Formel E: Jaguar-Pilot Mitch Evans gewinnt furiosen Mexico City E-Prix

Mitch Evans hat den Mexico City E-Prix gewonnen. In einem äußerst turbulenten vierten Saisonrennen sicherte sich der Jaguar-Pilot in souveräner Manier seinen zweiten Formel-E-Sieg vor Antonio Felix da Costa im DS. Das Podium komplettierte Nissan-Fahrer Sebastien Buemi. Pole-Sitter Andre Lotterer fiel nach einem Kontakt mit einem Konkurrenten frühzeitig aus.

Als die Ampeln ausgingen, erwischte Evans einen besseren Start als Lotterer. Seite an Seite ging er gemeinsam mit dem Pole-Sitter in die erste Kurve und drängte ihn zwangsläufig nach außen, um nicht selbst in der Mauer zu enden. In den folgenden Kurven fiel Lotterer noch zwei weitere Plätze zurück, verteidigte sich jedoch mit aller Macht gegen Sam Bird. In Runde 2 folgten weitere Überholmanöver: Sebastien Buemi überholte Nyck de Vries, und auch Lotterer ging wieder am Mercedes-Piloten vorbei. Wenig später musste der Niederländer auch Bird und Robin Frijns ziehen lassen.

Dann krachte es: Nico Müller erwischte Kurve 1 nicht richtig und fuhr beinahe frontal in die TecPro-Barriere. Der nächste heftige Einschlag nach Daniel Abt im Freien Training. Nach wenigen Minuten konnte Müller scheinbar unverletzt aus seinem schwer beschädigten Dragon aussteigen. Die Rennleitung setzte das Safety-Car ein, um die Unfallstelle zu räumen. Gut für die beiden Mahindra-Fahrer, die ihre Strafen bereits abgesessen hatten und somit zum Ende des Feldes aufschließen konnten.

Drama für Pole-Sitter Lotterer

Mit etwas mehr als 35 verbleibenden Minuten auf der Uhr ging es schließlich weiter. Dank eines beherzten Angriffs im Stadion ging Bird an Lotterer vorbei. Teamkollege Frijns überholte den Porsche-Piloten auf der Start- und Zielgeraden ebenfalls, und auch de Vries ging vorbei. Lotterer nur noch Sechster. An der Spitze setzte sich Evans etwas von Buemi ab, während weiter hinten Felipe Massa in Kurve 1 crashte und das Rennen beenden musste. Lucas di Grassi arbeitete sich zu diesem Zeitpunkt bereits in die Top 10 vor.

Bei einem Kontakt mit de Vries im Stadion beschädigte sich Lotterer den Frontflügel und schleifte ihn - ähnlich wie Jean-Eric Vergne in Santiago - lange Zeit mit sich. Zunächst verlor er unter viel Rauch einige Plätze, dann beorderte ihn die Rennleitung an die Box. Der Traum vom ersten Formel-E-Sieg Lotterers war ausgeträumt. Weiter vorn überholte Bird im Attack-Mode Buemi und übernahm Platz 2. Neel Jani und Ma Qing Hua ereilten jeweils Durchfahrtsstrafen wegen technischer Vergehen.

De Vries schießt Frijns ab

Nach einer extrem turbulenten Anfangsphase kehrte kurzzeitig etwas Ruhe ein. Bemerkenswert: Vergne ließ seinen Teamkollegen Antonio Felix da Costa auf der Start- und Zielgeraden vorbei - offenbar aus energiestrategischen Gründen. Dann jedoch schon der nächste Aufreger: De Vries verbremste sich im Zweikampf mit Felix da Costa heftig und rauschte in Kurve 1 mit stehenden Rädern in das Auto von Frijns. Während der Virgin-Pilot nach einem Wendemanöver auf Rang 10 weiterfahren konnte, bedeutete der Unfall für de Vries das Rennende.

Dadurch profitierten unter anderem die beiden DS-Piloten, die nun auf den Positionen 4 und 5 fuhren, sowie di Grassi, der bereits direkt dahinter als Sechster folgte. Felix da Costa machte anschließend mächtig Druck auf den Drittplatzierten Buemi, der sich zunächst mit dem Attack-Mode etwas Luft verschaffen konnte. Zudem profitierte der Schweizer davon, dass Felix da Costa seinen Teamkollegen Vergne wieder vorbeilassen musste - eine schlecht ausgeübte und nicht nachvollziehbare Teamorder von DS Techeetah, denn Felix da Costa war nicht nur schneller, sondern hatte auch noch zwei Prozent mehr Energie. Eine Runde später holte sich Felix da Costa die Position im Zweikampf zurück.

Dann krachte Ma Qing Hua in die Mauer, blieb aber wenigstens nicht auf der Strecke stehen, sodass es nach kurzer Gelbphase in vollem Tempo weiterging. Alex Sims, der wie di Grassi eine starke Aufholjagd zeigte, überholte den Audi-Piloten für Platz 7. Dessen Teamkollege Daniel Abt, der trotz seines schweren Trainingsunfalls zum Rennen antrat, leistete sich einen Dreher am Ausgang von Kurve 1 und schied aus. Im Kampf ums Podium überholte Felix da Costa Buemi und übernahm Platz 3. Dann heftete er sich an die Fersen von Bird.

