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Di Grassi über Meister-Duell mit Vergne: "Es wird richtig hart, ihn zu schlagen"

Mit seinem zweiten Saisonsieg am Samstag in Berlin-Tempelhof hat Lucas di Grassi im Kampf um die Fahrermeisterschaft der Formel E einen wichtigen Schritt gemacht. Der Brasilianer rückte mit einer fehlerfreien Leistung auf den zweiten Gesamtrang vor und liegt drei Rennen vor Saisonschluss nur noch sechs Punkte hinter Spitzenreiter Jean-Eric Vergne. Vieles deutet aktuell auf ein Duell der Giganten hin: Di Grassi und Vergne sind die einzigen Fahrer, die bereits zwei Saisonsiege einfahren konnten, und beide wissen, wie man Formel-E-Meister wird…

"Jev ist ein großartiger Fahrer. Es ist super talentiert und fährt seit Anfang an in der Formel E", lobt di Grassi seinen DS-Konkurrenten gegenüber 'e-Formel.de'. "Er weiß genau, wie es läuft, ist extrem schnell und hat dieses Jahr ein richtig starkes Auto. Es wird also richtig hart, ihn zu schlagen."

"Ich denke aber, dass es auf jeden Fall im Bereich des Möglichen liegt", erklärt der Audi-Fahrer weiter. "Wir werden unser Bestes geben und hoffen, dass wir von heute an bis zum zweiten New-York-Rennen (14. Juli) noch insgesamt sechs Punkte mehr als er erzielen werden."

Neben Meister Vergne hat di Grassi allerdings noch einige weitere Titelkandidaten auf dem Radar: "Es gibt immer noch fünf oder sechs Fahrer… Eigentlich sind alle, die bisher Siege einfahren konnten, noch voll im Rennen um den Titel. Von Andre (Lotterer) auf Platz 3 bis zum achten Platz oder so kämpfen immer noch alle mit. Es werden also voraussichtlich mehr als zwei Fahrer sein, die mit der Chance nach New York reisen, den Titel zu gewinnen."

Seine souveräne Siegesfahrt in Berlin analysiert di Grassi wie folgt: "Ich war in der Anfangsphase relativ aggressiv und habe ein bisschen mehr Energie genutzt, um Stoffel (Vandoorne) und Seb (Buemi) überholen zu können. Danach ging es vor allem um Energiemanagement. Ich habe versucht, eine Lücke herauszufahren und unser Energieziel im Blick zu behalten. Das hat ziemlich gut funktioniert. Wir hatten ein gutes Auto, und ich habe keine Fehler gemacht. Also bin ich natürlich super glücklich mit dem Ergebnis."

Vergne will "Computer abfackeln", ist aber zufrieden mit Platz 3

"Es hat echt Spaß gemacht", resümiert Vergne nach dem Rennen. Trotzdem sei nicht alles optimal gelaufen auf dem Flughafenkurs von Tempelhof: "Ich habe zunächst viel Energie gespart, und dann wurde es (durch die Full-Course-Yellow-Phase) zu einem Vollgas-Rennen." Sein Energievorteil war damit dahin. "Darüber hinaus hatte ich keine Kommunikationsmöglichkeit mit meinem Ingenieur, weil er ein Problem mit seinem Computer hatte. Schon wieder. Ich glaube, ich werde jetzt erst mal alle Computer in der Box abfackeln."

Alles in allem spricht Vergne dennoch von einer "guten Aufholjagd" - gerade mit Blick auf das Freie Training am Freitag. "Gestern war ich mehr als eine Sekunde zurück und hatte ein massives Problem mit dem Auto, das wir den ganzen Tag über nicht finden konnten - erst letzte Nacht. Ich wusste also, dass das Qualifying schwierig würde. Am Ende war ich deshalb ganz zufrieden mit meinem Startplatz innerhalb der Top 10."

Im Rennen hielt sich Vergne zunächst aus den Duellen der Fahrer vor ihm heraus und sparte Energie. "Dann habe ich mich für 'volle Attacke' entschieden und vier, fünf, sechs Leute vor mir binnen weniger als vier Runden überholt - das hat dann richtig Bock gemacht. Ich wünschte, es hätte die Full-Course-Yellow-Phase nicht gegeben. Trotzdem bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis heute. Wir haben das Maximum herausgeholt. Ich verlasse eine Rennstrecke immer gern im Bewusstsein, dass wir das bestmögliche Ergebnis erreicht haben. Ich konnte meine Führung in der Meisterschaft noch ein bisschen weiter ausbauen, also war es ein guter Tag."

Ob sich der Titelkampf zwischen Lucas di Grassi und Jean-Eric Vergne weiter zuspitzt, oder abermals andere Fahrer ihre Ansprüche auf die Meisterschaft anmelden, erfahren wir beim Swiss E-Prix in Bern am 22. Juni. Bis dahin dürfen wir uns auf ein episches Duell zweier Formel-E-Giganten freuen.

Foto: Audi Communications

von Timo Pape 

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