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Audi in Santiago: Späte Strafe für Daniel Abt, starke Aufholjagd von Lucas di Grassi

Die Formel E ist am Samstag in Santiago mit einem spektakulären Rennen in das Jahr 2020 gestartet. Audi-Pilot Lucas di Grassi holte nach starker Aufholjagd von Startplatz 22 auf Rang 7 wichtige Punkte, während Daniel Abt nach einer nachträglichen Strafe leer ausging.

Abt hatte schon im Qualifying mit Verkehr zu kämpfen und schaffte es am Ende nur auf den 13. Startplatz. Von dort aus arbeitete sich der Deutsche zwischenzeitlich bis auf Rang 8 vor. Dann geriet er jedoch mit Venturi-Pilot Felipe Massa aneinander und verursachte eine Kollision mit dem Brasilianer. Deshalb verhängte die Rennleitung kurz nach Rennschluss eine Durchfahrtsstrafe gegen Abt, die in eine 30-Sekunden-Zeitstrafe umgewandelt und auf seine Gesamtzeit addiert wurde.

Die Strafe warf Abt auf Platz 14 zurück - statt vier Zählern für Rang 8 ging er somit leer aus. Zudem erhielt der 27-Jährige zwei Strafpunkte auf seine Rennlizenz und steht nun bei insgesamt vier Strafpunkten. In der Gesamtwertung rangiert Abt nach drei Saisonläufen und einer mageren Ausbeute von acht Zählern auf dem 15. Platz.

"Es war ein verrücktes Rennen", resümiert Abt kurz nach dem E-Prix. "Es ist sehr viel passiert, andauernd haben sich Leute berührt. Anfangs bin ich durch dieses Chaos noch ganz gut durchgekommen und in die Punkte vorgefahren, ich glaube bis auf Platz 8. Dann hatte ich einen Positionskampf mit Lucas (di Grassi) und Massa und habe ihn leider leicht getroffen, sodass er sich gedreht hat. Dafür habe ich nach dem Rennen eine Durchfahrtsstrafe bekommen, was am Ende hieß: keine Punkte."

"Es ist, wie es ist", seufzt Abt und versucht das Positive aus dem Rennwochenende in Chile mitzunehmen: "Wir müssen daraus lernen. Zumindest bringt es uns für Mexiko in eine gute Qualifying-Gruppe (3). Wir haben dort die letzten drei Male gewonnen und haben gute Erinnerungen an Mexiko. Da werden wir volle Attacke gehen."

Lucas di Grassi "völlig erschöpft, aber überglücklich"

Besser lief es in Santiago für Abts Teamkollegen Lucas di Grassi, obwohl der Tag denkbar schlecht für ihn begonnen hatte. Im Qualifying musste der Brasilianer ohnehin schon in Gruppe 1 ran und hatte dann noch das Pech, dass direkt vor ihm Oliver Rowland verunfallte und er nur von Startplatz 22 in den dritten Saisonlauf gehen konnte. Im Rennen hielt sich di Grassi wie so oft aus dem gröbsten Getümmel heraus und zeigte eine beeindruckende Aufholjagd bis auf Position 7.

"Es war absolut fantastisch", sagt di Grassi, der dank seiner sechs Zähler im O'Higgins-Park als Gesamtfünfter weiterhin in der Spitzengruppe der Fahrermeisterschaft vertreten ist. "Ich bin völlig erschöpft, aber überglücklich, aus der vorletzten Startreihe noch auf Platz 7 nach vorne gefahren zu sein. Ich bin sehr stolz auf das gesamte Team und Audi."

Audi-Teamchef Allan McNish betrachtet den Santiago E-Prix mit gemischten Gefühlen: "Es ging heute mächtig zur Sache. Nach dem schwierigen Qualifying wussten wir alle, dass es für uns ein hartes Rennen werden würde. Aber das Team hat sich wieder einmal zurückgekämpft. Dass Lucas bis auf Platz 7 nach vorne fahren konnte, war eindrucksvoll", findet der Schotte.

"Dass Daniel für einen der vielen Zwischenfälle, die es heute gab, nachträglich eine Strafe bekommen hat, ist sehr schade", so McNish weiter. "Es war ein hartes Rennwochenende für uns, aber wir nehmen wichtige Punkte aus Santiago mit und freuen uns schon auf das nächste Rennen in Mexiko." Bis zum 15. Februar muss sich das Audi-Team noch gedulden, dann haben Abt und di Grassi die nächste Chance, einen Pokal mitzunehmen.

Foto: Audi Communications

von Timo Pape  

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Kommentar von alex meyer |

Mir scheint, dass Daniel Abt gleicht schlecht beginnt mit 2020 wie er aufgehört hat mit der Saison 2019. Vielleicht ist er doch noch etwas jung für den Rennsport und nimmt die Vorbereitungen dafür zu wenig ernst. Absolut ist er ein Autoprofi und vertritt die Firma Abt gegen Aussen professionell als Influencer. Die Ernsthaftigkeit fehlt mir manchmal mit seinen Jungs auf Instagram und frönt lieber dem lockeren Leben.

Kommentar von EffEll |

am Alter liegt es nicht - da sind ihm mindestens zwei annähernd gleichaltrige in der FE weit voraus. Wohl aber könnte das an der Fokussierung liegen. Allein seine Überlegung dahingehend, bei nicht Verlängerung seines Audi-Vertrages über 2019 hinaus die Fahrerkarriere komplett aufzugeben, lässt an seiner Ernsthaftigkeit zum Sport etwas zweifeln. Gegenüber di Grassi wirkt er fahrerisch doch sehr blass. Dass er aufgrund der Firma nicht auf seine Fahreranstellung angewiesen ist, könnte seine Zielstrebigkeit in dem Bereich beeinflussen. Auch wenn das selbst abstreitet. Natürlich bleibt gerade bei dem FE Kalender genug Freizeit für andere Aktivitäten. Aber während sich andere Fahrer dann in der Le Mans Series engagieren und dadurch noch mehr Erfahrung hinter dem Steuer sammeln, kümmert sich Abt eher um die Außendarstellung der Firma und um seine YouTube- und Instagram-Follower. Ich fand es bisher immer toll, dass er uns mit hinter die Kulissen der FE nahm. Aber mittlerweile behandelt er auf YouTube eher andere Themen. Rennsport steht auch da schon nicht mehr im Fokus - leider.

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