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Erneut auf Augenhöhe mit den Werksteams? - Envision Virgin Racing

Heute steht bereits der neunte Teil unserer großen Teamvorstellungsrunde auf e-Formel.de an, und es geht um das schnellste Kundenteam der Formel E: Envision Virgin Racing.

Die Truppe aus London ist eines der erfolgreichsten Teams in der bisherigen Formel-E-Geschichte. Nachdem Virgin die Debütsaison auf dem fünften Platz abschloss, steigerte man sich in den beiden folgenden Saisons um jeweils einen Rang, fiel in der vierten Saison aber wieder auf Platz 4 zurück. In den Saisons 2 bis 4 trat das Team mit Antriebssträngen der zu Citroen gehörenden Marke DS Automobiles unter dem Namen "DS Virgin Formula E Team" an. Virgin war trotzdem weiterhin Inhaber der Konstrukteurslizenz.

Nachdem sich die Wege von DS und Virgin getrennt hatten, schloss das Team einen Vertrag mit Audi und bezog fortan Kundenmotoren aus Ingolstadt. Außerdem übernahm der chinesische Windkraftanlagenhersteller Envision die Mehrheit am Team und benannte es in "Envision Virgin Racing" um. Robin Frijns wurde neuer Teamkollege von Bird, der erstmals in der Gesamtwertung einem Teamkollegen unterlag. Frijns gewann zwei Rennen und wurde Gesamtvierter, während Bird die Saison mit einem Sieg auf Platz 9 beendete. Gemeinsam erreichten sie Platz 3 in der Teamwertung. Als einziges Team neben ABT/Audi hat Virgin in jeder der bisherigen fünf Saisons mindestens ein Rennen gewonnen. Teamchef ist Sylvain Filippi.

Der 38-Jährige gehört seit Januar 2014 zum Team. Er war zunächst mehr als vier Jahre lang Technikchef, bevor er nach dem Abgang des damaligen Teamchefs Alex Tai dessen Aufgaben als Managing Director mit übernahm. Filippi schloss sein Wirtschaftsstudium 2003 an der Ecole Superieure des Sciences Commerciales d'Angers (ESSCA) ab, einer der angesehensten Lehranstalten für Wirtschaft in Frankreich. Seine Leidenschaft für Autos führte ihn in die Automobilindustrie, wo er zunächst als Marketing-Assistent bei BMW arbeitete. Nach einem halben Jahr wechselte er zu DaimlerChrysler, wo er vom regionalen Verkaufsmanager zum Produktmanager aufstieg.

2007 wechselte Filippi als Account Manager zur Management-Beratungsfirma Frost & Sullivan mit Sitz in Kalifornien, wo er erstmals mit Elektroautos in Berührung kam. Anschließend wurde er Mitbegründer des EV-Cup, der ersten rein elektrischen Rennserie der Welt. Der für 2011 anvisierte erste Rennlauf fand jedoch nie statt. Wegen Problemen bei der Produktion der Rennwagen wurde er zunächst verschoben, dann wurde es ruhig um das Projekt. Filippi blieb noch zwei Jahre beim Unternehmen, heuerte dann aber bei Virgin an, nachdem das Team die Zusage zur Teilnahme an der Formel E erhalten hatte.

Virgin startet auch in der Saison 2019/20 als Kundenteam und setzt den Audi e-tron FE06 ein. Das Fahrzeug ist in Lila, Silber und Rot lackiert. Neben Mehrheitseigner Envision werben auch der US-amerikanische Motorradhersteller Harley Davidson und Genpact auf dem Wagen.

Fotos: Jamie Sheldrick, Lou Johnson, Shivraj Gohil / Spacesuit Media

Envision Virgin Racing setzt auf eine der am stärksten eingeschätzten Fahrerpaarungen im gesamten Starterfeld: Sam Bird bestreitet bereits seine sechste Saison für das Team, Robin Frijns seine zweite.

Sam Bird (#2, Großbritannien)

Sam Bird ist eines der Schwergewichte in der Formel E - jedenfalls was seine Leistungsfähigkeit angeht. Als einer von nur vier Fahrern bestritt er jedes Rennen der ersten fünf Saisons. Dabei gewann er in jedem Jahr mindestens ein Rennen - das kann sonst nur Lucas di Grassi von sich behaupten. Bird schloss alle Saisons unter den ersten Zehn ab. Sein größter Erfolg war der dritte Platz in Saison 3.

