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De Vries hadert mit "dummer" Mercedes-Strafe: "Hätte ein einfaches Podium werden können"

Mercedes-Benz EQ blieb beim fünften Lauf der Formel E in Marokko zum zweiten Mal in Folge ohne Punkte und sammelte stattdessen vor allem Strafen. Während Stoffel Vandoorne das ganze Wochenende über nicht auf Touren kam, musste Nyck de Vries abermals eine "bittere Pille" schlucken und war nach dem Rennen entsprechend angefressen.

De Vries war bereits zum dritten Mal in seiner Rookie-Saison in die Super-Pole gefahren und qualifizierte sich als Vierter für den E-Prix. Nachdem er sich in der Startrunde auf den dritten Platz nach vorn geschoben hatte, warf ihn eine frühe Durchfahrtsstrafe, weil er bei fast voller Batterie zu viel Energie rekuperierte und somit gegen den "Batterie Software Implementation Guide" von Batterie-Hersteller McLaren verstieß - ein technischer Fehler, für den er nichts konnte.

Mercedes wies den Niederländer an, die Strafe direkt abzusitzen, was ihn ans Ende des Feldes zurückwarf. Von dort aus kämpfte er sich Schritt für Schritt wieder nach vorn und beendete das Rennen schließlich auf Position 11.

Während de Vries' Ausfall in Mexiko zum größten Teil auf seine eigene Kappe ging - wenngleich auch hier das Auto nicht so bremste, wie es sollte - verlor der amtierende Formel-2-Champion in Marrakesch schon zum zweiten Mal ein potenzielles Topergebnis durch einen Fehler seines Teams. Bereits in Santiago hatte de Vries die Ziellinie als Dritter überquert, bekam jedoch wegen eines Batteriekühlungsfehlers eine nachträgliche Strafe und verlor so sein erstes Formel-E-Podium.

Mercedes muss viele kleine Fehler abstellen

Im Laufe des Wochenendes sammelte Mercedes noch vier (!) weitere Strafen. Zwar befinden sich die "Silberpfeile" noch in ihrer ersten Saison als Werksteam. Trotzdem muss der Rennstall die vielen kleinen Fehler so schnell wie möglich abstellen, wenn er um den Formel-E-Titel mitkämpfen will. Wie teuer ein Fauxpas werden kann, hat de Vries zum wiederholten Male am eigenen Leib erfahren müssen.

"Starke Quali, starkes Rennen, keine Punkte", so das ernüchternde Fazit des Niederländers via Twitter. "Das hätte ein einfaches Podium werden können, aber wir haben es nicht geschafft. Ein dummer Fehler bei der Rekuperation hat mir eine Durchfahrtsstrafe eingebracht. Das werden wir uns auf jeden Fall noch einmal genau ansehen, um es in der Zukunft zu vermeiden."

Trotz seines Frusts versucht de Vries, das Gute im letztlich verkorksten Marrakesch E-Prix zu sehen: "Es gibt viel Positives, dass wir von diesem Wochenende und aus diesem Rennen mitnehmen können. Angefangen mit unserer starken Performance im Qualifying bis hin zu einem guten Start. Im Rennen war unser Paket sehr stark." Nach seiner Strafe habe er eine sehr starke Aufholjagd hingelegt. "Unter normalen Umständen hätten wir damit sicherlich auf das Podium fahren können. Das ist sehr schade, aber es überwiegen dennoch die positiven Aspekte", so de Vries.

Teamchef James erklärt Kontrollsoftware-Fehler

Mercedes-Teamchef Ian James gibt zu: "Heute war nicht unbedingt einer unserer besten Tage. Nyck erhielt eine Durchfahrtsstrafe, weil zu viel Energie rekuperiert und damit das erlaubte Limit überschritten wurde. Das war absolut nicht sein Fehler und hat ihn um ein viel besseres Ergebnis gebracht, das er heute verdient gehabt hätte."

"Der Grund dafür scheint ein Problem mit der Kontrollsoftware des Motors gewesen zu sein, aber das müssen wir noch genauer untersuchen, um exakt zu verstehen, was passiert ist", erklärt James. "Denn wir haben zwischen den Freien Trainings und dem Rennen nichts daran verändert. Wir beginnen umgehend, das Problem zu untersuchen und eine Lösung zu finden."

Zum Zeitpunkt der Boxendurchfahrt meint der Brite: "Es war richtig, die Strafe sofort anzutreten, nachdem wir darüber informiert wurden. Dadurch hat Nyck 18 Sekunden verloren. Sein Rückstand von 20 Sekunden im Ziel zeigt, was für eine großartige Pace er heute hatte. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, dass Stoffel ihn passieren lassen sollte. Schlussendlich kam er bis auf Platz 11 nach vorne", erklärt James die Mercedes-Stallregie, die im TV nicht zu sehen war.

Stoffel Vandoorne "nie auch nur ein bisschen bei der Pace"

Für Vandoorne verlief das Rennwochenende auf dem Circuit International Automobile Moulay El Hassan nämlich gar nicht rund. Der Belgier hatte mit dem Auto zu kämpfen und ging nur von Startplatz 17 ins Rennen. Nach 34 Rennrunden überquerte er die Ziellinie auf Position 15. Eine herbe Enttäuschung nach seinem starken Saisonstart und der nächste Rückschlag nach dem späten Unfall in Mexiko.

"Mir fehlte das gesamte Wochenende über die Pace", erklärt Vandoorne. "Wir hatten im ersten Training ein paar Probleme, aber heute fühlte sich das Auto besser an. Mir fehlte aber trotzdem noch etwas das Vertrauen. In der ersten Qualifying-Gruppe habe ich dann leider nicht alles perfekt auf die Reihe bekommen. Alles in allem war es ein sehr schwieriges Wochenende für mich."

"Ich hatte in jeder Session Schwierigkeiten und war nie auch nur ein bisschen bei der Pace dabei", so der Ex-F1-Pilot weiter. "Das ist sehr merkwürdig, weil mir das zum ersten Mal passiert ist. Jetzt muss ich verstehen, woran das gelegen hat. Derzeit kenne ich den Grund dafür noch nicht. Wir haben mit dem Auto alles Mögliche ausprobiert, es aber nicht geschafft, mehr aus ihm herauszuholen. Wenigstens konnte Nyck an diesem Wochenende eine normale, solide Pace zeigen. Nun erwartet uns glücklicherweise eine lange Pause, um all das zu analysieren."

Teamchef James resümiert: "Aus dem heutigen Rückschlag können wir viel lernen. Wir müssen unsere eigenen Fehler abstellen, damit sich die entscheidenden Momente dort abspielen, wo sie hingehören: auf der Rennstrecke. Jetzt werden wir alles geben und uns bis zum nächsten Rennen wieder formieren." Nach dem fünften Saisonlauf belegt Mercedes mit 56 Punkten den fünften Platz in der Teamwertung. Die nächste Station im Rennkalender ist der Rom E-Prix am 4. April.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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