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Formel-E-Rennen zu vorhersehbar? Fahrer besorgt über "Vollgas-Rennen"

In der neuen Formel-E-Saison 2018/19 scheint dem Energiesparen weniger Bedeutung zuzukommen als in der Vergangenheit. Zwar steht den Piloten in ihren neuen Gen2-Fahrzeugen mit 52 kWh fast doppelt so viel Energie wie bislang zur Verfügung. Doch die leichte Verkürzung der Rennlänge auf 45 Minuten plus eine Runde sorgt zeitgleich dafür, dass in den Läufen der Formel E weniger Energie zurückgewonnen werden muss als bislang. Die ersten Fahrer sorgen sich bereits um die Unvorhersehbarkeit der E-Prix.

"Bisher hat in der Formel E das Energiemanagement immer eine große Rolle in der Rennstrategie eingenommen", erläutert Audi-Fahrer Lucas di Grassi bei 'Motorsport.com'. "Man konnte mehr Energie zu Beginn oder am Ende des Rennens benutzen. Inzwischen fahren wir aber schon fast mit Vollgas. Dadurch macht jeder das Gleiche. Das nimmt uns die Unvorhersehbarkeit."

Auch di Grassis Audi-Teamkollege Daniel Abt zeigte sich im Interview mit 'e-Formel.de' bereits nach dem Diriyya-Saisonauftakt besorgt über die "Vollgas-Rennen" der neuen Saison. "Die 25 kW reichen nicht zum Überholen aus", sagte er uns damals in Bezug auf den Attack-Mode, "gerade weil wir in diesem Jahr ohnehin schon fast ohne Lifting auskommen und das ganze Rennen so gut wie Vollgas fahren."

In den vergangenen vier Jahren nahm die Rekuperation von Energie in der Formel E eine wichtige Rolle ein. Dabei luden die Fahrer ihre 28-kWh-Akkus vor der Bremszone einer Kurve gewissermaßen auf, indem der Motor in eine Art "Generator-Modus" schaltete und die Energie der Rotation des Motors in die Batterie gespeist wurde. Rund ein Fünftel der gesamten Akkukapazität konnte so während der Rennen "zurückgeholt" werden.

Grund für den Rückgang der benötigten Rekuperation ist einerseits das leicht verkürzte Rennen. Im Schnitt dauerten die Formel-E-Rennen der vergangenen Saison rund 54 Minuten, also etwa ein bis zwei Runden mehr als im neuen Jahr. Andererseits erlaubt das intelligente Brake-by-Wire-Bremssystem, das elektronisch die ideale Balance zwischen Rekuperation und Bremsbalance steuert, ein schnelleres Fahren.

Felix da Costa: "So sollte Motorsport sein"

"Das Diriyya-Rennen war eigentlich vom Start an ein Vollgas-Rennen. Ich finde es so aber cooler", argumentiert BMW-Rennsieger Antonio Felix da Costa. "Du musst dich mehr konzentrieren, gerade auf den Strecken der Formel E. So sollte Motorsport doch sein. Abgesehen davon wollten wir doch ohnehin die Nachricht verbreiten, dass Elektroautos ein ganzes Rennen durchstehen können, ohne zur Halbzeit getauscht werden zu müssen."

Ob die Rekuperation auch im weiteren Verlauf der Saison ein brisantes Thema bleibt, ist nur schwer vorhersehbar. Tendenziell scheinen die Rennen aber eher zu "Vollgas-Läufen" als zu Energiespar-Rennen zu werden. Einige wird dies freuen, andere nicht. Der nächste Lauf der Formel E findet am kommenden Wochenende in Marrakesch statt.

von Tobias Bluhm  

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Kommentar von EffEll |

eigentlich ist es doch genau das, was "alle" immer wollten?
Jetzt ist wieder der echte Racer gefragt.
Klar, den Sparfüchsen wie eben jene Audi-Fahrer, die sich im Rennen immer weit nach vorne spülten, aufgrund ausgeklügelten Energiemanagement, wurde somit der Vorteil entzogen.
Mit dem Attack-Mode schienen sie - im Gegenteil zu einigen anderen - nichts anfangen zu wissen.
natürlich beschweren sie sich jetzt. Dieser hart erarbeitete Energievorteil war deren Erfolgsgarantie.
Jetzt spielt das aber offenbar keine Rolle mehr und nicht der effizienteste, sondern der schnellste Fahrer gewinnt. Ob das jetzt ein Vor- oder Nachteil ist, liegt an Sichtweise und Ausgangssituation. Ich glaube mir gefällt es! Paradoxerweise scheint die FE nun eine Rennserie zu sein, bei der man sich nicht mit Reifen- oder "Spritsparen" rumärgern muss. Selten genug heutzutage. Verkehrte Welt?!

Kommentar von Helmut |

Voll deiner Meinung. Zudem sehe ich nicht den 100%igeb Zusammenhang zwischen Unvorhersehbarkeit und Energiesparen.
Die Formel 1 ist zu einer Sparmeisterschaft ersten Ranges verkommen (Sprit und vor allem Reifen) ist aber dennoch (oder gerade deswegen) extrem vorhersehbar

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