Formel E

Würth Elektronik: "Know-how von Audi wird immens wichtig sein"

Timo Pape

Timo Pape

Gemeinsam mit unserem Partner Würth Elektronik eiSos sind wir im vergangenen Herbst in die dritte Formel-E-Saison gestartet. Diesen Neubeginn haben wir zum Anlass genommen, mal zu horchen, was sich bei den Kollegen, die seit Saison eins als Partner des deutschen ABT-Teams auftreten, zur neuen Saison verändert hat. Im Gespräch mit Oliver Opitz, der bei Würth Elektronik die Strategische Produktentwicklung und das Engagement in der Formel E auf Technikseite verantwortet, geht es um die Rolle von Audi, eine spezielle Batterie und langfristige Partnerschaften.

Oliver, inwiefern hat sich das Engagement von Würth Elektronik eiSos zur dritten Formel-E-Saison verändert?

Im Großen und Ganzen haben wir das Erfolgsrezept der letzten beiden Saisons beibehalten und gehen sowohl beim klassischen Marketing, bei der digitalen Kommunikation als auch beim Engineering nun noch weiter ins Detail. Das Sponsoring beim Team ABT haben wir weiter ausgebaut, indem wir im technischen Bereich noch einmal eine Schippe draufgelegt haben. Ganz generell sind wir mit ABT noch enger zusammengewachsen - eine logische Entwicklung, wenn man lange miteinander arbeitet und entwickelt.

Welche Teile habt ihr konkret im Auto verbaut und was machen sie genau?

Würth Elektronik eiSos hat sich bei ABT noch mehr in die Entwicklung einbringen können. Dabei geht es zum Beispiel um den Bereich der passiven Bauelemente. Aber auch um den Einsatz einer sehr speziellen Batterie für das Bordspannungsnetz und die Entwicklung der entsprechenden Ladegeräte dazu. Ich kann dazu leider nicht zu sehr ins Detail gehen, um den Wettbewerbsvorteil nicht zu verspielen. Aber der Zusatzakku sorgt dafür, dass die Steuerelektronik selbst dann erhalten bleibt, wenn die große Batterie mal ausfällt. Ein Reset via Lenkrad ist also jederzeit möglich.

Gibt es Anfragen von anderen Teams, Bauteile von WE eiSos für das eigene Auto zu beziehen?

Ja, solche Anfragen bekommen wir tatsächlich. Wir sind mittlerweile sehr gut im Fahrerlager vernetzt, wodurch diese Nachfragen automatisch zustande kommen. Wir reden natürlich mit dem einen oder anderen interessierten Team und wehren uns nicht sofort gegen solche Anfragen. Dennoch haben die anderen Teams vollstes Verständnis dafür, dass wir unseren Fokus auf ABT Schaeffler Audi Sport legen. Mit diesem Partner haben wir gemeinsam begonnen, sehr viele Erfolge erzielt und viel gelernt. Das soll auch so bleiben, langjährige Partnerschaften sind uns sehr wichtig.

Wie bewertest du den Formel-E-Einstieg von Audi beim Team ABT?

Der Einstieg ist für mich absolut richtig. Wir haben im vergangenen Jahrzehnt in der WEC gesehen, was Audi alles erreichen kann. Wir haben also die große Hoffnung, dass ABT, Schaeffler und wir dadurch noch enger zusammenarbeiten werden. Beim Antriebsstrang werden sich Schaeffler und Audi sicher sehr gut ergänzen. Da spielt auch die Datenanalyse eine Rolle, die Schaeffler bisher nicht in dem Maße wie Audi liefern kann, weil sie eben Hardware herstellen. Ich nehme deshalb an, dass die Produktion der Prototypenteile weiterhin Schaeffler übernehmen wird, wenngleich Audi Einfluss nehmen wird. Unter dem Strich bedeutet die Audi-Unterstützung vor allem mehr freie Ressourcen und ganz klar das Know-how aus dem Automobilbereich, das immens wichtig ist.

Wie geht es für Würth Elektronik eiSos in den nächsten Jahren in der Formel E weiter?

Unser Vertrag mit dem Team ABT läuft einschließlich bis zur vierten Saison, also noch knapp zwei Jahre. Wir reden natürlich bereits darüber, wie es danach weitergehen könnte. Das Thema Elektromobilität hat mittlerweile fast schon eine Schlagkraft wie Industrie 4.0 oder das Internet of Things entwickelt. Das zeigen auch weitere Herstellerbekenntnisse wie im Herbst von Mercedes. Deshalb steht für uns eigentlich außer Frage, ob wir nach Saison vier weitermachen wollen oder nicht.

Wäre Mercedes ein potenzieller neuer Partner ab Saison 5?

Das glaube ich nicht. Es mag zwar sein, dass wir Anfragen von neuen Herstellern erhalten, denn im Motorsport ist der Versuch, Know-how und Erfahrung einzukaufen, völlig normal. Aber für uns gibt es wirklich keinen Grund, das Team zu wechseln. Mercedes wird ebenfalls starke Partner finden. Wir haben mit ABT und den anderen Partnern in den letzten zwei Jahren so viele wertvolle Erfahrungen gemacht, dass wir darauf die Zukunft aufbauen können.

Es gibt viele neue Städte im Rennkalender. Welches Rennen ist aus Sicht von WE das Highlight?

Für uns ist und bleibt Berlin das Highlight. Wir sind ein deutsches inhabergeführtes Unternehmen, und viele unserer Kunden sind im deutschsprachigen Raum ansässig. Wir haben letztes Jahr über 200 Gäste beim Berlin ePrix begrüßen dürfen, darunter auch Herr Prof. Dr. h.c. mult. Reinhold Würth persönlich. Wir erfahren immer mehr Interesse von Kunden, mal bei einem Rennen live dabei zu sein und die technischen Details genauer kennenzulernen. Nichtsdestotrotz ist New York für unseren amerikanischen Markt ein weiterer Höhepunkt, besonders weil es die Formel 1 bisher nicht geschafft hat, ein Rennen in New York auszurichten. An dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an Formel-E-Promoter Alejandro Agag.

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