich gerade."
Longo: "Befinden uns in offenen Gesprächen"
Longo fuhr fort und nahm direkt ein wenig Wind aus den Segeln: "Die Auswirkungen durch Einstieg von Opel und Porsche mit zwei Teams, könnten uns durchaus dazu bewegen, in Deutschland mehr als nur ein Rennen, auch in anderen Städten, auszutragen. Ob das schon für 2027/28 passieren könnte? Im Moment befinden wir uns in offenen Gesprächen mit einigen Städten. Aktuell sehe ich das für Saison 14 aber nicht."
So ganz begräbt er die Hoffnung aber nicht: "Wenn wir in sechs Monaten wieder miteinander sprechen, ist vielleicht alles anderes. Vielleicht kann ich Ihnen dann schon sagen, dass wir ein weiteres Rennen haben werden. Deutschland und Europa generell sind für uns immer noch Schlüsselmärkte."
Bereits im Frühjahr hatte Longo im Exklusiv-Interview mit e-Formel.de erklärt: "Gibt es neben Tempelhof weitere Gespräche in Deutschland? Natürlich. Bedeutet das, dass wir dreimal in Deutschland fahren werden? Wahrscheinlich nicht. Zweimal? Möglicherweise. Es ist unsere Aufgabe, die Formel E in noch mehr Städte auf der Welt zu bringen."
Bevor eine endgültige Entscheidung über den Rennkalender für die kommende Saison getroffen wird, stehen aber erst einmal die letzten beiden Rennwochenenden der Saison 2025/26 an. Ende Juli bestreitet die Formel E einen "Double-Header" in Tokio, bevor drei Wochen später das große Finale in London ausgetragen wird.
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