Formel E

Zürich: Vergne wirft Formel E Manipulation vor, Buemi distanziert sich von Aussagen

Timo Pape

Timo Pape

Es war die Szene, die die Formel-E-Meisterschaft wieder spannend gemacht hat: Während der zweiten Rennhälfte des Zürich E-Prix spricht die Rennleitung eine Handvoll Strafen aus, die das Ergebnis noch mal ordentlich durcheinanderbringen. Denn gleich fünf Piloten sind während der Full-Course-Yellow-Phase kurz vor den Boxenstopps zu schnell gewesen: Mitch Evans, Andre Lotterer, Sebastien Buemi, Jose Maria Lopez und der auch der Gesamtführende Jean-Eric Vergne erhalten Durchfahrtsstrafen und verlieren dadurch wichtige Positionen und Punkte. Nutznießer ist Sam Bird, der auf Rang 2 vorrückt und vor dem Saisonfinale in New York plötzlich wieder realistische Chancen auf den Titel hat.

Vergne, der durch den Vorfall in Zürich trotz starker Rennpace nur einen Zähler als Zehnter mitnahm, wittert eine Verschwörung: "Wir sind nicht blöd", wird er von 'Motorsport-Total.com' zitiert. "Wir sind das ganze Jahr mit den Autos gefahren und wurden nie bestraft. Und plötzlich sind es fünf Fahrer: vier, die vor Sam Bird lagen, und ich. Das ist schon ein bisschen seltsam."

Der Franzose führt fort: "Vielleicht waren wir einfach viele dumme Idioten-Fahrer, die in der Gelbphase einen Fehler gemacht haben - aber ich glaube, das war nicht der Fall." Vergne fällt in seiner Karriere nicht zum ersten Mal durch negative Kommentare auf, wenn es sportlich mal nicht läuft. Trotzdem geht er dieses Mal sehr weit. Unter Umständen könnte er sogar mit Sanktionen durch die FIA rechnen, sollte der Ausrichter die Aussagen als Rufschädigung auslegen.

"Jede Aktion, die sich nachteilig auf die Interessen des Wettbewerbs und des Motorsports im Allgemeinen auswirkt, kann bestraft werden. Das gilt auch für diejenigen, die dem Ansehen des Rennsports schaden", heißt es im Artikel 12.1.1.c des "International Sporting Code" der FIA. Wir sind gespannt, ob sich der Automobilweltverband dem Thema noch annimmt.

Sebastien Buemi, der in Zürich selbst von der Bestrafung betroffen war, distanziert sich von den Aussagen Vergnes: "Mit Sicherheit ist es im Interesse der Meisterschaft, wenn es bis zum Ende geht, aber ich würde solche Aussagen nicht tätigen", erklärt er ebenfalls bei 'Motorsport-Total.com'.

Nichtsdestotrotz hat er gewissermaßen Verständnis für seinen Mitbewerber, schließlich sah sich Buemi vor knapp einem Jahr einer ähnlichen Situation ausgesetzt. Auch der Schweizer sah lange Zeit wie der sichere Meister aus, leistete sich in Montreal jedoch einen entscheidenden Fehler im Training, durch den er letztlich noch den Titel an Lucas di Grassi verlor. Buemi verlor damals ebenfalls die Nerven und beschimpfte bei einem Marsch durch die Boxengasse mehrere Kollegen.

In Vergne kann sich der Schweizer deshalb hineinversetzen: "Ich kenne ihn sehr gut, und das ist eine Art von ihm, sich vom Druck zu lösen", erklärt Buemi. "Jeder geht auf seine Weise damit um, aber du musst in diesem Sport demütig bleiben." In diesem Punkt könnte Vergne nun einen Schritt zu weit gegangen sein. Wie dem auch sei: Auch im vierten Jahr wird die Entscheidung um den Formel-E-Titel am letzten Wochenende der Saison fallen.

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