Bird ist seit 2004 im Formelsport aktiv. Er bestritt zunächst die Britische Formel BMW, wo er 2005 Vizemeister wurde. Über die Britische Formel Renault kam er in die Britische Formel 3. Beide Saisons schloss er auf dem vierten Gesamtrang ab. Bird wechselte anschließend in die Formel-3-Euroserie und danach in die GP2, wo er in seiner Debütsaison das Rennen in Monza gewann und am Saisonende Fünfter wurde. Außerdem pilotierte er bei den Young-Driver-Days - damals offizielle Testfahrten der Formel-1-Teams für Nachwuchspiloten - den Rennwagen des Mercedes-Teams, mit dem Michael Schumacher und Nico Rosberg die Saison bestritten. Es war jedoch nicht seine erste Fahrt hinter dem Lenkrad eines Formel-1-Boliden: Bereits 2007 hatte er Aerodynamik-Tests für Williams absolviert.

Im folgenden Jahr blieb Bird in der GP2 und wurde am Saisonende Sechster. Er wechselte daraufhin in die Formel Renault 3.5, wo er mit zwei Siegen Dritter in der Gesamtwertung wurde. Außerdem testete er erneut für Mercedes in der Formel 1. 2013 wechselte er zurück in die GP2, wo er mit fünf Saisonsiegen Vizemeister hinter Fabio Leimer wurde. 2014 ging er in den Langstreckensport und bestritt zwei Rennen der WEC in einem Ferrari des Teams AF Corse. Außerdem wurde er bei Virgin Racing Stammfahrer für die neu gegründete Formel E. Dies war jedoch kein Vollzeitengagement für Bird, der parallel weiterhin die WEC bestritt - 2015 in einem Ginetta LMP2, danach wieder in einem GT-Ferrari. Sein größter Erfolg war hier der zweite Platz in der Gesamtwertung der Saison 2016.

Sam Birds Statistik in der Formel E:

  • 58 Rennen
  • 541 Punkte
  • 8 Siege
  • 17 Podien
  • 5 Pole-Positions
  • 5 Schnellste Rennrunden
  • 4 FANBOOSTs

Robin Frijns (#4, Niederlande)

Robin Frijns ist in der Formel E kein Unbekannter. Er startete bereits in Saison 2 und Saison 3 für Andretti, verlor seinen Platz aber im Zuge der Andretti-Kooperation mit BMW, da er neben seinem Formel-E-Engagement im GT-Sport für Audi fuhr. Unvergessen ist sein dritter Platz in Putrajaya 2015, wo er sein Fahrzeug nach einem Kontakt mit der Betonmauer drei Runden vor Rennende mit beschädigter Hinterradaufhängung ins Ziel rettete und dabei auch noch das Podium erreichte. In seiner Comeback-Saison 2018/19 gewann er mit Virgin zwei Rennen und wurde am Saisonende Meisterschaftsvierter.

2009 debütierte Frijns im Formelsport und wurde Dritter in der Europäischen Formel BMW, bevor er im Folgejahr den Meistertitel gewann. Er wechselte in den Formel Renault 2.0 Eurocup und wurde auch hier Champion. Es folgte der Aufstieg in die Formel Renault 3.5, wo Frijns erneut direkt den Titel gewann - vor Jules Bianchi und Sam Bird. Damit zog er die Aufmerksamkeit der Formel-1-Teams Red Bull und Sauber auf sich, testete für beide und wurde von Sauber als offizieller Testfahrer verpflichtet. Frijns trat 2013 in der GP2-Serie an, bestritt wegen Budgetmangels jedoch nur einzelne Rennen. So wurde er trotz eines Sieges in Barcelona nur 15. in der Gesamtwertung. Ein Jahr später nahm ihn das Formel-1-Team Caterham als Testfahrer unter Vertrag.

Im folgenden Jahr wechselte Frijns in den GT-Sport, wo er mit Audi Vizemeister der Blancpain Sprint Series wurde. Er bestritt anschließend GT-Rennen in verschiedenen Serien, trat parallel aber auch in der Formel E für Andretti an. Nach seinem Ausscheiden bei Andretti bestritt er 2018 die DTM für Audi und belegte mit zwei zweiten Plätzen als bestes Resultat Rang 13 in der Fahrerwertung. 2019 blieb er bei Audi und wurde mit fünf Podestplätzen am Saisonende Fünfter.

Robin Frijns' Statistik in der Formel E:

  • 35 Rennen
  • 175 Punkte
  • 2 Siege
  • 5 Podien
  • 0 Pole-Positions
  • 0 Schnellste Rennrunden
  • 0 FANBOOSTs

Erfahre schon bald in der zehnten Folge der großen Teamvorstellungsreihe auf e-Formel.de alles über das Audi Sport ABT Schaeffler Formula E Team!

von Tobias Wirtz 

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