Lucas-di-Grassi-Berlin-Tempelhof-2019

Formel E in Berlin: Lucas di Grassi siegt beim Audi-Heimrennen

Lucas di Grassi hat den zehnten Lauf der Formel-E-Saison 2018/19 in Berlin gewonnen. In einem unterhaltsamen Rennen zeigte der Audi-Pilot eine souveräne Leistung und holte - auch dank der schnellsten Rennrunde - wichtige Punkte für die Meisterschaft, in der er nun auf Platz 2 rangiert. Zweiter beim Berlin E-Prix wurde sein Erzrivale Sebastien Buemi (Nissan) vor dem amtierenden Champion und Gesamtführenden Jean-Eric Vergne (DS Techeetah). Daniel Abt beendete das Rennen als bester Deutscher auf Position 6.

Am Start ging es zunächst gesittet zu. Buemi verteidigte seine Pole-Position und bog als Erster in Kurve 1 ein. Auch dahinter gab es keine Veränderungen. Andre Lotterer kämpfte sich hingegen innerhalb von nur einer Runde vom Ende des Feldes bereits auf Rang 16 vor. In der zweiten Runde startete Lucas di Grassi den ersten Angriff auf Stoffel Vandoorne und ging in Kurve 6 vorbei - Platz 2 nun für den Audi-Fahrer. Nach knapp fünf Minuten zündete Robin Frijns auf dem letzten Platz als erster Fahrer den Attack-Mode.

Dann ein Schreckmoment für HWA: Gary Paffett - bis dahin auf Position 4 - verlor in wenigen aufeinanderfolgenden Kurven gleich drei Positionen. In Runde 6 griff di Grassi den Spitzenreiter Buemi an und übernahm mit einem sauberen Manöver die Führung. Während sich der Brasilianer direkt absetzen konnte, musste sich Buemi nun eher nach hinten orientieren, denn Vandoorne machte als Dritter Druck.

Lotterer & Vergne auf dem Vormarsch

Der Belgier musste jedoch seinerseits in den Rückspiegel schauen, denn Alex Lynn im Jaguar ging zwischenzeitlich an ihm vorbei. Vandoorne konterte jedoch direkt und drängte Lynn weit hinaus, sodass auch Daniel Abt profitieren konnte - der Deutsche zu diesem Zeitpunkt schon Vierter. Weiter hinten schlug Felipe Massa - wie schon zweimal im Qualifying - an der Mauer an, nahm aber offenbar keinen Schaden. Lotterer ging derweil im Attack-Mode an Landsmann Maximilian Günther vorbei und war nun 15.

Während Lotterer mit Jerome d'Ambrosio um Platz 14 kämpfte, ging sein Teamkollege Jean-Eric Vergne an Paffett vorbei. Der amtierende Formel-E-Meister und Gesamtführende lag damit auf Platz 7. Oliver Rowland griff Pascal Wehrlein an und drängte den Deutschen leicht in die Mauer. Wehrlein fiel wieder auf Platz 11 zurück, konnte aber weiterfahren. Alex Sims profitierte und ging ebenfalls vorbei. Lynn holte sich seinen ersten Attack-Mode und verlor dadurch einen Platz gegen Antonio Felix da Costa. Der BMW-Fahrer schnappte sich auf Anhieb die schnellste Runde und erhöhte den Druck auf Abt. Schließlich ging er vorbei, als sich wiederum der Deutsche seinen Attack-Mode holte.

Attack-Mode sorgt für Action auf der Strecke

Auch Buemi und Vandoorne fuhren durch die Attack-Zone und verloren dadurch ihre Positionen an Felix da Costa, der neben Buemi, Abt, Massa und Vandoorne den FANBOOST gewonnen hatte. Die Reihenfolge nach der Hälfte des Rennens: di Grassi mit gut zwei Sekunden Vorsprung vor Felix da Costa, Buemi, Vandoorne und Abt. Vergne übernahm derweil mit einem entschiedenen Manöver in Kurve 6 Platz 6 von Lynn.

