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Formel E in Marrakesch: Felix da Costa siegt, Günther ringt Vergne nieder

Antonio Felix da Costa hat den fünften Saisonlauf der Formel E in Marrakesch gewonnen. Mit einer souveränen Leistung münzte der Portugiese seine Pole-Position in 25 weitere Punkte um und kam mit mehr als elf Sekunden Vorsprung ins Ziel. Grund für die große Lücke war ein packendes Duell hinter ihm zwischen Jean-Eric Vergne und Maximilian Günther, das der deutsche BMW-Pilot wenige Kurven vor dem Ziel für sich entschied.

Beim Start ging es zunächst weitgehend glimpflich zu. Edo Mortara griff Nyck de Vries auf der Innenbahn an, steckte aber zurück. Im Kampf mit Jerome d'Ambrosio setzte er sich jedoch durch. Gleich in der ersten Runde griff de Vries Andre Lotterer an und übernahm den dritten Platz von ihm. An der Spitze blieb Felix da Costa vor Günther, der jedoch schon in Runde 2 den Druck auf den Portugiesen erhöhte. Vergne arbeitete sich indes an James Calado vorbei und zog in die Top 10 ein.

Günther blieb in den folgenden Runden an Felix da Costa dran. Dahinter kamen mit rund zwei Sekunden Abstand de Vries, Lotterer - beide zu diesem Zeitpunkt wegen verschiedener Zwischenfälle "under investigation" - und die beiden Nissan-Piloten Sebastien Buemi und Oliver Rowland. Dahinter machte bereits Meister Vergne Tempo und setzte die schnellste Rundenzeit. Nach zehn Minuten sprach die Rennleitung eine Durchfahrtsstrafe gegen Nyck de Vries aus, der beim Rekuperieren zu viel Energie rückgewonnen hatte. Ärgerlich für den starken Rookie, der erneut durch einen Fehler seines Mercedes-Teams weit zurückfiel.

Lotterer übernahm dadurch wieder den dritten Platz. Weiter hinten ging Vergne an Rowland vorbei und lag nun bereits an Position 6 hinter Buemi. Mit Calado und d'Ambrosio bewaffneten sich die ersten Piloten mit ihrem ersten von zwei jeweils Attack-Modes. Auch die beiden Führenden sowie Vergne holten sich den Leistungsschub. Vergne setzte sich im Attack-Mode zunächst gegen Buemi durch, dann auch gegen Mortara, nachdem dieser seinerseits durch die Attack-Zone gefahren war. Starke Anfangsphase des amtierenden Meisters!

Als sich Lotterer seinen ersten Attack-Mode holte, ging Vergne auch an ihm vorbei. Durch die Zusatzleistung holte sich der Deutsche Platz 3 jedoch wenig später zurück. Calado und d'Ambrosio lieferten sich weiter hinten einen harten Zweikampf, von dem Lucas di Grassi profitierte und zwei Positionen in einer Aktion gutmachte.

Mögen die Führungswechsel beginnen

Nach 20 Minuten griff Günther den Führenden Felix da Costa an. Den ersten Versuch in Kurve 11 vereitelte der DS-Pilot noch, doch dann ging Günther vorbei und übernahm die Führung. Der Deutsche vermutete am Funk, Felix da Costa habe sich mit Absicht überholen lassen, um im Windschatten des BMW-Fahrers Energie zu sparen. Tatsächlich blieb Felix da Costa direkt hinter Günther. Dahinter folgten Lotterer und Vergne - ebenfalls sehr dicht beisammen.

Mit 18 verbleibenden Minuten auf der Uhr holte sich Felix da Costa seinen zweiten Attack-Mode und behauptete sich dabei geradeso gegen Lotterer. Wenig später griff er mit dem Leistungsüberschuss Günther an und übernahm wieder die Führung. Dann attackierte auch der zweite DS-Pilot: Vergne überholte Lotterer für Platz 3. Pascal Wehrlein fiel derweil aufgrund eines platten Reifens ans Ende des Feldes zurück.

