Roborace-DevBot-2.0-Car

DevBot 2.0 statt Roboter-Auto: Roborace erst ab 2021 fahrerlos

Roborace, die planmäßig erste autonome Rennserie der Welt, wird in ihrer ersten Saison nun wohl doch teilweise mit einem Fahrer hinter dem Lenkrad starten. Das bestätigten die Verantwortlichen der Roboter-Serie am Freitag. Wie 'e-Formel.de' bereits im September berichtete, wird Roborace in den geplanten Rennen stattdessen auf eine Kombination aus menschlichen Rennfahrern und der Fahrzeug-KI setzen, die nach einem Boxenstopp die zweite Hälfte der Rennen übernehmen soll.

"Wir haben unseren Plan geändert", erklärt Roborace-CEO und Audi-Formel-E-Fahrer Lucas di Grassi die Entscheidung bei 'Motorsport.com'. "Die anfängliche Idee war, es in Saison 1 mit dem Robocar zu versuchen. Allerdings wird der Unterschied zwischen menschlichem und autonomem Fahren deutlich eindrucksvoller, wenn ein Pilot aus dem Fahrzeug aussteigt und das Auto anschließend allein weiterfährt."

"Viel wichtiger ist aber, dass Motorsport eine menschliche Komponente braucht. Es soll auch bei uns um Menschen und ihre Maschinen gehen", so di Grassi weiter.

In der ersten Roborace-Saison wird daher nicht das 2017 vorgestellte Robocar zum Einsatz kommen, sondern vorerst eine überarbeitete Version des DevBot-Testfahrzeugs. Der "DevBot 2.0" wird demnach in den ersten zwei Probe-Saisons, genannt "Alpha" und "Beta", eingesetzt, ehe die Rennserie ab 2021 mit einem "Full Release" und einer weiteren Fahrzeuggeneration in ihre erste tatsächliche Saison starten will.

Der finale Roborace-Renner, der "wie ein Sohn vom Robocar und DevBot" auf den aktuellsten technischen Stand gehoben werden soll, könnte nach di Grassis Vorstellungen mit vier E-Motoren und erlaubter Drehmomentverteilung beeindruckende 1.000 kW (1.341 PS) auf die Straße bringen. Anders als das bisherige Robocar, das sich durch sein aggressives Design und ein fehlendes Cockpit auszeichnet, soll allerdings auch im 2021er-Modell ein Fahrer Platz nehmen können.

Produktion des DevBot 2.0 hat bereits begonnen

Derzeit arbeite die Firma an "sechs oder sieben" DevBot-2.0-Fahrzeugen, die womöglich auch im Rahmenprogramm der Formel-E-Wochenenden in der anstehenden Saison 2018/19 auf den Prüfstand gestellt werden könnten.

Im Mai 2018 testeten Teams der Technischen Universitäten aus Pisa und München im Rahmen des Berlin E-Prix erstmals im direkten Vergleich eigens programmierte Software auf der Rennstrecke. Auch in der ersten Roborace-Saison sei ein derartiges Format, in dem sich Hochschul-Rennställe an der Serie beteiligen, möglich. Zwei Teams haben sich bereits für die Rennserie eingeschrieben, heißt es. Hinzu kommt ein Open-Source-Team, an dem sich die breite Öffentlichkeit beteiligen darf.

Ursprünglich wurde Roborace als Rennserie für selbstfahrende Fahrzeuge mit Level-5-Autonomie vorgestellt. Das spektakuläre Fahrzeug, das zuletzt im Spätsommer beim renommierten "Festival of Speed" im englischen Goodwood Aufsehen erregte, wurde von Daniel Simon designt und sollte laut dem ursprünglichen Plan bereits in diesem Jahr an den Roborace-Events teilnehmen.

Kommentar von Tobias Bluhm

Roborace, die Rennkategorie, die einst als ach-so-spektakuläres Konzept für autonome Rennfahrzeuge vorgestellt wurde, entwickelt sich immer weiter zur kommunikativen Farce. Als wären die ständigen Terminverschiebungen nicht schon frustrierend genug, setzt das geplante Rennformat im "Halb Mensch, halb Maschine"-Modus der sprichwörtlichen Torte endgültig die Kirsche auf. Denkt man an die reißerischen Titel von Pressemitteilungen zurück, in denen Roborace vor gar nicht allzu langer Zeit als weltweit erste Serie für vollkommen autonome Fahrzeuge präsentiert wurde, kann man bei der heutigen Meldung nur müde lächeln.

Selbstverständlich ist es immer noch überragend, dass es inzwischen Wege und Mittel gibt, um Fahrzeuge ohne einen Fahrer auf Rennstrecken Kreise fahren zu lassen - dass das möglich ist, hat der Lauf in Goodwood ja bereits gezeigt (es lebe die Technologie!). Aber mit dem, was Roborace uns ursprünglich versprochen hat, hat die Serie inzwischen nicht mehr viel zu tun. Schade!

von Tobias Bluhm  

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