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Dragon erlebt schwächste Formel-E-Saison der Teamgeschichte, Sette Camara überzeugt

Es war nicht das Jahr des Drachen: Geox Dragon beendete die Formel-E-Saison 2019/20 mit mageren zwei Meisterschaftspunkten auf dem vorletzten Rang der Teamwertung. Nach der Vizemeisterschaft in Saison 1 belegt das Ergebnis im sechsten Jahr der US-Amerikaner nicht nur den kontinuierlichen Abstieg Dragons, sondern auch einen Tiefpunkt. Einer konnte dennoch überzeugen.

Dragon startete beim "Double-Header" in Diriyya mit zwei neuen Fahrern - Nico Müller und Brendon Hartley - sowie einem überarbeiteten eigenen Antriebsstrang halbwegs vielversprechend in die Saison. Hartley kämpfte sich im zweiten Rennen zahlreiche Positionen nach vorn, profitierte dabei von einigen Ausfällen sowie Strafen gegen die Konkurrenz und holte schließlich als Neunter zwei Punkte. Es sollten die einzigen beiden Zähler und gleichzeitig das beste Ergebnis der Saison bleiben.

In den nächsten Rennen zeigte sich jedoch, dass Dragon nicht mit der Konkurrenz Schritt halten konnte. Teambesitzer Jay Penske hatte es im Vorfeld der Saison versäumt, fristgerecht einen Kundenmotor zu kaufen und war demnach ein weiteres Jahr auf das ohnehin schon schwache Saison-5-Paket angewiesen, wenngleich der Hersteller einige Komponenten überholte.

Sportlich gibt es mit Blick auf die erste Saisonhälfte sonst nicht viel zu erzählen. Weder Hartley noch Müller schafften es, mit dem - zumindest im Rennmodus - nicht wettbewerbsfähigen Dragon gute Ergebnisse einzufahren. Zudem fehlte das nötige Glück. In der Corona-Pause verließ überraschend Brendon Hartley das Team, um sich voll und ganz auf die WEC zu konzentrieren. An seiner Stelle beorderte Dragon seinen offiziellen Ersatzfahrer Sergio Sette Camara für den "Sixpack" von Berlin.

Sette Camara empfiehlt sich durch Quali-Pace & steile Lernkurve

Der junge Brasilianer sollte bei den sechs Rennen in Tempelhof einen guten Eindruck hinterlassen. Als Rookie entschied er das Qualifying-Duell gegen Teamkollege Müller mit 4:2 für sich. Dabei stellte er seinen E-Rennwagen bei den letzten beiden Läufen sogar zweimal auf Startplatz 9 - das beste Qualifying-Ergebnis der Saison für die "Drachen". Im Rennen nahmen sich die Dragon-Piloten nichts: Beide landeten dreimal vor dem jeweils anderen.

Bemerkenswert ist dabei die Lernkurve, die Sette Camara innerhalb von neun Tagen durchlebte. Obwohl er fünf Formel-E-Rennen weniger als Müller bestritten hatte, fuhr er schon bald auf Augenhöhe mit dem Schweizer und verbesserte sich von Lauf zu Lauf. Sette Camara hat sich durch seine Leistungen für ein Stammcockpit in Saison 7 empfohlen und dürfte bei der Fahrerwahl Penskes eine Rolle spielen.

Schwierige Saison für Nico Müller

Für Müller sollte es nicht so recht klappen. Der 28-Jährige war nach seinen beeindruckenden Testauftritten für Audi - den Rookie-Test 2019 dominierte er mit einem neuen Streckenrekord - mit breiter Brust in die Formel E gekommen und hatte gewisse Erwartungen geschürt. Sein unbestrittenes Talent blitzte immer mal wieder auf, doch über den Saisonverlauf gesehen schien Müller mit dem Dragon-Fahrzeug nicht optimal zurechtzukommen.

Am Ende blieb der Schweizer ohne jeden Punkt und dürfte es aufgrund fehlender Highlights, wie sie etwa Max Günther vormals im unterlegenen Dragon hatte setzten können, mit Blick auf nächstes Jahr schwer haben. "Es war eine harte Saison, aber ich bin dankbar für all die Lektionen, die ich gelernt habe", resümiert Müller kurz und knapp via Twitter.

Startet Dragon in Zukunft als Kundenteam?

Mit welchem Paket Dragon in die nächste Saison starten wird, ist noch unklar. Die Chance ist nach dem schwachen sechsten Formel-E-Jahr jedoch nicht kleiner geworden, dass Dragon 2021 zum Kundenteam wird. Zu groß ist inzwischen die Kluft zwischen den großen Automobilherstellern, die viel mehr Ressourcen haben und deutlich schneller Fortschritte erzielen können, und dem Privatteam aus Los Angeles. Als potenzielle Partner bieten sich einige Hersteller an, die in Saison 6 einen guten Antriebsstrang hatten. Favorit dürfte aktuell der Meisterantrieb von DS Performance sein.

Wenn sich Dragon künftig nur noch auf die Software und Fahrzeugabstimmung konzentrieren müsste, wäre ein großer Sprung binnen weniger Monate vorstellbar. Denn genau so holte das Team einst die Vizemeisterschaft…

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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