Dann FANBOOST-Angriff von Buemi in Kurve 1: Der Schweizer zwängte sich an Felix da Costa vorbei und holte sich den zweiten Platz zurück. Fast direkt dahinter griff Vergne Abt an und ging mit Kontakt am Audi-Piloten vorbei. Dann schnappte sich der Franzose auch noch Vandoorne und attackierte Felix da Costa. Der BMW-Pilot konnte sich jedoch zunächst verteidigen. Anschließend blieb Lynn auf der Strecke stehen und beklagte Probleme an der Hinterachse. Die Rennleitung sprach Full-Course-Yellow aus, um die Gefahrensituation zu entschärfen.

Clevere Entscheidung von Audi

Während des Tempolimits holten sich fast alle Fahrer ihren zweiten Attack-Mode. Lediglich die beiden Audi-Piloten sparten sich ihre Zusatzleistung auf. Eine gute Entscheidung, denn zu diesem Zeitpunkt war noch der Abschleppwagen auf der Start- und Zielgeraden unterwegs. Die meisten Fahrer verloren somit wertvolle Zeit im Attack-Mode. Erst eine Runde später holten sich di Grassi und Abt ihren Boost, dann ging es knapp zehn Minuten vor dem Ende in vollem Renntempo weiter.

Beim fliegenden Neustart gab es zunächst keine Positionsveränderungen. Während sich der Führende di Grassi die schnellste Runde holte, wurde Lotterer plötzlich langsamer und fiel zurück. Der Deutsche musste mit einem Batterie-Problem an die Box kommen und aufgeben - kein Glück für ihn beim Heimspiel. Sein Teamkollege Vergne hingegen griff Felix da Costa an und holte sich den dritten Platz vom Portugiesen. Vergne heftete sich an die Fersen von Buemi, während di Grassi seinen Vorsprung auf gut drei Sekunden ausbaute.

In den letzten Minuten passierte nicht mehr allzu viel. Spannend war vor allem der Kampf um Platz 4, den Felix da Costa bis zum Ende verteidigte. Vergne startete noch einen Angriff auf Buemi, blieb aber dahinter und baute seine Führung in der Gesamtwertung mit 15 wichtigen Zählern aus. Lucas di Grassi fuhr seinerseits ungefährdet über den Zielstrich und holte sich seinen zweiten Saisonsieg. Buemi wurde Zweiter vor Vergne. Daniel Abt beendete das Rennen als Sechster.

Vergne & DS weiter auf Titelkurs

In der Gesamtwertung liegt Jean-Eric Vergne drei Rennen vor dem Saisonende mit sechs Punkten Vorsprung auf Lucas di Grassi an der Spitze. Auf Platz 3 folgt mit weiteren zehn Punkten Rückstand Andre Lotterer vor Felix da Costa und Robin Frijns. Allmählich scheinen sich doch die Topfavoriten auf den Titel herauszukristallisieren. In der Teamwertung liegt DS Techeetah weiterhin in Führung, auf Rang 2 folgt nun Audi. Nissan rückte mit einem guten Teamergebnis auf Position 4 vor. Das nächste Formel-E-Rennen findet am 22. Juni in Bern statt.

>>> zum Rennergebnis von Berlin
>>> zur Gesamtwertung (Fahrer & Teams) der Formel E

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

von Timo Pape 

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Kommentar von H.-W.E... |

Die Formulierung "unterhaltsames Rennen" trifft den Punkt! Spannend geht anders.....

Kommentar von Simon |

Wieso guckst du es über haupt wenn du hier eh nur meckerst?

Kommentar von H.-W.E... |

Sorry, aber dem Verfasser des Kommentars (Timo Pape) recht geben in seiner Formulierung und seine eigene Einschätzung dran zu hängen.....wenn das "meckern" ist.

Und Kritik in jedweder Form hat immer mehr bewegt als Stumm oder Händeklatschend hinter der Musik her zu laufen

Kommentar von Timo |

Hatte ich auch eher als Bestätigung empfunden. Ich fand das Rennen insgesamt schon recht gut dank des Attack-Mode und vor allem für Tempelhof, aber es hat in dieser Saison auch schon bessere gegeben (gerade mit Blick auf den Sieg). Nichtsdestotrotz ist Kritik natürlich immer erwünscht - wir lesen alle Kommentare hier. ;)

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