Bird wirft Platz 2 weg

Knapp vier Minuten vor dem Ende zeigte Bird Nerven und krachte in Kurve 3 in die Mauer. Zunächst konnte er noch weiterfahren, rutschte in Kurve 13 jedoch ein weiteres Mal in die TecPro-Barriere und blieb dort stehen - das bittere Aus für den bis dahin Zweitplatzierten. Felix da Costa übernahm Rang 2 gefolgt von Buemi, Vergne und Stoffel Vandoorne. Evans hatte zu diesem Zeitpunkt gut sieben Sekunden Vorsprung auf Felix da Costa, doch der Portugiese gab weiterhin Vollstrom. Trotzdem kam er nur noch auf rund vier Sekunden heran.

In der letzten Runde verunfallte zudem der Gesamtführende Vandoorne in Kurve 3 und fiel weit zurück. Keine Punkte für den Mercedes-Star. BMW-Pilot Sims rückte dadurch auf Rang 5 vor und belohnte seine starke Aufholjagd mit insgesamt elf Punkten, da er zudem die schnellste Runde fuhr. Unter gelben Flaggen brachte Evans seinen zweiten Formel-E-Sieg ungefährdet ins Ziel. Felix da Costa sicherte Platz 2 vor Buemi, Meister Vergne wurde Vierter.

In der Gesamtwertung der Fahrer hat Mitch Evans die Führung übernommen und liegt einen Punkt vor BMW-Fahrer Sims. Es folgen Antonio Felix da Costa und Stoffel Vandoorne. Bei den Teams hat sich BMW die Gesamtführung geschnappt und liegt nun vor Jaguar und Mercedes an der Spitze. DS Techeetah, Nissan und Audi reihen sich dahinter ein. Das nächste Formel-E-Rennen findet bereits in zwei Wochen am 29. Februar in Marrakesch statt.

>>> zum Ergebnis des Formel-E-Rennens von Mexiko
>>> zur Gesamtwertung (Fahrer & Teams) der Formel E nach dem Mexico City E-Prix

Foto: Kenneth Midgett / Spacesuit Media

von Timo Pape  

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Kommentar von EffEll |

Was für ein turbulentes Rennen!
Auch wenn es sich komisch anhören mag, erinnert mich Techetah derweil an die Große Koalition. Beide sind gerade ausschließlich mit sich selbst beschäftigt, statt sich aufs eigentliche Ziel zu besinnen und bremst sich dadurch gegenseitig aus. Auch die Führungsrolle scheint ebenso ungeklärt. Da Costa hätte die letzten beiden Rennen bestimmt gewonnen können.

Maximilian Günther braucht wirklich noch einiges an Erfahrung. Gerade im Vergleich zu Sims, der zudem noch hinter ihm gestartet ist und trotzdem weit vor ihm und mit guten Punkten ins Ziel kam, während Günther im hinteren Feld stecken blieb und gegen Rennende fast etwas überfordert wirkte. Da war der letzte Kommentarartikel hier, der ihn vom ehemaligen Zukunftstalent bereits jetzt zu einem Titelaspiranten zählte, vielleicht wirklich etwas voreilig, wie Derbe_klopp_te mahnend im Kommentarbereich anmerkte. Sims konnte sich wiederum durch geschickte Zweikämpfe und besonnener Fahrweise sukzessive nach vorne arbeiten und profitierte am Ende von den Fehlern der anderen. Günther war ebenfalls einer von denen, jedoch ohnehin abgeschlagen außerhalb der Punkteränge. Da blieb der Quersteher mit Bandenkontakt ohne ernsthafte Konsequenzen.

Lotterers Fahrweise erinnerte mich wieder an seine Anfänge in der FE. Man kann das Rennen in der ersten Kurve nur verlieren, aber nicht gewinnen. Die Poleposition schien ihn sehr unter Druck zu setzen.
Aber scheinbar hat die Strecke allen Fahrern (zu) viel abverlangt und die Konzentration ließ stark nach. Es gab etliche Blackouts von Topfahrern, die ohne Not Carbonschrott verursachten.
Ich will ja nicht überheblich klingen, aber Ma Qing Huas DNF hatte etwas von Slapstick. Längst überrundet steckte er sein Auto beim Platz machen in die Mauer. Es sah fast so aus, als hätte er beim verfolgen der spannenden Zweikämpfe vor ihm schlicht das lenken vergessen.
Die Bandenwerbung sollte zukünftig überarbeitet werden. Die meterlangen Banner verharken sich etwas zu leicht an den Autos. Das hat nicht nur Lotterer letztendlich aus dem Rennen genommen
Für die Redaktion war es sicher ein dankbares Rennen. An Themen für Artikel in der zweiwöchigen Rennpause sollte es jetzt garantiert nicht mangeln. Ich glaube ich gucke mir das Rennen noch ein paar Mal an. Da ist so viel passiert, das kann man gar nicht alles beim ersten schauen erfassen. Die Rennen sollten mit den Gen3 Fahrzeugen ruhig etwas länger dauern. Langeweile kommt bei der Formel E jedenfalls nicht so schnell auf!

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