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Motorsport-Auftakt 2019: Die Formel-E-Vorschau zum Marrakesch E-Prix

Neues Jahr, neues Glück: Mit dem Marrakesch E-Prix am 12. Januar eröffnet die Formel E nächstes Wochenende das Motorsport-Jahr 2019. Nach dem Saisonauftakt vor wenigen Wochen in Saudi-Arabien sind noch immer viele Fragen offen. Zwar gewann Antonio Felix da Costa im BMW den chaotischen Lauf in Diriyya. Dennoch scheinen Teams wie DS Techeetah mindestens auf Augenhöhe mit den Münchenern zu sein. Mehrere Teams, darunter auch der deutsche Rennstall Audi, ringen indes um den Anschluss an die Spitzenpositionen.

Nachdem das Tagesprogramm für den Diriyya E-Prix durch starke Regenfälle in der Nacht vor dem Renntag regelrecht auf den Kopf gestellt wurde und die Teams nur sehr wenig Zeit auf der Rennstrecke bekamen, könnte der Marrakesch E-Prix beinahe zum Ersatz-Saisonstart avancieren. Abgesehen von den Testdaten, die am Sonntag nach dem Diriyya-Rennen gesammelt wurden, reisen fast alle Teams mit einem nahezu weißen Blatt Papier nach Marokko. Viel Action auf der Strecke und unvorhersehbare Momente sind vorprogrammiert. Was du vor dem zweiten Rennen der Formel-E-Saison 2018/19 wissen musst, erfährst du in unserer großen Rennvorschau.

Stadt, Land, Fluss

Marrakesch, eine der vier Königsstädte Marokkos, ist insbesondere für seine historische Innenstadt weltweit bekannt. Die Koutboubia-Moschee, der zentrale Marktplatz Djemaa el Fna, die Agdal-Gärten (die direkt an die Rennstrecke grenzen) oder die Festung Kasbah machen Marrakesch zu einer wahren Schatzgrube für Historiker und Geschichtsfreunde.

Schließlich blickt der 930.000-Einwohner-Ort im Westen des Landes auf eine über 1.000-jährige Geschichte zurück. Einst als Zentrum der Almoraviden-Dynastie gegründet, die im 11. Jahrhundert den Islam bis nach Andalusien trug, wuchs Marrakesch in den vergangenen Jahrhunderten zu einer muslimisch geprägten Weltstadt heran. Mehrmals erklärte man Marrakesch zur Hauptstadt Marokkos, inzwischen hat diesen Status jedoch Rabat inne.

Was seit dem letzten Saisonlauf passierte

Wie bereits 2017/18 war die Weihnachtspause in der Formel E ungewohnt ruhig. Für die vielleicht größte Schlagzeile sorgte Ex-Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve, der sich trotz seiner einstigen Teilnahme an den Läufen der Formel E abfällig über die Elektroserie äußerte und erklärte, dass "niemand elektrische Autorennen sehen will."

Heftig debattiert wurde zudem der neue Attack-Mode der Formel E. Nach dem ersten Test in Diriyya fiel das Feedback mancher Fahrer eher negativ aus, andere zeigten sich hingegen begeistert. Ein Kritikpunkt: Der Zuwachs an Energie durch den Attack-Mode sei zu gering, um wirklich davon profitieren zu können. Für das Marrakesch-Rennen will die FIA wohl Anpassungen am Attack-Mode-System vornehmen.

Zeitplan 2019 (alle Angaben in MEZ)

08:00 - 08:45 Uhr - 1. Freies Training
10:15 - 10:45 Uhr - 2. Freies Training
12:00 - 13:05 Uhr - Qualifying
16:05 - 17:00 Uhr - Rennen (45 min + 1 Runde)

Strecke

Die Formel E besucht den Rundkurs in Marokko zum dritten Mal in drei Saisons. Mit mehreren langen Geraden und Beschleunigungsstellen zählt die 2,971 Kilometer lange Piste im Südwesten von Marrakesch nicht nur zu den längsten, sondern auch zu den schnellsten Kursen der Elektroserie (Platz 3 aller bisherigen Formel-E-Strecken hinter Punta del Este und Long Beach). Insgesamt zwölf Kurven warten im Verlauf einer Runde auf die 22 Fahrer, darunter eine Schikane und die "Mutkurve" 7, in der die Piloten ihre Boliden mit hoher Geschwindigkeit zentimetergenau platzieren müssen, um nicht in der Streckenbarriere zu landen.

Anders als zuletzt in Saudi-Arabien gibt es mehrere Überholmöglichkeiten auf dem Kurs. So sahen wir in den vergangenen zwei Jahren mehrere Manöver in den Kurven 1 und 10. Die beste Gelegenheit bietet jedoch wohl die 90-Grad-Linkskurve 11, die im vergangenen Jahr Schauplatz mehrerer spektakulärer Überholmanöver war. Für Gesprächsstoff wird außerdem erneut die Attack-Zone sorgen, die dieses Mal auf einer äußeren Bahn in Kurve 3 platziert werden soll.

