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Formel E: Klarstellung der FIA zum Nissan-Doppelmotor erwartet

Der Weltmotorsportverband FIA prüft einem Bericht von 'e-racing365' zufolge weitere technische Informationen zum aktuellen Formel-E-Antrieb von Nissan e.dams. Bei der letzten Sitzung der Technischen Arbeitsgruppe (TWG) der Serie hatte es von mehreren Herstellern Fragen zum Antriebskonzept von Nissan gegeben. Die Regelhüter verlangten daraufhin Klarheit zu mehreren technischen Punkten, und auch Nissan selbst soll um Klarstellungen bezüglich der Regeln für eine Weiterentwicklung des Antriebs gebeten haben. Die FIA-Analyse soll sich explizit auf die beiden Elektromotoren beziehen, die im Heck des Nissan IM01 verbaut sind.

Ja, richtig gelesen: Nissan treibt seinen Boliden als vermeintlich einziges Formel-E-Team mit zwei Motoren an - jeweils einer für das linke und rechte Hinterrad. Konkurrent NIO hatte (damals noch unter dem Namen NextEV) in den Saisons 2 und 3 ebenfalls einen Antrieb mit Doppelmotor-Lösung im Einsatz, das Konzept wegen des Gewichtsnachteils und der Instabilität am Heck anschließend aber wieder verworfen. Virgin verabschiedete sich bereits nach der zweiten Saison vom Doppelmotor.

Bei der Entwicklung des Motors hat Nissan auf die Expertise von gleich zwei erfahrenen Partnern vertraut: Integral Powertrain und McLaren Applied Technologies. Integral Powertrain ist ein Unternehmen mit Sitz im britischen Milton Keynes, das sich auf die Entwicklung von Elektromotoren spezialisiert hat. Wem der Ortsname bekannt vorkommt: In derselben Stadt hat rund acht Autominuten entfernt das Formel-1-Team von Red Bull Racing seine Fabrik.

McLaren Applied Technologies (MAT) ist hingegen eine Tochterfirma der McLaren Group, die mit dem Team McLaren Racing ebenfalls in der Formel 1 antritt. Die Partnerschaft mit MAT sorgt für Bedenken bei manchen Teams, da MAT die aktuelle Einheitsbatterie der Formel-E-Boliden entwickelt hat. Ähnliche Stimmen wurden bei der Bekanntgabe der Partnerschaft von Jaguar mit Williams Advances Engineering (WAE) vor einigen Jahren laut, denn WAE hatte seinerseits den Akku der Gen-1-Autos entwickelt. In der Folge wurden sogar WAE-Mitarbeiter aus den Garagen der anderen Teams verbannt.

Klarstellungen zu Umlaufrädergetrieben & mechanischem KERS erbeten

Untersucht werden soll unter anderem die Verwendung eines sogenannten Umlaufrädergetriebes, das konstruktionsbedingt unendlich viele Übersetzungsverhältnisse bietet. Das Technische Reglement der Formel E schreibt aktuell vor, dass ein Getriebe maximal sechs verschiedene Übersetzungen haben darf. Außerdem soll die mögliche Verwendung eines mechanischen KERS untersucht werden. Bei einem solchen System wird ein nahezu reibungsfrei gelagertes Schwungrad zunächst beschleunigt und anschließend die so gespeicherte Energie wieder an den Antrieb abgegeben.

Laut Technischem Reglement der Formel E ist das Zwischenspeichern von Energie außerhalb der Einheitsbatterie verboten, zudem könnte diese Energie nicht von den Leistungssensoren der FIA überwacht werden, da diese die Energiezufuhr und den -abfluss aus der Batterie messen. Damit könnte theoretisch sowohl die reglementseitige Maximalleistung als auch die erlaubte Gesamtenergiemenge von 52 kWh überschritten werden.

Je nachdem wie Nissan seinen Antrieb konstruiert hat, wird davon ausgegangen, dass die Fahrzeuge im Vergleich zu Fahrzeugen mit nur einem Motor einen deutlichen Vorteil beim Beschleunigen aus dem Stand oder aus langsamen Kurven heraus haben. Diese Beobachtung bestätigten mehrere Fahrer, die hinter Nissan-Piloten herfuhren. Außerdem zeigte Oliver Rowland nun bereits zweimal hintereinander die gute Beschleunigung seines Boliden, als er in Hongkong und Sanya beim Start aus der ersten Reihe diesen jeweils klar gewann und als Führender in die erste Kurve einbog. Allerdings spielten hierbei auch die feuchte Strecke in Hongkong und der schwache Start von Jean-Eric Vergne in Sanya eine Rolle.

Nissan zeigt sich kooperativ

Den Informationen zufolge zeigte sich Nissan e.dams kooperativ und stellt nun freiwillig Daten zum Antriebsstrang sowie Informationen über Softwarefunktionen zur Verfügung. Vincent Gaillardot, Technischer Direktor von Nissan e.dams, bestätigte, dass Klarstellungen zu einzelnen Aspekten des Formel-E-Antriebs durchaus üblich seien, ohne dabei ins Detail zu gehen: "Natürlich versuchen wir zu sehen, was im Rahmen der Regeln als nächster technologischer Schritt möglich ist. Wir haben ein Konzept, und außerdem haben wir selbst in Saison 2 und Saison 3 bereits um Klarstellungen bei mehreren Konzepten gebeten."

Gaillardot äußerte Verständnis für die Konkurrenten, die auf diese Art und Weise möglicherweise an Informationen über technische Details des Nissan-Antriebs kommen wollen: "Ja, ich kann das verstehen. Aber ehrlich, wir haben die technische Abnahme bestanden, und unsere Lösungen entsprechen in jedem Aspekt dem Reglement", so Gaillardot weiter. "Natürlich gibt es verschiedene Interpretationen (der Regeln), sodass wir um Klarstellung gebeten haben. Ich weiß, was wir getan haben und wie wir es getan haben. Mehr kann ich dazu nicht sagen."

Die FIA lehnte gegenüber den Kollegen ab, sich zu dem Thema zu äußern.

von Tobias Wirtz 

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