Rene-Rast-Audi-Valencia-Test-2020

Offiziell: Audi bestätigt Formel-E-Ausstieg nach Saison 2021 für Le Mans & Rallye Dakar

Paukenschlag bei Audi: Wie der bayerische Autokonzern am Montagnachmittag in einer Pressemitteilung bestätigte, steigen die Ingolstädter bereits im Anschluss an die Saison 2021 aus der Formel E aus. Kundenteams sollen zwar weiterhin die Antriebe von Audi nutzen können, werksseitig werden die Ressourcen allerdings neu geordnet. Statt in der Elektroserie will Audi künftig mit eigenen Teams in Le Mans und bei der Rallye Dakar antreten.

Die Marke mit den vier Ringen ist somit der erste große Automobilhersteller, der der Formel E vollständig den Rücken kehrt. Bereits in den ersten drei Saisons unterstützte Audi das Privatteam ABT Sportsline als Sponsor und technischer Partner und übernahm das Team schließlich zur Saison 2017/18 mit einem eigenen Werkseinsatz. Im ersten Hersteller-Jahr gewannen die Ingolstädter auf Anhieb die Teammeisterschaft der Formel E. In den zwei darauffolgenden Saisons folgten der Vizetitel und ein sechster Platz.

Rallye Dakar als direkter Formel-E-Ersatz

Insbesondere mit Blick auf die erfolgreiche Formel-E-Vergangenheit ist die Meldung des Ausstiegs eine große Überraschung. "Die Formel E hat bei Audi die Phase der Transformation begleitet", erklärt Audis Geschäftsführer Markus Duesmann die Entscheidung. "Heute ist Elektromobilität bei uns nicht mehr Zukunftsmusik, sondern Gegenwart. Deshalb gehen wir beim elektrifizierten Motorsport den nächsten Schritt und stellen uns den extremsten Bedingungen. Die Rallye Dakar mit ihren vielen technischen Freiheiten ist dabei ein perfektes Testlabor für uns."

Die Wüstenrallye bildet bei Audi den direkten Ersatz für das Formel-E-Werksprogramm, das nach der anstehenden Saison 2021 aufgelöst wird. Auch ein Comeback in die WEC wird derzeit vorbereitet. Der Einsatz des in der letzten Woche vorgestellten Formel-E-Antriebsstrangs, der erstmals vollständig im Hause Audi entwickelt wurde, bleibt zunächst auch über das nächste Jahr hinaus möglich. Envision Virgin Racing kann den Motor als Kundenteam also auch in Saison 8 einsetzen, wird sich für danach jedoch nach einem neuen Antriebspartner umsehen müssen.

Keine Rückendeckung von Volkswagen

Aus Insider-Kreisen hieß es schon seit einiger Zeit, dass Audi die Formel E zunehmend als technologisch nicht mehr relevant genug betrachtet. Die Meisterschaft habe in den vergangenen Jahren zwar eine wichtige Rolle beim Marketing für das Thema Elektromobilität gespielt. Allerdings sollen führende Audi-Verantwortliche inzwischen die fragwürdige Ansicht vertreten, dass E-Mobilität längst Realität sei und die Serie somit an Bedeutung verloren hätte. Nicht zuletzt dürfte aber auch der Beitritt der Volkswagen-Konzernschwester Porsche eine Rolle gespielt und die Frage aufgeworfen haben, ob Volkswagen tatsächlich zwei Hersteller in der Formel E benötigt.

Mangelnde Rückendeckung aus Wolfsburg deutete zuletzt VW-Boss Herbert Diess an. In einem LinkedIn-Beitrag schrieb der 62-Jährige im August: "Meiner persönlichen Meinung nach wäre es besser, den Motorsport wie folgt voranzutreiben: Die Formel 1 wird CO2-neutral, indem sie auf synthetische Kraftstoffe umrüstet. Das wären eine viel aufregendere und unterhaltsamere Rennsport-Erfahrung und (ein besserer) Technologie-Wettbewerb als die Formel E, die im Stadtzentrum ein paar Runden in einem Gaming-Modus unterwegs ist."

Audis Teamchef Allan McNish, der die Teamleitung im Sommer 2017 übernahm, zeigt sich angesichts der Entscheidung aus Ingolstadt verständnisvoll: "Wir haben viel Vertrauen und Liebe in die Formel E investiert", erklärt der Schotte bei 'The Race'. "Sie hat uns den Weg geebnet, um von einer Firma für Autos mit Verbrennungsmotoren zu einer Elektro-Firma zu werden. Jetzt bereiten wir den nächsten Technologie-Schritt vor. Wir kennen die Entwicklungsrichtung der Formel E. Für den Entwicklungsplan der Audi AG ist es allerdings etwas angemessener, in eine andere Richtung zu gehen."

