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Für Saisons 7 & 8: Formel E passt Homologationsprozedur für neue Antriebe an

Um bei den durch die COVID-19-Pandemie finanziell angeschlagenen Formel-E-Herstellern Kosten einzusparen, hat die FIA beschlossen, dass die Konstrukteure für die Saisons 7 und 8 nur einen neuen Antrieb homologieren dürfen. Der ursprüngliche Plan, nach dem Hersteller einen neuen Antrieb entweder zum Beginn von Saison 7 im Januar 2021 oder zum Beginn von Saison 8 einführen dürfen, wurde jedoch verworfen. Stattdessen gibt es für die Hersteller nun drei verschiedene Optionen.

Maßgeblich für diese Entscheidung war einem Bericht von 'The Race' zufolge, dass diverse Firmen, die als Zulieferer im Motorsport-Bereich arbeiten, aufgrund des "Lockdowns" mehrere Monate lang ihre Produktionshallen schließen mussten und somit in Rückstand gerieten. Bei vielen dieser Zulieferer, hauptsächlich in Deutschland und Großbritannien, liegt die Priorität nach Wiederaufnahme des Betriebs derzeit auf der Formel 1. Die Herstellung von Teilen für die Formel-E-Hersteller liegt deshalb aktuell auf Eis, was den Zeitplan für eine Homologation der Antriebe vor der 7. Saison gefährdet.

Die Rennserie wich mit den im Frühjahr beschlossenen Maßnahmen von ihrem bisherigen Kurs ab, dass Hersteller für jede Saison einen neuen Antrieb homologieren dürfen. Das Ziel dahinter war klar: Für die beiden kommenden Saisons sollten nur einmalig Entwicklungskosten anfallen. Eine weitere Kostenersparnis lieferte der Verzicht auf das zuvor angekündigte Gen2-EVO-Update. Eine Verschiebung um eine Saison, wie zunächst in Erwägung gezogen, wurde so endgültig ad acta gelegt.

"Gen2-EVO ist damit tot", so ein Ingenieur eines Formel-E-Herstellers zu 'e-Formel.de'. "Dadurch, dass wir bereits zum Beginn von Saison 7 unseren neuen Antrieb bringen, hätten wir keine Möglichkeit, mit dem Gen2-EVO Testfahrten durchzuführen." Anders als vielerseits vermutet, handelt es sich dabei nämlich um mehr als ein rein optisches Update der Fahrzeuge. "Das Problem ist die Batteriekühlung. Wir können ohne Testfahrten nicht beurteilen, ob diese mit dem neuen Paket in gleichem Umfang gewährleistet ist", so der Ingenieur weiter.

Drei Slots für Antriebshomologation in Saison 7

Slot 1: Renneinsatz ab Beginn von Saison 7 (Januar 2021): Mehrere Hersteller befinden sich in der Vorbereitung auf Saison 7, um beim Saisonauftakt in Santiago mit dem neuen Antrieb zu starten. Hier laufen bereits in Kürze die ersten Fristen ab: So muss laut der offiziellen Hersteller-Registrierungsprozedur der FIA etwa spätestens bis zum 4. Oktober 2020 ein Entwurf des Homologationsformulars mit Zeichnungen beim Automobil-Weltverband eingereicht werden. Vier Wochen später ist dann die Frist für das endgültige Formular, außerdem müssen bis dahin die Crashtests durchgeführt sein. In den folgenden beiden Wochen wird die Homologation geprüft und dem Hersteller bis zum 22. November 2020 das Ergebnis mitgeteilt.

Slot 2: Renneinsatz ab 5. April 2021: Sollte die Homologation für den Saisonauftakt in Santiago nicht rechtzeitig erfolgen, so haben die Hersteller die Möglichkeit, den neuen Antrieb ab dem ersten Europa-Rennen, also dem Rom E-Prix am 10. April 2021, einzusetzen. Der Entwurf des Homologationsformulars inklusive Zeichnungen muss in diesem Fall bis zum 20. Dezember 2020 bei der FIA eingereicht werden. Auch hier ist vier Wochen später die Frist für die Crashtestes und das endgültige Formular. Die Hersteller werden bis zum 14. Februar 2021 über die Ergebnisse der Homologationsprozedur informiert.

Slot 3: Renneinsatz ab 14. Juni 2021: Die dritte Option erlaubt es den Herstellern, ab dem elften Saisonrennen 2021 den neuen Antrieb zu verwenden. Debütieren darf dieser dann beim Berlin E-Prix, der laut Rennkalender am 19. Juni 2021 stattfinden wird. In diesem Fall haben die Hersteller bis zum 14. März 2021 Zeit, ihre Zeichnungen und das vorläufige Homologierungsformular einzureichen. Die Crashtests müssen bis zum 11. April durchgeführt werden, dann muss auch das endgültige Formular bei der FIA vorliegen. Die Hersteller werden dann bis zum 2. Mai über das Ergebnis unterrichtet.

Mindestens 5 Hersteller in Santiago mit neuem Motor, DS und Mercedes noch unentschieden

Nio 333 und Mahindra planen, in jedem Fall den ersten Slot zu verwenden. Für das chinesische Team gibt es aus sportlicher Sicht wohl kaum eine Alternative, als das Design der Elektromotoren und Inverter, die sie in der abgelaufenen Saison verwendeten, aufzufrischen. Beide Teile wurden im Vorfeld der Saison von Dragon Racing erworben, es handelt sich dabei um Komponenten, die beim Team von Jay Penske bereits in Saison 5 zum Einsatz kamen. Schwer vorstellbar, dass Nio in der nächsten Saison mit einem drei Jahre alten Antriebsdesign antreten wird.

Mahindra Racing wird einen von ZF Friedrichshafen neu entwickelten Antrieb einsetzen, nachdem das Team im Vorfeld der abgelaufenen Saison eine technische Partnerschaft mit dem Unternehmen einging. Beide Hersteller haben bereits Testfahrten absolviert und wollen noch in diesem Monat ihre Crashtests durchführen. BMW, Jaguar und Porsche wollen im Oktober ihre Crashtests absolvieren.

DS Techeetah hat 'The Race' zufolge noch nicht zu 100 Prozent entschieden, ob man Slot 1 nutzen wird. Bis zum Ende des Monats soll beschlossen werden, ob man möglicherweise zu Slot 2 wechselt. Auch bei Mercedes steht man vor der gleichen Entscheidung, bestätigt Teamchef Ian James: "Wir haben einen bevorzugten Plan A, und genau diesen streben wir an. Die ganze Situation mit COVID hat das Projekt für eine gewisse Zeit auf Eis gelegt, da in Brixworth alles auf die Entwicklung und Produktion von Beatmungsgeräten umgestellt wurde. Das hatte natürlich Auswirkungen auf unser Programm für Saison 7. Wir sind jetzt wieder auf Kurs. Plan A ist zwar eng, passt aber in den Zeitplan."

Mercedes hatte während der COVID-19-Pandemie in seiner Motoren-Fabrik in Brixworth, wo sonst die Antriebe für die Formel 1 und die Formel E vom Band laufen, Beatmungsgeräte entwickelt und produziert. Auf Anfrage der britischen Regierung hatte das Unternehmen - ähnlich wie andere in Großbritannien ansässige Formel-1-Teams - sich bereit erklärt, seine personellen und technischen Ressourcen im Kampf gegen die Pandemie zur Verfügung zu stellen.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Tobias Wirtz  

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