Formel E im TV bei Eurosport & Online-Stream im ZDF

Wie schon beim Diriyya E-Prix übertragen Eurosport und das ZDF auch das Rennen aus Marrakesch im deutschen Free-TV beziehungsweise Online-Stream. Der Münchener Sportsender, der im nunmehr vierten Jahr das deutsche Zuhause der Formel E ist, zeigt den Lauf ab 15:45 Uhr deutscher Zeit live und in voller Länge. Alle weiteren Session sind über den kostenpflichtigen Eurosport Player zu empfangen. Die Qualifikation wird leider nicht im deutschen Fernsehen übertragen. Wir können dir deshalb nur unserem beliebten Live-Ticker ans Herz legen, in dem wir dich über den gesamten Tag mit allen Informationen aus erster Hand von der Rennstrecke versorgen.

Das ZDF zeigt außerdem das Rennen von Marrakesch im kostenlosen Online-Stream auf der Webseite des Senders. Hinter dem Mikrofon begleiten das Rennen bei Eurosport erneut Oliver Sittler und Patrick Simon, im ZDF wird der E-Prix von Gari Paubandt kommentiert.

Wetter

Marrakesch liegt am westlichen Rand der Sahara. Entsprechend gestaltet sich das Wetter am Rennwochenende: Bis zum Rennstart klettert das Thermometer auf bis zu 20 Grad Celsius. Dennoch beginnt der Morgen mit bitterkalten 4 Grad Celsius. Der Himmel bleibt im Verlauf des Tages voraussichtlich klar und wolkenlos - Regen wie zuletzt in Diriyya ist demnach unwahrscheinlich.

(Fun)-Facts

  • Während in Deutschland bei über 50 Mikrogramm Feinstaubpartikel pro Kubikmeter reihenweise Fahrverbote ausgesprochen werden, liegt die Luftverschmutzung im gesamten Stadtgebiet von Marrakesch durchschnittlich bei 57 Mikrogramm pro Kubikmeter. Zeit, dass sich was dreht.
  • Schon seit 2009 werden auf der Strecke in Marokko Rennen ausgetragen. Vor der Formel E gastierten die WTCC, Formel 2 und AutoGP-Serie auf dem Rundkurs in Marrakesch, ehe die Piste Ende 2015 von Hermann Tilke umgebaut wurde.
  • Stoffel Vandoorne gewann den FANBOOST in Diriyya mit 35.55 Prozent der Stimmen - der höchste Wert in der Formel-E-Geschichte.
  • 2018 haben deutsche Fahrer die meisten Punkte in der Formel E gesammelt. Mit 234 Punkten war Deutschland die stärkste Nation, dahinter folgten Frankreich (197) und Brasilien (192).
  • Ein mittelschnelles Dromedar bräuchte für die Umrundung der Marrakesch-Strecke bei einem traditionellen marokkanischen Dromedar-Rennen durchschnittlich 7:07.820 Minuten.

Tobis Prognose

Viel Erfahrung konnten die Teams vom chaotischen Diriyya E-Prix nicht mitnehmen. Besonders den Trainings von Marrakesch wird deshalb eine wichtige Rolle zuteil. Schließlich gilt es, so viele Runden wie möglich vor dem Rennen zu absolvieren, um so wichtige Daten über den Energieverbrauch und für die Weiterentwicklung der Antriebe zu sammeln. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat der Veranstalter für den Tag nach dem Rennen wie schon 2018 einen Rookie-Test angesetzt, bei dem den Teams die Strecke zur freien Benutzung zur Verfügung steht.

Sollte sich das Kräfteverhältnis aus Diriyya auf Marrakesch übertragen, so scheint DS Techeetah derzeit die Oberhand zu haben. Beide Fahrer in den schwarz-goldenen Rennern präsentierten sich in Saudi-Arabien bärenstark und hätten die Konkurrenz ohne ihre Durchfahrtsstrafen wohl klar in die Schranken verwiesen. Selbstverständlich ist auch BMW stark einzuschätzen, wenngleich die Münchener augenscheinlich noch hinter der französisch-chinesischen Kooperation stehen. Sicherlich wird der Rennstall in Marrakesch alles daran setzen, zum Gegenschlag auszuholen.

Doch auch hinter dem Spitzenduo wird es spannend: Jaguar, Mahindra, Audi und Nissan buhlen womöglich um den Titel der "dritten Kraft" und wollen sich in Marrakesch erneut in eine gute Position für den weiteren Verlauf der Saison bringen, um im Sommer 2019 ein Wort im Titelkampf mitreden zu können. Das Mittelfeld war schon in Diriyya hart umkämpft. Für Marrakesch erwarte ich deshalb nichts anderes als einige packende Duelle auf Messers Schneide, für die es sich ganz sicher lohnen wird, den Fernseher einzuschalten.

Reminder: e-Formel.de bietet auch in der Saison 2018/19 ein Tippspiel zur Formel E an. Wer bei unserer kostenlosen Community-Tippspiel-Runde mitmachen möchte, hat noch bis zum Wochenende Zeit, seine Tipps abzugeben oder sich gegebenenfalls neu anzumelden.

von Tobias Bluhm 

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