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Formel E: Bird entgeht Bestrafung nur knapp, doch erneut viele Strafen

Auch beim Santiago E-Prix haben die Rennkommissare der Formel E zahlreiche Strafen gegen Fahrer und Teams ausgesprochen. Einige davon kamen bereits vor dem Rennstart zum Tragen, anderen erst nach dem E-Prix.

Strafen nach dem Shakedown

  • Mehrere Strafen gab es schon nach dem Shakedown am Freitag: So musste Felipe Massa wegen Verstoßes gegen das Tempolimit in der Boxengasse 300 Euro zahlen. Der Brasilianer war mit 53 km/h erwischt worden, erlaubt sind maximal 50 km/h.
  • Pascal Wehrlein überschritt die maximal zulässige Energiemenge und wurde seinerseits mit 1.000 Euro zur Kasse gebeten: 112,62 statt 110 kW zeigten die im Fahrzeug angebrachten Sensoren an, die in Echtzeit Daten an die Rennleitung übertragen.
  • Außerdem musste BMW 500 Euro an die FIA überweisen, da nach dem Shakedown ein Teammitarbeiter mit einem roten Ausweis am Fahrzeug von Alex Sims arbeitete. In der Formel E ist die Anzahl der Mechaniker pro Team beschränkt. Rote Ausweise, die an Personen des Team-Managements ausgegeben werden, berechtigen den Träger zwar zum Zutritt zur Box, jedoch nicht dazu, Arbeiten am Fahrzeug vorzunehmen. Hierfür ist ein gelber Pass notwendig, von dem jedes nur 20 Stück erhält.
  • Weitere 1.500 Euro kostete es das Team, dass nach dem 1. Freien Training ein Mitarbeiter mit einem blauen Pass an einem der Computer im Ingenieursbereich der Box arbeitete. Auch dies ist nicht gestattet, ein blauer Pass berechtigt lediglich zum Zutritt zum Paddock und den Boxen.

Strafen nach dem Training

  • Nach dem 1. Freien Training musste dann NIO in die Tasche greifen, da bei beiden Fahrzeugen der "Implementation Guide" für die Batterie-Software nicht eingehalten wurde und die Rekuperation daher das erlaubte Maximum überschritt.
  • Die Dragon-Piloten Max Günther und Jose Maria Lopez erhielten hingegen eine Verwarnung, weil sie im 2. Freien Training die Schikane abgekürzt und dabei nicht angehalten hatten. Dies war jedoch vorgeschrieben und auch im Fahrerbriefing mitgeteilt worden.

Strafen im Rennen & nach Rennschluss

  • HWA-Pilot Gary Paffett erhielt eine Durchfahrtsstrafe, weil er während des Rennens zuviel Energie nutzte. Der "Datalogger" der FIA zeigte eine Leistung von 227,95 kW an, obwohl sich der Brite nicht im Attack-Mode befand. Paffett trat die Strafe in Runde 19 an, blieb aber trotzdem auf dem 17. und vorletzten Platz.
  • Die wohl schwerwiegendste Strafe war eine Durchfahrtsstrafe für Alexander Sims nach Rennende. Diese Strafe wurde in eine 19-Sekunden-Zeitstrafe umgewandelt, die Sims vom dritten auf den siebten Platz zurückwarf. Er hatte Edoardo Mortara in der Schikane (Kurve 9) angeschoben, sodass sich dieser drehte. BMW legte nach dem Rennen Protest gegen die Entscheidung ein, dieser Protest wurde jedoch zurückgewiesen und die Strafe bestätigt.
  • Jose Maria Lopez erhielt ebenfalls eine nachträgliche Durchfahrtsstrafe, die in eine 19-Sekunden-Zeitstrafe umgewandelt wurde, weil er 212,19 kW Energie verbraucht hatte. Der Argentinier fiel somit auf den neunten Rang zurück. Ohne die Strafe wäre er Siebter geworden. Dennoch die ersten Saisonpunkte für Dragon.
  • Lucas di Grassi erhielt für das Anschieben von Jose Maria Lopez in der Zielkurve eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe und drei Strafpunkte. Da auch diese nachträglich ausgesprochen wurde, wurden 34 Sekunden auf die Rennzeit des Audi-Piloten addiert. Statt eines achten Platzes mit vier Punkten blieb am Ende nur Rang 12.
  • Andre Lotterer erhielt nachträglich eine Zeitstrafe von fünf Sekunden, da er trotz gelber Flaggen Lucas di Grassi überholt hatte. Die Rennkommissare hielten dem DS-Piloten dabei zugute, dass er der Kollision zwischen di Grassi und Lopez ausweichen wollte.
  • Jerome d'Ambrosio erhielt ebenfalls eine Zeitstrafe von fünf Sekunden, da er bei der Full-Course-Yellow acht Sekunden benötigte, um die Geschwindigkeit auf 50 km/h zu verringern. Dies kostete den Belgier die Führung in der Gesamtwertung, da er von Platz 8 auf Platz 10 zurückgeworfen wurde.
  • Auch Jean-Eric Vergne erhielt die gleiche Strafe, weil er fünf Sekunden brauchte, die Geschwindigkeit anzupassen. Da er das Rennen nicht beendete, blieb dies ohne Auswirkung für ihn.

Rennsieger Sam Bird entging einer nachträglichen Strafe nur knapp. Offensichtlich befand sich sein Virgin-Renner beim offiziellen Wiegen so dicht am Gewichtslimit, dass die Rennkommissare eine Untersuchung einleiteten. Kurz darauf folgte aber die Entwarnung: alles legal. Bird durfte seinen Sieg behalten.

von Tobias Wirtz  

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