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Formel E: Fahrer kritisieren Attack-Mode, FIA verspricht Verbesserung für Marrakesch

Der neue Attack-Mode der Formel E war beim ersten Rennen der neuen Saison in Diriyya das große Thema. Die Fahrer nahmen das neue "Mario Kart"-Feature vor allem mit Skepsis auf. Mehreren Piloten bereitete die verpflichtende Aktivierung, die ihnen erstmals in Saudi-Arabien zweimal für je 240 Sekunden 25 kW Extraleistung bescherte, erhebliche Probleme. Sie beschwerten sich über einen nicht ausreichenden Zuwachs an Leistung, um Überholmanöver tatsächlich realisieren zu können. Die FIA verspricht bereits Verbesserungen am System für das nächste Rennen in Marokko.

"Im Moment ist der Attack-Mode eher der Verlierer-Mode", schimpft Audi-Fahrer Daniel Abt im Interview mit 'e-Formel.de'. "Derzeit ist das Ganze noch nicht gut gelöst. Die 25 kW reichen nicht aus zum Überholen, gerade weil wir in diesem Jahr ohnehin schon fast ohne Lifting auskommen und das ganze Rennen so gut wie Vollgas fahren. Hinzu kommt, dass die Aktivierungszone nicht richtig markiert ist. Man weiß nie, ob man nun drin ist oder nicht, und verliert, so wie ich im Rennen, bei jeder Aktivierung einen Platz."

In Diriyya platzierte die Rennleitung die sogenannte "Attack-Zone" hinter eine enge Rechtskurve am Start der längsten Geraden der Strecke. Zur Aktivierung mussten die Fahrer eine andere Linie für die Kurve wählen, durch die sie viel Schwung für die Gerade und somit Zeit verloren. Im Schnitt kostete die Aktivierung eine bis zwei Sekunden. Teilweise verloren die Piloten auch Positionen an ihre Konkurrenten.

Folglich nutzten einige Fahrer den Attack-Mode bei Überholverbot hinter dem Safety-Car in der Schlussphase des Rennens, um die verpflichtende Aktivierung abzuhaken und keine Positionen einzubüßen. Auch Abt aktivierte seinen zweiten 25-kW-Schub hinter dem Safety-Car.

Di Grassi fordert Attack-Mode-Aktivierung in der Boxengasse

"Der Attack-Mode hilft strategisch nur kaum", meint auch Abts Teamkollege di Grassi. "Hier in Diriyya ist der Modus eindeutig ein Nachteil gewesen, weswegen ich versucht habe, den Attack-Mode hinter dem Safety-Car loszuwerden. Ich habe es der Rennleitung schon zigmal erklärt, dass wir mehr Leistung brauchen, zum Beispiel 250 kW insgesamt, damit der Attack-Mode zu einer brauchbaren Überholhilfe wird."

"Ich kann mir auch vorstellen, dass man die Aktivierungszone in die Boxengasse verlegen könnte", so di Grassi weiter. "Im Moment verliert und gewinnt man jedenfalls im besten Fall eine Position. Das ist zu wenig."

Auch in anderen Teams war der Ärger über den Attack-Mode groß, wenngleich sich die Fahrer nach dem Rennen mit ihrer Kritik eher zurückhielten. "Es ist schon ein gutes Tool zum Überholen", sagt uns Dragon-Neuling Maximilian Günther. "Es wird aber von Strecke zu Strecke unterschiedlich sein. Hier in Diriyya war es so, dass du zwar schon neben deinen Konkurrenten fahren konntest, aber wegen der kurzen Geraden nicht vorbeigekommen bist, wenn er sich gut verteidigt hat."

FIA plant Anpassung in Marrakesch

Die FIA verspricht den Teams und Fahrern indes Verbesserungen am System für die verbleibenden Rennen der Saison. Unter anderem soll die Positionierung der Aktivierungszone verändert werden. Statt hinter einer langsamen Kurve, so drang bereits am Sonntagstest nach dem E-Prix an die Öffentlichkeit, soll die Zone fortan an weniger gefährlichen Orten der Strecke platziert werden. In Marokko könnte die Attack-Zone, so heißt es bei 'e-racing365', auf der Außenbahn der langen und geschwungenen Kurve 1 aufwarten.

Auch eine Erhöhung der Attack-Mode-Leistung könnte in den Verbesserungsvorschlägen der FIA eine Rolle spielen, wenngleich Formel-E-Boss Alejandro Agag nach der Premiere des neuen Features durchaus zufrieden scheint: "Der Unterschied war klar erkennbar. Es war auf jeden Fall ausreichend für Überholmanöver, weswegen ich nur mit ein paar Anpassungen an der Leistung rechne", erklärt der Spanier bei 'Motorsport.com'. Agag stimmt Günther zu: "Ich denke, es hat [in Diriyya] schon sehr gut geklappt."

Gar nicht gut geklappt hat der Attack-Mode übrigens bei Jose Maria Lopez. Der Argentinier verpasste die Aktivierungsspulen im Boden gleich zweimal hintereinander und verlor dadurch Plätze, die er sich wegen des ausbleibenden Leistungsschubs auch nicht mehr zurückholen konnte. Wenig später schied "Pechito" allerdings ohnehin aus. Jeder Fahrer hatte in Diriyya maximal fünf Versuche, um die Attack-Zone zu treffen. Zwei davon mussten per Reglement erfolgreich sein und in einem Attack-Mode münden.

Welche Adaptionen die FIA-Regelhüter tatsächlich vor dem nächsten Rennen in Marrakesch (12. Januar 2019) vornehmen, ist derzeit noch nicht bekannt. In Anbetracht der Kritik der Fahrer ist aber wohl davon auszugehen, dass das Regelwerk in den kommenden Monaten zusätzliche Anpassungen durchmachen wird, um die Überholhilfe Attack-Mode noch effektiver zu machen.

Foto: Michael Kunkel / Audi Mediacenter

von Tobias Bluhm 

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Kommentar von Helmut |

Ich hoffe nicht, dass zu sehr auf die Fahrer gehört wird. Die wollen eigentlich immer nur mehr Leistung und das gleicht dann wieder alles aus. Zumal ich jetzt keinen großen Unterschied zwischen attack und dem verhassten DRS sehe. Beides sind Symptomebekämpfer.

Kommentar von EffEll |

mich hat der Attack-Mode bestens unterhalten.
Was jedoch Lopez da abgezogen hat, war kaum zu glauben :-)
Ja, Abts Attack-Mode Einsatz war nichts. Wie bei vielen anderen auch.
Aber dann gab es wiederum Fahrer, die gingen nach Aktivierung durchs Feld wie das warme Messer durch die Butter.
Massa war - wenn ich mich recht erinnere - so ein Fall. Er gewann damit etliche Duelle und konnte seine Position zu vorher stark verbessern.
Mir, als eigentlich eingefleischter Fan klassischen Motorsports hat der Attack-Mode gut gefallen und das, obwohl ich dem vorher eher skeptisch gegenüber stand.
vielleicht sollten entsprechende Fahrer nicht über den Mode an sich schimpfen, sondern eher mal überlegen, was die Fahrer anders machten, die davon klar profitierten.

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