Formel E

"Wollen, dass es intuitiv bleibt" - Formel-E-CEO Reigle erwägt Schnelllade-Boxenstopps auch in 2024 nur bei ausgewählten Rennen

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Gen3-Auto-Ladebuchse

Die Schnellladefähigkeit der neuen Formel-E-Rennwagen war eines der Hauptthemen bei der Planung und der Vorstellung der Gen3-Ära. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die geplanten Boxenstopps mit Schnellladung erst in der kommenden Saison eingeführt werden sollen. Nun erwägt CEO Jamie Reigle gar, dass die Technologie auch in Saison 10 nicht in jedem Rennen zum Einsatz kommen könnte. Bei einem "Double-Header" könnte man die Strategien sogar splitten: ein Rennen mit Boxenstopps, das andere Rennen ohne.

Aufgrund von Lieferschwierigkeiten bei Teilen für die Ladegeräte war die Formel E kurz vor Saisonbeginn davon abgerückt, den "Attack-Charge" bereits zu den ersten Rennen 2023 einzuführen. Stattdessen sollte er im späteren Saisonverlauf bei ausgewählten Rennen zum Einsatz kommen. Dieser Plan wurde jedoch vor Kurzem verworfen.

"Die Hersteller und Teams wollten es, aber jetzt wollen sie es nicht mehr", beschreibt Jamie Reigle bei 'Il Messagero'. "Die Formel E hat den Vorteil, dass sie simpel ist: Man schaltet den Fernseher ein, sieht, wer in Führung liegt und weiß, dass derjenige Erster ist. Wir wollen, dass es auch weiterhin intuitiv bleibt."

Unter anderem hatte Florian Modlinger vor der Saison klar Stellung bezogen: "Ich erwarte von einer FIA-Weltmeisterschaft, dass wir über den Saisonverlauf hinweg ein konstantes Sportliches Reglement haben", so der Teamchef von Porsche. Auch andere Teams und Hersteller vertraten diesen Standpunkt.

"Die regulatorische Grundlage für die Einführung zu Beginn der Saison war vorhanden und wurde beschlossen", erklärt Reigle. "Das Problem liegt daher nicht im Reglement. Aber ich verstehe, dass sich die Situation aus sportlicher Sicht für die Teams verändert hat."

Boxenstopp kann so lang wie eine Runde dauern

Reigle hingegen erbittet der Rennserie jetzt noch ein wenig Zeit, damit sie ein funktionierendes Konzept für die Integration der Schnellladung in die Rennen entwickeln kann. Der Kanadier weiter: "Es muss in verschiedenen Strategie-Kombinationen interessant werden, auch weil der Boxenstopp zwischen 60 und 80 Sekunden dauern kann. Das bedeutet auf manchen Strecken eine ganze Runde."

Zwar soll der Boxenstopp selbst nur 30 Sekunden dauern. Da die Boxengasse auf einigen Strecken ziemlich lang ist, und dort ein Tempolimit von 50 km/h gilt, wäre der Zeitverlust teilweise erheblich größer, was zu Komplikationen führen könnte.

So könnte es kompliziert werden, wenn ein Fahrer nach einem frühen Schnellladeboxenstopp genau zwischen den Führenden auf die Strecke zurückkommt. Er müsste blaue Flaggen gezeigt bekommen, um die Fahrer in der Führungsrunde vorbeizulassen. Die Formel E könnte dieses Problem lösen, indem es auf manchen Strecken einfach keinen Boxenstopp gegen wird. Ein "stabiles Regelwerk" sähe jedoch wohl anders aus.

"In einigen Städten schon, in anderen nicht"

"Wir werden nächstes Jahr Schnellladung haben", bestätigt Reigle. "In einigen Städten schon, in anderen nicht. Es kommt aber auch darauf an, wie. Vielleicht (splitten wir den Einsatz) bei Double-Header-Wochenenden", kündigt er an. Die Vorbereitungen darauf werden jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

"Wir werden im Herbst Simulationen durchführen. Auch um zu sehen, ob wir die Boxengasse die ganze Zeit über offen halten können oder nicht", so der CEO über den weiteren Zeitplan.

Der Saisonstart für die zehnte Formel-E-Saison ist aller Voraussicht nach für Ende 2023 oder Januar 2024 geplant. Ein erster Rennkalender soll nach der Sitzung des Motorsport-Weltrates im Juni veröffentlicht werden.

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