Formel E

ZF: Ab Saison 5 mit eigenem Antrieb zeigen, "wo der Hammer hängt"

Timo Pape

Timo Pape

Das Team Venturi arbeitet seit dem Start der Saison 2016/17 intensiv mit dem deutschen Technologiepartner ZF zusammen. Die Monegassen um Teamdirektor Franck Baldet setzen bereits speziell entwickelte Hochleistungsstoßdämpfer von ZF Race Engineering (ZFRE) bei Stepahne Sarrazin und Maro Engel in der Elektroserie ein.

Die ZF Race Engineering GmbH mit Hauptsitz im unterfränkischen Schweinfurt ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der ZF Friedrichshafen AG und beschäftigt derzeit rund 90 Mitarbeiter. ZF Race Engineering entwickelt, produziert und vertreibt Stoßdämpfer, Kupplungen, Getriebe sowie weitere ZF-Produkte für verschiedenste Anwendungen im Bereich des weltweiten Motorsports. Produkte von ZF kommen in zahlreichen Rennserien Formel 1, WRC, DTM oder in Le Mans zum Einsatz - und nun eben auch in der Formel E.

Venturi und ZF werden zukünftig auch in anderen Technologie-Bereichen harmonieren. Ziel der langfristig angelegten Partnerschaft ist die Entwicklung eines komplett neuen Formel-E-Antriebsstranges für Saison fünf (2018/19), der sowohl den Elektromotor als auch das Getriebe umfassen soll.

Norbert Odendahl, Geschäftsführer bei ZF Race Engineering, engagiert sich mit Leidenschaft für den Motorsport. Eurosport-Kommentator Oliver Sittler hat sich mit dem 45-Jährigen über die Formel E unterhalten und uns das Interview freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Dabei nennt der ZF-Verantwortliche die Gründe für den Einstieg bei Venturi, wie die künftige Kooperation mit den Monegassen aussieht, weshalb die Formel E und Pilot Maro Engel einen wichtigen Mosaikstein für ZF bedeuten, und wie er die Formel E im globalen Motorsport beurteilt.

Herr Odendahl, wie sieht die Unterstützung für das Team Venturi genau aus?

Wir haben einen Dreistufenplan. In der ersten Stufe erfolgt die Belieferung der Dämpfer. Danach nehmen wir uns die Optimierung des Getriebes vor. In Saison fünf werden wir mit einem eigenen komplett entwickelten Antriebsstrang in die Formel E einsteigen und den Leuten mal zeigen, wo der Hammer hängt.

Seit wann bereitet sich ZF auf die Formel E vor, und wie läuft die Vorbereitung ab?

Es war von Anfang an klar, dass wir uns in der Formel E engagieren wollen, da sie eine mögliche Zukunft des Motorsports darstellt. Mit unserem breiten Spektrum, wo wir heute schon überall aktiv sind, konnten wir die Formel E nicht auslassen. Am Anfang, also im Moment, setzen wir Produkte ein, die wir selber produzieren, also die Stoßdämpfer. Mit der Eröffnung und Gründung der E-Mobility-Abteilung in unserem Haus war der Schritt naheliegend, dass wir uns im Bereich der Formel E und E-Mobilität stärker engagieren wollen.

Arbeiten Sie bereits an der Entwicklung des Antriebsstrangs, etwa mit Simulationen? Gibt es schon Hardware dafür oder erfolgt das erst später?

Für Saison fünf sind ein paar Regularien noch nicht ganz abgeschlossen. Erst dann können wir das Testprogramm starten. Es wäre aber fatal, wenn wir noch nicht angefangen hätten, uns die ganzen Parameter anzueignen und darauf unser Portfolio abzustimmen. Ich glaube, die Entwicklung eines wettbewerbsfähigen Antriebsstrangs wird sicherlich drei Jahre oder auch länger dauern. Uns ist sicherlich auch klar, dass wir weitere Design-Loops fliegen müssen, damit wir uns dauerhaft in der Formel E etablieren können.

Mit Maro Engel gibt es einen deutschen Piloten im Venturi-Team. Wie profitiert ZF davon?

Ich glaube, wenn man das Thema Formel E präsentieren will - und wir sind ja ein deutsches Unternehmen -, hilft uns auch sicherlich ein deutscher Fahrer. Man denke an Messen oder irgendwelche Auftritten, wo es einfach schöner ist, wenn man einen deutschsprachigen Fahrer hat. Insgesamt muss ich sagen, der ganze Mix mit Venturi, Sarrazin und Engel passt perfekt zusammen. Ich glaube, wir haben hier ein Team gefunden, das hungrig genug ist, um mit uns gemeinsam den Erfolg in den nächsten Jahren anzugehen.

Wie schätzen Sie die Formel E als weltweite Motorsportserie ein?

Ich glaube, es ist noch ein bisschen verfrüht und wäre nach zwei, drei Saisons fatal zu sagen, es sei alles toll oder blöd. Wenn man sich mal überlegt, wie lange die Formel 1 gebraucht hat, um dort zu sein, wo sie heute steht... Ich glaube, die Formel E hat zum ersten Mal eine realistische Chance, als neue Rennserie weltweit für Furore zu sorgen. Das Konzept ist ein anderes, man hat nicht einfach Copy/Paste nur in elektrisch gemacht, sondern man geht anstatt auf Rennstrecken in die Städte. Man spricht nicht nur den motorsportbegeisterten Zuschauer an, sondern die Jugend, und packt das in ein gesamtheitliches Konzept mit den Themen Formel E,  E-Mobilität und Nachhaltigkeit. Ich glaube, dieses Konzept kann dauerhaft aufgehen.

Ist ZF an den Rennstrecken in irgendeiner Form vertreten?

Ja, mit unseren Ingenieuren zur Abstimmung. Wir konzentrieren uns beim Thema Formel E rein auf das Team Venturi und nicht auf die Serie Formel E.

Also gibt es auch keine Bespaßungszelte für Familien wie beispielsweise Hüpfburgen?

Das war noch nie unser Anspruch. Wir zeigen Kompetenz bei den Produkten und lassen am besten Taten sprechen. Wir bringen unsere Produkte ins Fahrzeug, anstatt Leute an die Rennstrecke zu locken und Halligalli zu machen.

Hintergrund-Informationen

Für die vierte Saison wird ZF gemeinsam mit Venturi das bisher eingesetzte Getriebe des Formel-E-Fahrzeugs überarbeiten und weiter optimieren. Gleichzeitig startet bereits jetzt die Neuentwicklung eines kompletten Antriebsstranges von ZF, der sowohl einen leistungsstarken Elektromotor samt Leistungselektronik als auch ein neues Getriebe umfasst. Dieser neue Antriebsstrang soll als Herzstück der Venturi-Boliden während der vierten Saison getestet werden und ab Herbst 2018, also zum Start der fünften Saison, mit seiner Leistung für Rennerfolge sorgen.

Fotos: ZF/Shivraj Gohil/Spacesuit Media

ZF mit Venturi in der Formel E

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