Formel E

Wehrlein-Auto zu lange ausgeschaltet - Porsche erklärt Formel-E-Debakel in Marrakesch

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Wehrlein-fights-Evans-in-Marrakesh

Marrakesch war kein gutes Pflaster für das TAG Heuer Porsche Formula E Team. Während Pascal Wehrlein von Startposition 4 aus im Laufe der ersten Rennhälfte wegen eines technischen Problems immer weiter zurückfiel, war für Teamkollege Andre Lotterer das Wochenende bereits mit dem Qualifying faktisch gelaufen.

Bereits in den beiden Freien Training deutete sich an, dass der Porsche 99X Electric auf eine Runde durchaus in der Lage war, mit der Spitze mitzuhalten: Im 1. Freien Training am Freitagabend wurde Andre Lotterer Vierter, im 2. Freien Training am Samstagmorgen belegte Pascal Wehrlein die fünfte Position.

"Viele kleine Probleme" für Lotterer

Im Qualifying lief bei Lotterer jedoch alles schief: Die Mechaniker arbeiteten zu Beginn der Session noch an Lotterers Wagen, sodass er als letzter der elf Piloten von Gruppe A auf die Strecke ging. Ihm gelang es anschließend nicht, wie vorgeschrieben innerhalb der ersten sechs Minuten eine gezeitete Runde zu drehen. Die Uhr zeigte am Ende seiner Runde 6:00.045 Minuten an - er verpasste somit die Startlinie um 45 Tausendstelsekunden. Auch wenn es nicht viel mehr als ein Wimpernschlag war - die Rennkommissare strichen nach der Qualifikation regelkonform alle von Lotterer gesetzten Rundenzeiten. Der 40-Jährige musste das Rennen somit vom letzten Platz aus aufnehmen.

Lotterer ging es beim Rennstart langsam an und begann nach wenigen Runden schließlich, Konkurrenten zu überholen. Es gelang ihm im Rennen, einige Positionen gutzumachen: Zwischenzeitlich wurde er auf Platz 14 geführt. Im Ziel belegte Lotterer den 15. Platz. "Es war kein gutes Wochenende für mich", sagt er.

"Vom 1. Freien Training an hatte ich viele kleinere Probleme", meint Lotterer. "Dazu kam das Qualifying, das nicht gut für mich gelaufen ist. Das Rennen war schwierig. Ich konnte viele Positionen gutmachen, musste gleichzeitig aber auch die Temperaturen im Auge behalten. Wir waren da auf der konservativen Seite und hatten dadurch in den letzten zwei Runden noch viel Energie übrig. Doch da war es für weitere Angriffe schon zu spät, und wir konnten keine Punkte holen."

Technisches Problem bei Wehrlein: "Leistung & viele Plätze verloren"

Pascal Wehrlein hingegen konnte in Gruppe B das Potenzial seines Fahrzeugs zeigen und schloss die Gruppenphase auf dem dritten Platz ab, unmittelbar hinter den beiden DS Techeetah. Im Viertelfinalduell traf er auf Envision-Pilot Nick Cassidy, der in Gruppe A Zweiter wurde und daher die kühleren Reifen hatte. Dies nutzte Cassidy, um im ersten Sektor der Strecke einen Vorsprung auf Wehrlein herauszufahren. In den beiden folgenden Sektoren war der Porsche-Fahrer jedoch schneller und schlug seinen Konkurrenten am Ende deutlich.

Im Halbfinale traf Wehrlein auf Edo Mortara. Die beiden duellierten sich über große Teile der Runde auf Augenhöhe, bevor Mortara mit einem deutlich schnelleren Schlusssektor den Shoot-out für sich entschied. Da Wehrlein zudem langsamer war als Jean-Eric Vergne, der Verlierer des zweiten Halbfinales, bedeutete dies Startplatz 4.

Im Rennen ging dann jedoch gar nichts für Wehrlein. Bereits am Start verlor der Deutsche eine Position an Jake Dennis, bevor er Runde um Runde weiter an Boden verlor. Was anfangs noch wie eine sehr konservative Strategie aussah, deutete nach einigen Runden auf ein technisches Problem hin. Die Konkurrenten schossen nur so an Wehrlein vorbei. Nach neun Runden lag er bereits außerhalb der Punkteränge.

Zwischenzeitlich lag Wehrlein sogar nur auf dem 18. Platz. In den letzten Runden nutzte er das Energiepolster, das er sich aufgebaut hatte, und schob sich wieder an einigen Gegnern vorbei. Im Ziel reichte es aber nur zu Platz 12.

"Der Tag begann gut mit meinem vierten Platz im Qualifying", so Wehrlein nach dem Lauf in Marrakesch. "Im Rennen verlor ich gleich nach dem Start Leistung und viele Plätze. Nach dem guten Qualifying hatten wir uns natürlich mehr erhofft. Schade, dass wir es mal wieder nicht ganz nach vorne geschafft haben. Jetzt hoffe ich, dass wir bei den nächsten Rennen zu unserer alten Stärke zurückfinden."

Modlinger: "Damit können wir nicht zufrieden sein"

"Im Qualifying hatten wir ein Problem am Auto von Andre, das wir nicht schnell genug beheben konnten", erklärt Florian Modlinger, Gesamtprojektleiter Formel E bei Porsche. "Letztlich war er um vier Hundertstelsekunden zu spät dran, sodass alle seine Qualifyingzeiten gestrichen wurden. Er musste dadurch von hinten starten und hatte ein schwieriges Rennen. Obwohl er sich um sieben Plätze verbesserte, was eine gute Leistung war, kam er nicht in die Nähe der Punkte. Damit können wir nicht zufrieden sein."

"Für Pascal verlief das Qualifying sehr gut", beschreibt Modlinger weiter. "Er schaffte es in die Duelle und dort bis ins Halbfinale. Doch am Rennstart kam er schlecht weg, weil ihm am Start und in der ersten Runde signifikant Leistung fehlte. Die Ursache dafür war, dass sein Auto am Start länger ausgeschaltet war als normalerweise üblich. Dadurch wurde das Batterietemperaturmodell reinitialisiert."

"Das führte dazu, dass er in der ersten Runde nicht die volle Power zur Verfügung hatte", so Modlinger weiter. "Die Vorausberechnung der Batterietemperatur für das Rennende stimmte ebenfalls nicht mehr und lag viel zu hoch. Wir mussten verschiedene Gegenmaßnahmen ergreifen, um den Wert zu senken. Das führte dazu, dass wir nicht die nötige Pace hatten. Unser Ziel muss es jetzt sein, bei den bevorstehenden Hitzerennen in New York City wieder das volle Potential unserer Autos auf die Strecke zu bringen."

Im "Big Apple" findet am 16. und 17. Juli ein "Double-Header" statt. Porsche reist mit 116 Punkten auf dem fünften Platz liegend nach New York City. Jaguar auf Platz 4 rangiert jedoch bereits 39 Punkte vor den Zuffenhausenern.

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