Lucas di Grassi Audi Sport ABT Schaeffler im Cockpit Nahaufnahme

Formel E: Mindestgewicht für Fahrer & weniger Tests ab Saison 7

Nachdem kürzlich bereits das Reglement für die kommende Formel-E-Saison bekanntgegeben worden, laufen hinter den Kulissen die Gespräche über Regelanpassungen für die Saison 2020/21. Einem Bericht von 'e-racing365' zufolge ist die Einführung eines Mindestgewichtes für die Fahrer schon beschlossene Sache.

Die Regel soll sich dabei an der Formel-1-Weltmeisterschaft orientieren: Fahrer und Sitz sollen gemeinsam mindestens 80 kg auf die Waage bringen. Sollte ein Fahrer zu leicht sein, müssen Ballastgewichte an einer bestimmten Stelle im Cockpit angebracht werden. Derzeit können die Ingenieure bei leichteren Fahrern noch mit Ballastgewichten die Ballance des Fahrzeugs verbessern, indem diese an verschiedenen Positionen am gesamten Fahrzeug angebracht werden können.

Derzeit beträgt das Mindestgewicht eines Formel-E-Boliden 900 kg - inklusive Fahrer. Da ein Sitz zwischen acht und zehn Kilogramm wiegt, bleiben für den Fahrer mit Overall, Helm und HANS-System derzeit etwa 65 bis 67 kg übrig. Größere Piloten wie Lucas di Grassi oder Andre Lotterer mussten ihr Körpergewicht mit Diäten und speziellem Training reduzieren, um auf die geforderten Werte zu kommen. Jedes Kilogramm zuviel kostet den Fahrer Rundenzeit und zusätzliche Energie - was besonders in der Formel E große Auswirkungen hat.

"Ich bin sehr glücklich, weil ich denke, dass dies ein fairer Weg ist", sagt Audi-Pilot di Grassi zur neuen Regel. "Einer solchen Regel muss jeder zustimmen, daher dauert es ein wenig, das durchzubekommen. Daher bin ich glücklich, dass es zumindest zur siebten Saison diese Regel geben wird. Wie in der Formel 1 wird es nun fairer, jeder hat nun die gleiche Gewichtsverteilung und die gleiche Masse, daher kann es nur gut sein."

Tristan Summerscale, Formel-E-Projektleiter bei Audi, sieht das Thema ähnlich: "Es ist positiv, dass wir ein Mindestgewicht bekommen, so wie es in der Formel 1 der Fall ist. Für Saison 6 werden wir uns weiterhin auf die Gewichtsreduzierung des kompletten Fahrzeugs und die Verbesserung unseres Paketes konzentrieren. In mancher Hinsicht ist es jedoch schade, dass die Regel erst eine Saison später kommt."

Es wird angenommen, dass bauliche Veränderungen am Monocoque notwendig sind, um die Ballastgewichte bei zu leichten Fahrern anbringen zu können. Diese Anpassungen sollen gemeinsam mit dem "Facelift" der Gen2-Boliden vorgenommen werden, das für Saison 7 geplant ist.

Hersteller-Testfahrten ebenfalls im Fokus

Außerdem denkt die Rennserie über eine Reduzierung der Testtage für Hersteller nach. Entsprechende Diskussionen werden gemeinsam mit der FIA und den Teams bereits geführt. Aktuell hat jeder Hersteller zwischen dem 1. Januar und dem 1. Oktober vor Saisonbeginn 15 Testtage zur Erprobung des Antriebs zur freien Verfügung. Zusätzlich erhält jeder Hersteller, der mindestens ein Kundenteam beliefert, weitere sieben Tage.

'e-racing365' berichtet von einer Reduzierung auf nur noch 13 Tage. Ob auch die zusätzlichen Testtage für Hersteller mit Kundenteams reduziert werden, ist derzeit noch unklar. Die offiziellen Testfahrten der Rennserie, die vor Saisonbeginn im spanischen Valencia abgehalten werden, sind von dieser Regelung nicht betroffen. Gleiches gilt für offizielle Testfahrten während der laufenden Saison, die 2018/19 in Diriyya, Marrakesch und Mexiko-Stadt abgehalten wurden.

"Wenn man sich andere Meisterschaften ansieht, haben wir im Vergleich recht viele Testtage zur Verfügung", so Roger Griffiths, Teamchef von BMW i Andretti Motorsport. "Es ist unwahrscheinlich, dass es zwischen der sechsten und siebten Saison größere Anpassungen des Antriebsregelwerks geben wird, sodass eigentlich nicht so viele Tests erforderlich sind."

Im Zuge der Einführung der Gen2-Fahrzeuge und der Erhöhung der Maximalleistung auf 250 kW waren Testfahrten für die Hersteller eminent wichtig. Da das Technische Reglement nun konstant bleibt, nimmt auch die Wichtigkeit der Testfahrten ab. Eine Reduzierung zur kommenden Saison ist nicht möglich, da mit Mercedes und Porsche zwei neue Hersteller einsteigen, die derzeit mitten in ihren aktuellen Testprogrammen stecken.

"Die neuen Hersteller müssen die gleichen Möglichkeiten haben, die wir auch hatten. Aber ich denke, dass es sinnvoll wäre, die Anzahl der Testtage nach der sechsten Saison zu reduzieren", so Griffiths weiter.

Außerdem soll eine Klarstellung erfolgen, was genau unter einem Testtag zu verstehen ist. Das Reglement hat hierzu aktuell keine konkreten Einschränkungen. Dies soll aktuell dazu führen, dass einige Hersteller ihre Tests zum Teil noch unter Flutlicht durchführen, um einen Testtag auf eine Länge von 24 Stunden auszudehnen. Eine der möglichen Optionen der FIA wäre, die maximale Fahrzeit auf zwölf Stunden zu reduzieren. Batteriehersteller McLaren Applied Technologies hat Zugriff auf alle Daten der Batterien, inklusive der Zeitstempel. Die technischen Mittel zur Überprüfung wären daher bereits vorhanden.

von Tobias Wirtz 

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Kommentar von Helmut |

Also das ist, was ich an der FE nicht verstehe. Einerseits für den Fortschritt sein, andererseits alles zu tun ihm einer Einheitsformel gleichzukommen.
Ich hab nichts gegen letztere. Die IndyCars produziert derzeit die geilsten Autorennen und ist im Prinzip einheitlich. Aber so gar keine Innovation und demzufolge auch Tests bei einer noch neuen Formel zu erlauben find ich schlecht. Klar muss darauf geschaut werden, dass die Kosten im Rahmen bleiben aber das geht auch anders.

Kommentar von EffEll |

@Helmut: du darfst Entwicklung nicht mit Testtagen gleichsetzen. In einer aerodynamisch geprägten Rennserie sind diese wesentlich wichtiger, um die Wirkung der Simulation zu korrelieren. Natürlich muss auch in der Formel E getestet werden. Eine Kürzung ist aber nicht grundsätzlich gleich Stillstand der Entwicklung.

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