Formel E

"Zug wahrscheinlich abgefahren" - Wehrlein erleidet Handverletzung & verspielt letzte Hoffnung auf Formel-E-Titel

Timo Pape

Timo Pape

Pascal-Wehrlein-Porsche-Rome-Blurred

Pascal Wehrlein hat sich beim Hankook Rom E-Prix der Formel E leicht an der Hand verletzt. Zwar konnte der Porsche-Fahrer das Rennen am Sonntag noch als Siebter beenden, holte aber im Vergleich zu WM-Spitzenreiter und Rom-Sieger Jake Dennis zu wenige Punkte, um seine Hoffnungen auf den Weltmeistertitel 2023 ernsthaft am Leben zu halten. Antonio Felix da Costa brachte seinen Arbeitgeber durch zwei Fehler ins Hintertreffen mit Blick auf die Team-WM.

Bereits in Runde 2 krachte es mal wieder in Rom: An der Spitze des Feldes verbremste sich Mitch Evans und stieg am Auto von Nick Cassidy auf. Durch den Unfall entstand in der Bremszone vor Kurve 7 ein Ziehharmonika-Effekt, der zu mehreren Auffahrunfällen führte. Einer der Pechvögel war Pascal Wehrlein, der seinem Vordermann ins Heck krachte. Dabei verletzte sich der Deutsche leicht an der Hand.

"Die Hand schmerzt natürlich, aber sie ist in Ordnung, glaube ich. Ich habe viel gekühlt", berichtet Wehrlein gegenüber e-Formel.de und erklärt, wie es dazu kam: "Ich habe nur den Stau gesehen und hatte keine Chance auszuweichen. Ich habe das Lenkrad gegen die Hand bekommen, wie schon so viele in diesem Jahr." Damit spielt er auf die Handfrakturen bei Robin Frijns und Sebastien Buemi an, für die sehr ähnliche Auffahrunfälle ursächlich waren.

Wehrlein: "Konzentrieren uns jetzt auf die Teammeisterschaft"

Letztlich wurde Wehrlein unter Schmerzen Siebter. Wohl gut unter den gegebenen Umständen, aber definitiv zu wenig im Kampf um die Meisterschaft. Wehrlein liegt vor dem London E-Prix nun ganze 49 Punkte hinter Rivale Jake Dennis - bei maximal 58 noch möglichen Zählern. Wehrlein müsste eigentlich beide Rennen gewinnen, um überhaupt noch vorbeizuziehen zu können. Aber nur, wenn Dennis auf seiner Paradestrecke vor heimischer Kulisse leer ausgehen würde.

"Der Zug für die Fahrermeisterschaft ist wahrscheinlich abgefahren", sieht auch Wehrlein ein. "Man weiß ja nie, aber zu allererst müssen wir unsere Qualifying-Performance verbessern. Sie war in den letzten Wochen wirklich ausschlaggebend." Auch am Rom-Sonntag war Wehrlein nur von Platz 15 aus ins Rennen gegangen, während seine Titelrivalen aus den ersten beiden Reihen starteten. "Wir konzentrieren uns jetzt auf die Teammeisterschaft!"

Für die Gesamtwertung der Teams holte Wehrlein als Siebter immerhin sechs Zähler. "Man wird am Ende sehen, wie wichtig die Punkte waren", meint der 28-Jährige. "Ich versuche immer, das Maximum herauszuholen - auch (wenn das bedeutet), mit ein bisschen Handschmerzen die Punkte noch heimzubringen."

Di Grassi sauer auf Felix da Costa: "Hat versucht, mich in die Mauer zu drängen"

Sein Teamkollege Antonio Felix da Costa konnte zum gemeinsamen Unterfangen Team-WM am Sonntag nicht beitragen. Zunächst leistete sich der Portugiese einen Verbremser in Kurve 7, durch den er einige Positionen verlor. "Ich habe mit Andre (Lotterer) gekämpft und mich einfach verbremst", erklärt Felix da Costa gegenüber e-Formel.de. "Ich musste ein bisschen mehr Risiko zum Überholen eingehen, leider ist das schiefgegangen."

Später stand der Porsche-Fahrer noch ein zweites Mal negativ im Fokus, als er Lucas di Grassi im Zweikampf in die Bande schickte. "Ich habe versucht, ihn auf der Innenbahn anzugreifen. Doch als sich unsere Räder berührten, habe ich das Lenkrad verloren und ihn etwas nach außen gedrückt", beschreibt Felix da Costa die Situation, die di Grassis Rennen vorzeitig beendete.

"Er ging in Kurve 8 auf die Innenbahn", erklärt di Grassi seine Sichtweise auf den Unfall gegenüber e-Formel.de. "Ich habe ihm Platz gelassen, aber am Kurvenausgang hat er versucht, mich außen in die Mauer zu drängen. Ich konnte nirgendwo hin, daher bin ich der TecPro-Barriere gelandet. Dabei ist die Aufhängung vorne rechts verbogen. Damit war mein Rennen vorbei."

Felix da Costa: "Akzeptiere diese Strafe & werde mich entschuldigen"

Für seine Fehleinschätzung erhielt Felix da Costa nachträglich eine 5-Sekunden-Zeitstrafe. "Ich akzeptiere diese Strafe und werde mich dafür entschuldigen", so der 31-Jährige. Am Ende belegte er nur den zwölften Platz und steuerte somit keine Punkte für das Porsche-Konto bei. Dennoch glaubt er: "Wenn wir beide (in London) punkten, ist die Teammeisterschaft sicherlich in Reichweite."

Tatsächlich hat Porsche in Rom jedoch Federn gelassen. Nachdem Envision am Samstag die WM-Führung von den Schwaben übernahm, konnte das Jaguar-Kundenteam seine Führung am Sonntag sogar auf 14 Punkte ausbauen. Bei den letzten beiden Rennen in London (29./30. Juli) muss Porsche unbedingt eine Schippe drauflegen, um den Traum des WM-Titels wahr machen zu können. Die Fahrermeisterschaft hat das Team in Rom höchstwahrscheinlich bereits verloren.

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