Formel E

"Wenn du das Liften falsch einschätzt, fährst du dem Vordermann rein" - Crash-Fahrer erklären Auffahrunfälle in Berlin

Svenja König

Svenja König

Sam-Bird-Berlin-on-Track

Bei beiden Rennen des "Double-Headers" der Formel E in Berlin kam es zu ungewöhnlich vielen Auffahrunfällen. Allein am Sonntag mussten bei vier Fahrern - Sebastien Buemi, Edoardo Mortara, Sam Bird und Andre Lotterer - die Frontflügel nach Kollisionen gewechselt werden. Dreimal war ein Auffahrunfall nach einem Rückstau am Kurveneingang die Ursache dafür. Nach dem Rennen befragten wir alle betroffenen Piloten zu den Situationen.

Aufgrund des starken Windschatteneffekts beim Gen3-Auto musste während der Rennen in Sao Paulo und Berlin besonders viel Energie zurückgewonnen werden. Das erreichen die Fahrer gewöhnlich, indem sie schon vor dem Kurveneingang vom Strompedal gehen und das Auto einige Meter rollen lassen. Dadurch sind die Fahrzeuge am Kurveneingang langsamer als sonst - es kommt zum Rückstau.

Darauf konnten die Fahrer in Berlin nicht immer rechtzeitig reagieren: "Du weißt natürlich nicht, wann die anderen liften (vom Strompedal gehen). Wenn du das falsch einschätzt, fährst du in den Vordermann rein. Es ist so eng", sagte Sam Bird nach dem Rennen am Mikrofon von 'e-Formel.de'. Der Brite war - genauso wie Sebastien Buemi und Edoardo Mortara - in Berlin in einen solchen Auffahrunfall verwickelt worden. Porsche-Fahrer Antonio Felix da Costa hatte die vielen Berührungen durch Stau bereits am Samstag kritisiert.

"Zwischen Kurve 3 und Kurve 4 hat mich ein Auto von hinten getroffen und in Mitch (Evans) geschoben", beschreibt der Brite. "Dagegen kannst du nichts machen, wenn dein Rennen einfach beendet wird. Dabei habe ich meinen Flügel zerbrochen und musste in die Box fahren, um ihn zu tauschen."

Edo-Mortara-in-cockpit-berlin-2023

Mortara: "Habe mich mit der Geschwindigkeit verschätzt"

"Der Frontflügel ist so labil, dass er nach einer kleinen Berührung kaputt ist", sagt Sebastien Buemi ebenfalls bei 'e-Formel.de'. Der Envision-Pilot selbst sei in Kurve 9 auf Jake Dennis aufgefahren. Für den Briten hatte dies keine negativen Auswirkungen, aber Buemi musste in die Box fahren und die "Nase" seines Autos tauschen lassen. "Danach war ich ganz hinten, und ohne ein Safety-Car kannst du das nicht mehr aufholen. Ich bin sauer auf mich selbst. Ich hätte da einen besseren Job machen müssen."

Ähnliches berichtete uns Edoardo Mortara, der in Kurve 4 einem anderen Piloten ins Heck fuhr. "Wir haben gekämpft. Ich habe mich mit der Geschwindigkeit verschätzt und nicht schnell genug reagiert. Danach war das Rennen quasi vorbei." Mortara ist bei der Schuldfrage ähnlich selbstkritisch wie Buemi: "Das war meine Schuld", lautet das schlichte Fazit des Schweizers.

Sebastien-Buemi-Envision-Front-wing-accident

Bremsprobleme bei Andretti: "Das gleiche Problem, das Jake gestern hatte"

Auch Andre Lotterer kam nach 13 Runden mit einem gebrochenen Frontflügel zurück an die Box. Im Gegensatz zu Buemi, Mortara und Bird war er allerdings nicht in einen Unfall verwickelt. Das gleiche Bremsproblem, das Teamkollege Jake Dennis am Samstag ein mögliches Podium gekostet hatte, trat sonntags auch beim gebürtigen Duisburger auf: "Das ist uns dieses Wochenende dreimal passiert - mir gestern und heute je einmal, und bei Jake ist es gestern auch passiert."

Gegenüber 'e-Formel.de' erklärt der Deutsche, dass man als Fahrer immer nur einen gewissen Bremsdruck aufbauen könne, bevor sich das nachträglich eingeführte Notfall-Bremssystem einschalte. Vor der "Schneckenkurve" war dies der Fall: Lotterer musste stärker bremsen. "In Kurve 1 hat das System wieder versagt, und dann hast du hinten keine Bremse, sondern nur die hydraulische vorne." So schlug der Andretti-Pilot wie bereits Dennis am Vortag in die TecPro-Barriere ein.

"Wir müssen analysieren, warum das so sensibel war", schließt Lotterer. Dafür hat das Team nun etwas weniger als zwei Wochen Zeit, denn dann steht schon das nächste Wochenende auf dem Programm: Am 6. Mai startet die Formel E in Monaco.

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