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Formel E: Piquet jr. & di Grassi uneinig über Streckenpläne für möglichen Rio E-Prix

Wenn es nach dem ehemaligen Formel-E-Meister Nelson Piquet jr. geht, könnte die Formel E bereits 2021 in Rio de Janeiro fahren. Das Rennen in Brasilien soll in der kommenden Saison den Santiago E-Prix ersetzen. Trotz politischer Unterstützung der Regierung ist derzeit noch unklar, wo die Strecke liegen soll.

Piquet strebt einen Kurs im Jacarepagua-Stadtteil im Zentrum von Rio an. Dort fuhr bereits 1978 sowie zwischen 1981 und 1989 die Formel 1. 2012 musste die Strecke für Anlagen der Olympischen Spiele 2016 weichen. "Die Location im Olympia-Park ist genau der richtige Ort", kündigte Piquet bereits im Januar bei 'Motorsport.com' an. Seit seinem Aus bei Jaguar vor rund einem Jahr bemüht er sich hinter den Kulissen intensiv um die Organisation eines Rennens in Brasilien. Der Rio de Janeiro E-Prix wird politisch von Jair Bolsonaro, dem Präsidenten Brasiliens, unterstützt. Der 64-Jährige unterzeichnete im November eine Absichtserklärung für den Lauf.

Aus finanziellen Gründen zweifelt Piquets Landsmann Lucas di Grassi die Umsetzbarkeit des Rio E-Prix jedoch an. "Wir haben schon so viele Verträge unterschrieben", sagt der Audi-Pilot - und ewige Rivale Piquets - der brasilianischen Ausgabe von 'Motorsport.com'. "Ich war an den Verhandlungen und der Streckenplanung von Rennen im Flamengo-Park in Rio und in Sao Paulo beteiligt. Es gab sogar mal Gespräche über ein Rennen in der Nähe des Mineirao-Stadions in Belo Horizonte, aber auch daraus wurde nichts. Und auch wenn jetzt wieder Verhandlungen mit Rio geführt werden, ist die Stadt leider einer der schwierigsten Orte in Brasilien - allein schon wegen der (wirtschaftlichen) Situation in der Region."

Piquet teilt aus: "Das ist ein Schwanzvergleich"

Di Grassi befürwortet stattdessen ein Rennen in seiner Heimatstadt Sao Paulo - oder zumindest im Marina-da-Gloria-Yachthafen von Rio. Nelson Piquet jr. sieht in den Vorschlägen des Audi-Werksfahrers einen persönlichen Angriff: "Er will, dass es so aussieht, als könnte ich die Formel E nicht nach Brasilien holen", teilt er aus. "Er möchte Bolsonaros Unterstützung nutzen, um die Leute auf die Seite seines Streckenentwurfs zu ziehen. Er will mich lächerlich machen, das ist ein Schwanzvergleich. Er ist eben der alte Lucas, ich habe nichts anderes erwartet."

"Sein Vorschlag ist völlig absurd", so Piquet, "allein schon, weil es keine Möglichkeit gibt, den Verkehr in der Marina-da-Gloria-Gegend umzuleiten. Die Formel E passt dort gar nicht hin, zum Beispiel aufgrund des TV-Compounds und anderen Anlagen. Ich weiß wirklich nicht, wovon er spricht."

Di Grassi will Kurs mit Blick auf Christus-Statue

Di Grassi antwortet auf die Kritik seines Langzeit-Rivalen kühl: "Dazu habe ich nichts zu sagen. Es ist letztlich auch in meinem Interesse, wenn die Formel E kommt. Ich habe es zweimal als Promoter versucht. Jetzt macht es Nelson - und ich bin glücklich damit. Die einzige offiziell abgenommene Strecke in Rio ist trotzdem weiterhin diejenige, die ich für den Hafen entworfen habe: im Schatten der Christus-Staute und des Zuckerhuts. Letztlich ist es mir aber egal, solange es eine Strecke mit vielseitig einsetzbarer Infrastruktur ist."

In einer anderen Konfiguration soll die Formel-E-Anlage eines Tages auch für andere Rennserien genutzt werden, beispielsweise für die IndyCar-Meisterschaft. Ob es überhaupt so weit kommt, steht allerdings weiterhin in den Sternen. Denn unabhängig von den noch offenen Fragen zur Streckenführung gibt es nach aktuellem Stand noch keine offiziellen Aussagen zu einer Verlegung des obligatorischen Südamerika-Rennens von Chile nach Brasilien

von Tobias Bluhm  

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