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Audi & Virgin verlieren in Marrakesch Anschluss an Topteams: "Im Augenblick nicht mehr möglich"

Die Ausbeute der vier Audi-Fahrzeuge fiel in Marrakesch mager aus. Auf Platz 7 erreichte Werksfahrer Lucas di Grassi zwar die Punkteränge. Dennoch wurde in Marokko deutlich: Die Ingolstädter und auch Kundenteam Virgin haben nach den ersten fünf Saisonrennen etwas den Anschluss an die absoluten Topteams der Formel E verloren.

Bereits im Qualifying fingen die Leiden für Audi an. Lucas di Grassi erreichte aus der ersten Qualifikationsgruppe nur einen enttäuschenden 13. Startplatz, während sich Antonio Felix da Costa (DS) bei gleichen Bedingungen für die Super-Pole und später für die Pole-Position qualifizierte. Daniel Abt kam über Platz 18 trotz leicht verbesserter Konditionen nicht hinaus. Und auch die beiden Virgin-Piloten Sam Bird und Robin Frijns, die im Kundenteam mit dem gleichen Antrieb wie die Werks-Audis ausgestattet und normalerweise starke Qualifyer sind, erreichten nur die Positionen 14 und 22. Frijns hatte in der Qualifikation durch einen Fahrfehler die Mauer touchiert und wurde anschließend zudem für das Abrufen von zu viel Leistung ans Ende des Feldes strafversetzt.

Im Rennen machte der Niederländer viele der durch die Strafe verlorenen Plätze gut, sodass er letztlich als Zwölfter ins Ziel kam. Daniel Abt klagte schon vor dem Rennen über Probleme mit seinem Fahrzeug. Das Team wechselte vor dem Start daher einen Großteil der Heckstruktur seines Renners. Nach einem unauffälligen E-Prix gewann Abt vier Plätze und wurde als 14. gewertet. "Trotzdem war es ein extrem frustrierendes Rennen", sagt der Kemptener. "Wir waren hier einfach viel zu langsam."

Daniel Abt: "Keine leichte Zeit für uns und mich"

Einige Tage nach dem Rennen äußerte sich Abt zudem über Twitter: "Mit etwas Abstand zum Wochenende melde ich mich heute mal zu Wort. Es ist sportlich leider gerade keine leichte Zeit für uns und mich. Nach einem schwierigen Saisonstart und dem harten Unfall in Mexico [sic] waren wir leider auch in Marrakesh weit von einem guten Ergebnis entfernt…" Der Druck auf den Deutschen - öffentlich und wahrscheinlich auch Audi-intern - steigt weiter an, liegt er doch mit einem Top-10-Ergebnis in fünf Rennen als Gesamt-17. hinter den (auch eigenen) Erwartungen zurück.

Lucas di Grassi (7.) und Sam Bird (10.) erreichten als einzige Piloten mit Audi-Fahrzeugen die Punkteränge. "Mein Auto war im Rennen richtig gut", sagt di Grassi. "Mehr ist im Augenblick mit unserem Paket von einer solchen Startposition nicht möglich. Dafür ist die Konkurrenz in der Formel E zu stark." Audis Teamchef Allan McNish stimmt ihm zu: "Es ist offensichtlich, dass wir noch Arbeit vor uns haben. Zum Glück haben wir bis zum nächsten Rennen etwas Zeit, um uns Gedanken zu machen, wie wir uns verbessern können. Daniel hatte schon im Qualifying Probleme. Mit Lucas haben wir zumindest Punkte geholt und Platz 5 in der Fahrermeisterschaft verteidigt."

Filippi: "Ein schwieriges Wochenende"

Virgins Teamchef Sylvain Filippi ist mit dem Ergebnis seiner Schützlinge etwas zufriedener, blickt aber ebenfalls auf kein ideales Rennen zurück: "Es war ein schwiriges Wochenende. Ich kann nicht sagen, dass ich glücklich mit dem Punkt bin", erläutert der Brite. "Aber es ist wichtig, dass wir zumindest gezeigt haben, dass wir im Rennen nach vorne kommen können. Beide Fahrer haben alles gegeben, doch es war nicht mehr drin. Ich bin mir sicher, dass wir beim nächsten Mal in Rom zu unserer alten Performance zurückfinden können."

Robin Frijns meint: "Heute war ein harter Tag. Ich habe die Mauer im Qualifying berührt und wurde zudem bestraft, weil es beim Unfall eine Leistungsspitze gab. Ich habe mich zurückgekämpft und bin ganz zufrieden mit meiner heutigen Performance. Wir haben jetzt eine längere Pause bis Rom, in der ich mich im Simulator in Silverstone auf das Rennen vorbereiten werde."

Audi liegt nach dem Marrakesch E-Prix auf Platz 6 in der Gesamtwertung der Teams, sieben Punkte vor Virgin. Vor beiden Rennställen liegt bis zum Rom E-Prix noch viel Arbeit: Das führende Team DS Techeetah hat rund 50 Punkte Vorsprung auf die beiden Rennställe, und auch BMW scheint momentan ein deutlich stärkeres Paket zu haben. Der Meisterschaftslauf in der "Ewigen Stadt" soll planmäßig am 4. April 2020 stattfinden.

Foto: Michael Kunkel / Audi Communications Motorsport

von Tobias Bluhm  

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