Zweiklassengesellschaft beim nassen Formel-E-Rennen in Miami: "Wir haben beim Setup einen Fehler gemacht"
Tobias Wirtz
NISMO
Während die Fahrer von Jaguar, Porsche, Envision und Mahindra beim nassen Miami E-Prix auf den ersten acht Positionen landeten, hatten viele andere Fahrer mit der Pace zu kämpfen. Der Grund: sie hatten auf eine abtrocknende Strecke gesetzt, nachdem vor dem Start in Miami der Regen nachgelassen hatte. Es gab während des Formel-E-Rennens jedoch erneut Niederschläge, sodass diese Fahrer chancenlos zurückfielen.
Bereits in den ersten Runden des Rennens war zu sehen, dass einige Fahrer offensichtlich auf das falsche Pferd gesetzt hatten: Nachdem das Rennen nach fünf Runden hinter dem Safety-Car mit einem stehenden Start freigegeben wurde, fielen mehrere Fahrer weit zurück. Nach fünf Runden unter Grün fehlte dem Nissan-Duo Norman Nato und Oliver Rowland bereits 25 Sekunden auf Spitzenreiter Nyck de Vries, Max Günther und Dan Ticktum lagen weitere zehn Sekunden zurück.
Diese vier waren jedoch nicht die einzigen: Auch die beiden Citroen-Piloten Nick Cassidy (immerhin WM-Spitzenreiter) und Jean-Eric Vergne sowie Jake Dennis im Andretti fuhren chancenlos hinterher. Nachdem erneut Regen einsetze, wurden mehrere dieser Fahrer sogar überrundet. Ein äußerst seltenes Ereignis in einem Formel-E-Rennen. Dementsprechend frustriert waren einige Piloten nach dem Rennen - Ticktum hatte das Rennen nach seiner Überrundung und einem Reifenwechsel sogar ganz aufgegeben.
Am deutlichsten brachte Nissan-Pilot Nato es nach dem Rennen auf den Punkt: "Jedes Formel-E-Rennen ist anders, und heute haben wir beim Setup einen Fehler gemacht, weil wir dachten, die Strecke würde im Rennen abtrocknen. Am Ende war es für beide Autos die falsche Entscheidung." Sein Teamkollege Rowland stimmt ihm zu: "Wir haben im Rennen alles versucht. Normalerweise sind wir im Nassen nicht besonders stark, also war es den Versuch wert, auf ein trockenes Setup zu setzen. In den letzten Runden war die Performance zwar gut, aber leider zu spät. Wir haben gehofft, dass die Strecke abtrocknet und Energiemanagement wichtig wird – aber dazu kam es nie."
Ticktum: "Wir haben gezockt"
Auch Cupra Kiro gab in der Pressemitteilung an, bei Ticktum mit Reifendrücken für trockene Bedingungen ins Rennen gegangen zu sein. "Der Regen hat es extrem schwierig gemacht, im Rennen nach vorne zu kommen. Deshalb haben wir darauf gezockt, dass der Regen aufhört und die Strecke abtrocknet, aber das ist nicht aufgegangen", beschreibt Dan Ticktum nach dem Rennen.
"Wir sind ein Risiko beim Setup eingegangen", schlägt Max Günther in dieselbe Kerbe, der abgeschlagen mit zwei Runden Rückstand als 19. ins Ziel kam. "Es hat sich nicht ausgezahlt. Uns hat Grip gefehlt, um konkurrenzfähig zu sein, und das ist frustrierend, weil wir bei trockenen Bedingungen eine sehr starke Pace gezeigt haben."
Vergne: "Kann mich nicht an ein so schlechtes Rennen erinnern"
"Das Rennen ist dann etwas nasser geworden, als wir erwartet hatten", gibt auch Andretti-Teamchef Roger Griffiths zu. "Ich glaube, das hat uns mit der Strategie, die wir mit Jake gefahren sind, ein bisschen erwischt."
"Die Leistung im nassen Rennen war einfach sehr schlecht", beschreibt Citroen-Pilot Jean-Eric Vergne. "Es war richtig mies, so zwei, drei Sekunden pro Runde langsamer. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so ein schlechtes Rennen gehabt zu haben." Sein Teamkollege Cassidy ist sich jedoch sicher, dass dies nur eine Momentaufnahme ist: "Ich hänge mich nicht zu lange daran auf und freue mich auf Jeddah. Da wäre ich überrascht, wenn es regnet."
Am 13. und 14. Februar findet in Saudi-Arabien ein "Double-Header" statt. Dann werden wir komplett andere Rennen sehen als in Miami: Regen ist in Saudi-Arabien wirklich sehr unwahrscheinlich, außerdem gibt es dort das erste Pit-Boost-Rennen der Saison.
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