Mortara aktivierte seinen zweiten Attack-Mode und ging außen an Buemi vorbei. Wenig später musste auch Lotterer den Venturi-Fahrer passieren lassen. Vergne also nun Dritter, Mortara Vierter. Günther nahm im Attack-Mode die Fährte von Felix da Costa auf, konnte sich die Führung jedoch nicht zurückholen. Auch Vergne holte sich seinen zweiten Attack-Mode, hatte zu dem Zeitpunkt allerdings noch rund vier Sekunden Rückstand auf das Führungsduo.

Gut zehn Minuten vor dem Ende holte sich Lotterer im Attack-Mode den vierten Platz von Mortara zurück. Ma Qing Hua wurde zu diesem Zeitpunkt bereits überrundet… Vergne hatte sich inzwischen an Günther herangepirscht und griff den Deutschen an. Mit einem guten Manöver ging er vorbei - DS Techeetah nun auf Kurs "Doppelsieg", doch Günther hatte noch mehr Energie im Akku, was sich später auszahlen sollte. Weiter hinten attackierte di Grassi mit FANBOOST, den er neben d'Ambrosio, Felix da Costa, Wehrlein und Stoffel Vandoorne gewonnen hatte, seinen Rivalen Rowland. Der Brite verteidigte jedoch mit allem, was er hatte. Sein Nissan-Teamkollege Buemi überholte indes Mortara für Platz 5.

Epische Energie-Schlacht in der Schlussphase

In den letzten Minuten rieben sich Vergne und Günther im Kampf um Platz 2 auf, wodurch sich Felix da Costa weiter absetzen konnte. Am Ende der Start- und Zielgeraden griff Günther Vergne an, doch der Franzose verteidigte die Innenbahn mit aller Härte. Lotterer büßte derweil eine weitere Position gegen Buemi ein, der nun Vierter war.

In der letzten Runde attackierte Günther erneut. In Kurve 1 blieb Vergne noch vorn. Dem DS-Piloten ging jedoch die Energie aus, sodass Günther zwei Kurven vor dem Ziel tatsächlich noch mit einem starken Manöver am Champion vorbeiging! Felix da Costa brachte derweil seinen ersten Sieg für Techeetah mit 11,4 Sekunden Vorsprung ins Ziel - der drittgrößte Abstand in der Geschichte der Formel E. Eine bittere Schlussphase erwischte stattdessen Lotterer, der noch bis auf Position 8 zurückfiel.

In der Fahrerwertung hat Felix da Costa durch seine insgesamt 28 Punkte in Marokko die Gesamtführung übernommen. Hinter ihm folgt Mitch Evans, der vom letzten Startplatz bis auf Rang 6 vorfuhr und zudem die schnellste Rennrunde drehte. Auf den Positionen 3 und 4 folgen die beiden BMW-Piloten Sims, der kurz vor Schluss noch sein Auto abstellen musste, und Günther. In der Teamwertung sind die amtierenden Champions von DS Techeetah zurück am der Spitze. Dahinter folgen BMW und Jaguar. Nach der Coronavirus-bedingten Absage des Sanya E-Prix steigt das nächste Formel-E-Rennen erst am 4. April in Rom.

>>> zum Ergebnis des Formel-E-Rennens in Marrakesch
>>> zur Gesamtwertung der Formel E (Fahrer & Teams) nach dem Marrakesch E-Prix

von Timo Pape  

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Kommentar von Kev |

Mitch Evans mit starker Aufholjagd, hätte man die Qualifikation nicht verbockt, wäre der Sieg drin gewesen.

Bin gespannt über den weiteren Kalenderverlauf und ob Rom stattfinden wird. Sollten weitere Rennen wegfallen, wären Doppelrennen, an den verbleibenden Rennen eine gute Lösung.

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