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"Das war ein ekliger Move" - das sagen Lotterer & Bird zum Hongkong-Unfall

Kein Formel-E-Rennen ohne Drama - so auch in Hongkong. Kurz vor dem Ende attackierte der Zweitplatzierte Sam Bird den vor ihm fahrenden Andre Lotterer auf der Gegengeraden. Beim Anbremsen vor Kurve 2 schob der Brite den deutschen DS-Piloten am rechten Hinterrad an und schlitzte ihm dabei den Reifen auf. Mit einem Platten rollte Lotterer zwar bis ins Ziel, verlor aber seinen sichergeglaubten ersten Formel-E-Sieg und ging als 14. leer aus.

Bird hingegen fuhr das Rennen an der Spitze zu Ende und sicherte sich seinen zweiten Saisonsieg. Nach Rennschluss blieb jedoch noch vier Stunden lang die Frage offen, ob der Virgin-Fahrer noch nachträglich für den Unfall mit Lotterer bestraft würde, denn die Rennleitung gab bekannt, eine Untersuchung eingeleitet zu haben. Zahlreiche Fans in den sozialen Medien forderten ausgleichende Gerechtigkeit für den Schaden Lotterers, doch die Formel E schickte Bird zunächst als Sieger zur Podiumszeremonie, um seinen Pokal entgegenzunehmen. Kurz nach dem Rennen nahmen beide Piloten Stellung zum Vorfall - und sparten dabei nicht mit deutlichen Worten.

"Mein Rennen ist aus, und ich hoffe, seines auch", sagt ein frustrierter Andre Lotterer. "Ich habe keine Ahnung, was er da gemacht hat, ich habe mich nur verteidigt. Das war ein ekliger Move - so sollten wir nicht gegeneinander Rennen fahren. Es war nicht fair, ganz und gar nicht. Ich habe mein Rennen dank ihm verloren. Es bringt nichts rumzuheulen, aber das wäre mein erster Rennsieg in der Formel E gewesen. Selbst eine Strafe (für ihn) bringt mir nichts. Es ist einfach nur traurig."

Auch Bird war bereits kurz nach Rennende anzusehen, dass sein Sieg in Hongkong mehr als nur einen faden Beigeschmack hatte. Noch vor der Siegerehrung sagte er sichtlich bedröppelt am Mikrofon: "Es ist wirklich schade, was da passiert ist. Ich wollte ihn auf der Innenseite von Kurve 2 überholen, aber es war sehr rutschig, sodass ich ihn angeschoben habe", schildert Bird die rennentscheidende Szene. Er verweist auf ein sehr ähnliches Manöver Lotterers, für das es seinerzeit keine Strafe gegeben hat: "Das war ungefähr so wie das, was er (2018) mit Vergne in Santiago gemacht hat. Es tut mir wirklich leid, weil er ein starkes Rennen gefahren ist."

Nach mehreren Stunden des Wartens entschied die Rennleitung schließlich, Bird rückzuversetzen. "Der Fahrer von Auto Nummer 2 verursachte einen direkten Zusammenstoß mit dem rechten Hinterreifen von Auto 36, der zu einem sofortigen Plattfuß führte", erklärt die Rennleitung in einem offiziellen Dokument. "Es wird anerkannt, dass die Strecke an gewissen Stellen feucht war. Nichtsdestotrotz ließ Auto Nummer 36 mehr als eine Fahrzeugbreite Platz auf der Innenbahn. Deshalb sind wir der Meinung, dass der Fahrer von Auto Nummer 2 die Hauptschuld an dem Zwischenfall trägt."

Trotz alledem hat Sam Bird in Hongkong die Gesamtführung in der Meisterschaft übernommen und liegt nun einen Punkt vor Jerome d'Ambrosio. Lotterer hingegen bleibt mit 29 Punkten auf dem zehnten Rang stehen. Ohne den Unfall wäre er nun mit 54 Zählern Gesamtzweiter - punktgleich Spitzenreiter Sam Bird, wobei dieser dann natürlich keine Strafe erhalten hätte und wohl Zweiter statt Sechster geworden wäre. Das nächste Formel-E-Rennen findet bereits in zwei Wochen, am 23. März, im chinesischen Sanya statt.

Was meinst du - Rennunfall oder Strafe für Sam Bird? Sag es uns in den Kommentaren.

von Timo Pape 

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Kommentar von Hirsch, Erich |

Für mich ganz klar: Bird war frustriert und biss sich an Lotterer die Zähne aus; anstatt mit P2 sichere 18 Punkte für die meisterschaft nach hause zu fahren, riskierte Bird das Manöver.

Da fehlt ihm die nötige Intelligenz für einen wahren Champ, die beispielsweise Lucas di Grassi per excellence besitzt. Damit hat sich Bird keinen Gefallen getan. Sehr sehr schade für Lotterer.

Kommentar von Jellabies |

Eine äußerst unfaire Attacke, die bestraft werden sollte. Sonst droht diese Art, ein Rennen zu gewinnen, evtl. zur Gewohnheit zu werden. Und das wäre schade für die Formel E

Kommentar von Eusebius |

Das rennen so werten wie sie die runde starteten. Denn bird gehört zu denn unfairsten sieger erinnertmich an die szene wo buemi zum kindskopfmutierte und kein sportler mehr ist!!

Kommentar von SBÜ |

Das Rennen war unglaublich stark besonders schön war zu sehen wie hart sich Lotterer mit einer harten Souveränität gegen Bird behauptete
Klar ist auch, dass Lotterer klar von den Unfällen profitierte denn Energie hat er schon hart verbrannt.
Aber finde auch das die Aktion evtl. Schon ein „Unfall“ gewesen sein kann schwierig zu entscheiden...
Dennoch sollte sowas mit einer Geldstrafe behandelt werden oder ähnlich. Sonst könnte das schlitzen der Reifen mit der Nase evtl tatsächlich Alltag werden und davor habe ich Angst.
Bei der letzten Gen war das sehr schwer durch die Aerocaps an den Hinterreifen.

Finde aber auch von di Grassi die Anregung zum attackmode diskutier bedürftig

Gruß Flo

Kommentar von EffEll |

Bird sprach während der Fahrt in die Boxengasse bereits am Teamfunk über den Vorfall und erklärte sich.
Da den Eurosport Kommentatoren allerdings völlig egal zu sein scheint, was auf der Strecke passiert, quatschten sie die ganze Zeit drüber. Die haben das nicht mal gemerkt.
Ich konnte es nur anhören, weil ich das Rennen als Aufnahme sah, zurückspulte und den englischen Ton anwählte.
Das Kommentatorenduo ist leider alles andere als aufmerksam. Die bekommen von den wichtigen Situationen/Boxenfunks nichts mit...

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