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Formel-E-Neuling Neel Jani: "Möchte noch länger bei Porsche bleiben"

Seit Freitagabend kennen wir den ersten Formel-E-Neuling der vierten Saison: Neel Jani wird künftig an der Seite von Jerome d'Ambrosio für Faraday Future Dragon Racing antreten. Schon Anfang August hatte der Schweizer einen ersten Probetag im Formel-E-Auto verbracht. Am vergangenen Sonntag und Montag kamen zwei weitere Testtage im spanischen Calafat hinzu. Doch wie war es eigentlich zum Deal zwischen Dragon und Jani gekommen?

"Jay Penske (Dragon-Teamchef) hatte mich per Mail kontaktiert und mich gefragt, ob ich das Auto testen möchte. Diesen Test habe ich wahrgenommen, vor zwei Wochen in Calafat in Spanien", erklärt Jani bei den Kollegen von 'Motorsport-Total.com'. Beim Test habe der 33-Jährige eine erste Rennsimulation absolviert und dabei wichtige Erkenntnisse über den Elektrorennwagen gewonnen. Wie Jani feststellen konnte, ist der Fahrstil in der Formel E jenem der WEC gar nicht mal so unähnlich: "Man muss viel segeln. Die einen sparen Benzin, die anderen Strom. Der Ablauf ist der gleiche."

Bemerkenswert findet Jani vor allem den enormen Unterschied zwischen Qualifying und Rennen. Denn während das besagte Rekuperieren im Rennen unabdingbar ist, reizen die Fahrer den Formel-E-Boliden in der Qualifikation voll aus und versuchen stets, möglichst spät zu bremsen. "Dass man plötzlich einfach komplett Vollgas fahren kann im Formel-E-Auto, verändert das gesamte Fahrverhalten des Autos. Fahrerisch werden Rennen und Qualifying dann zwei komplett verschiedene Welten."

In Sachen Leistung fühle sich die LMP1-Klasse, in der Jani noch immer mit dem Porsche 919 antritt, allerdings schon deutlich anders an: "Von der Power her kann man die Autos überhaupt nicht vergleichen. Formel E ist die Zukunft, aber ich habe mich gleichzeitig um ein paar Jahre zurückversetzt gefühlt." Die Leistung des Formel-E-Autos erinnere eher an Rennserien wie Formel Renault oder Formel 3, so Jani. "Der Sound fehlt zwar, aber das Auto fährt sich wie ein richtiges Rennauto. Genau das ist es, was ein Fahrer immer sucht."

Im März 2016 hatte sich Jani öffentlich geäußert, mit mehreren Formel-E-Teams in Kontakt zu stehen. Doch sogar schon während der ersten Saison sei er an der Elektroserie interessiert gewesen. Damals war der Schweizer jedoch noch neu bei Porsche - ein Zweitjob in der Formel E war keine echte Option. "Nun gab es die Bekanntgabe von Porsche, dass sie zum Ende des Jahres aus der LMP1 aussteigen", erklärt Jani die jüngsten Entwicklungen. "Man konnte vorher schon etwas erahnen, was passieren wird. Dementsprechend habe ich etwas vorgearbeitet. Ich habe mich umgehört."

Herkunft und Ziel heißen Porsche

Jani hat die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt, und nun hat auch sein Arbeitgeber reagiert. Ab 2019 wird Porsche werksseitig in der Formel E aufschlagen. Gut möglich, dass Jani bei Dragon lernt, um in zwei Jahren wieder für die Sportwagenschmiede aus Zuffenhausen zu starten. Vielleicht steigt Porsche ja sogar bei Dragon ein und macht es wie BMW bei Andretti - wer weiß? In jedem Fall habe sich Jani bewusst für ein Privatteam entschieden, sodass keine Interessenkonflikte mit Porsche entstehen können.

"Ich möchte noch länger bei Porsche bleiben, ganz klar", verrät Jani. "In den kommenden Jahren wird die Formel E die Serie neben der Formel 1 sein, die am meisten einen Boom erleben wird. Das müsste allen klar sein. Ich habe ohnehin noch einen Porsche-Vertrag für das kommende Jahr. Über alles Weitere werden wir Ende des Jahres mal sprechen. Ich halte es für einen Vorteil, dass ich bei Dragon lernen kann." Möglich sei alles.

Janis kurzfristige Ziele für die vierte Saison sind ambitioniert, wenngleich nicht unrealistisch: Das Schweizer Talent will Pokale. "Ich gehe aufgrund dessen, wie die vergangene Saison für Dragon gelaufen ist, nicht davon aus, dass ich es sofort mit Sebastien Buemi und Co. aufnehmen kann. Ich würde gern ein paar Mal auf das Podium steigen, wenngleich das schwierig wird. Das muss aber mein Ziel sein", so der künftige Dragon-Pilot. In knapp 100 Tagen wird Jani in Hongkong erstmals die Chance haben, ums Podium zu kämpfen.

Foto: Porsche

von Timo Pape  

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