Neuer Motorsport-Chef bereitet Le-Mans-Comeback vor

Neben den bestehenden Programmen im GT-Sport und der Rallye Dakar kommt für Audi auch die FIA-Langstrecken-WM als Formel-E-Alternative infrage. In der WEC gilt ab 2021 ein neues Regelwerk, das in der Spitzenklasse die LMP1-Prototypen mit LMDh-Hypercars ablöst. In der Langstreckenserie sollen weiterhin Hybridmotoren zum Einsatz kommen, für die Audi die in der Formel E gesammelten Erfahrungen nutzen könnte.

"Wir bereiten uns intensiv auf den Einstieg in die neue Sportwagen-Kategorie LMDh mit ihren Highlight-Rennen in Daytona und Le Mans vor", erklärt Julius Seebach. Der 36-Jährige wird als Geschäftsführer von Audi Sport künftig auch das Ruder in der Rennsport-Abteilung übernehmen. In dieser Funktion ersetzt er Dieter Gass, der seinen Posten nach drei Jahren ab dem 1. Dezember 2020 räumen muss. "Die wichtigste Botschaft für unsere Fans ist, dass Motorsport bei Audi weiter eine bedeutende Rolle spielen wird", sagt Seebach.

In diesen Tagen finden die offiziellen Vorsaison-Tests der Formel E in Valencia statt, das einzige kollektive Aufeinandertreffen aller Teams vor dem Saisonstart. Der Startschuss für die Saison 2021 fällt am 16./17. Januar 2021 in der chilenischen Hauptstadt Santiago.

Fotos: Audi Communications

von Tobias Bluhm  

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Kommentar von EFan |

Tja schade .... andererseits sprießen die Elektro Sprint Formate mit WRX, ETCR, SuperCharge oder e-DTM gerade nur so aus dem Boden. Die benannten Probleme im Serienbau sind aber nun mal die Reichweite oder das Thema "Laden". Habe noch nie gehört, dass ein e-Auto nicht schnell genug beschleunigt oder zu wenig agil ist. Wenn man Hersteller behalten will muss man eine Plattform bieten, in der sich auch Serienrelevanz darstellen lässt. Ob da jetzt Dakar oder LMDh mit nem Standardhybrid oder nur Verbrenner geeignet sind ... naja. Wobei ich letztes Jahr Riwald mit dem Hybridtruck bei Dakar schon spannend fand. Ein Hybrid der die Belastung durchsteht ist auch Straßentauglich ... irgendwann kommt aber bestimmt ne PR Mitteilung von Audi. Mal gespannt wie die Begründgung ist.

Kommentar von Karl |

Es ist wie in der WEC: es macht doch auf Dauer keinen Sinn, wenn Porsche gegen Audi fährt ...

Kommentar von Ben |

BMW, Porsche und Mercedes steigen ein, Audi steigt aus. Noch dazu nachdem man gerade erst einen eigenen Antrieb vorgestellt hat, dassen Entwicklung bestimmt nicht billig war. Ich halte den Ausstieg von Audi für einen sehr schweren Fehler und kann ihn nicht nachvollziehen

Kommentar von EffEll |

Einerseits beschneidet man die Entwicklung um die Kosten im vertretbaren Rahmen zu halten und die Hersteller nicht zu verschrecken, andererseits entzieht man der Rennserie damit die technologische Relevanz für eben jene Serienentwicklung. Somit baut die Formel E noch einzig auf ihren Werbewert und versucht so die Hersteller mit einer möglichst günstigen Rennserie bei Laune zu halten. Innerhalb der Saison(s) geht es hauptsächlich um Software und deren Optimierung. Irgendwie nachvollziehbar dass Audi nun den Stecker zieht, um in anderen Rennserien tatsächlich "Vorsprung durch Technik" zu erzielen.

Dennoch schade und angesichts der neuen Fahrerpaarung hatte ich mich sehr auf die Zukunft Audis in der FE gefreut. Leider wird es die nicht geben.
Mal sehen wie lange uns Porsche erhalten bleibt bei Diess' Aussagen dazu.

Kommentar von EFan |

... man hatte ja am Anfang auch angekündigt, die Batterieentwicklung zumindest teilweise frei zu geben. Das ist ja jetzt auch im Gen3 nicht passiert. Die Batterie ist aber nun mal die Gretchenfrage der Elektromobilität. Ich gehe schon mal davon aus, dass es im Hintergrund da ein gewisses Tauziehen gab und der ein oder andere Hersteller vielleicht in dem Punkt nicht mehr Budget Fragen übereinstimmen. Wäre vielleicht doch schön gewesen, wenn man mit 2 Batterien agiert hätte. Eine standardisierte "Grundlastbatterie" und einfach 10 kg für eine eigen entwickelte Batterie freigegeben, mit dem Recht diese bei einem "Tankstopp" zu laden. Da hätte man sich darüber differenzieren können und Entwicklungsarbeit betreiben können und die Unterschiede wären trotzdem hoffentlich überschaubar geblieben.

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