Sam-Bird-Virgin-Santiago

Formel E: Bird siegt in Santiago, Wehrlein wird 2., Abt auf Platz 3

Sam Bird hat den Santiago E-Prix 2019 der Formel E gewonnen. Der Virgin-Fahrer mit Audi-Antrieb behielt bei 37 Grad Celsius in Chile einen kühlen Kopf und setzte sich gegen Pascal Wehrlein im Mahindra durch, der gleich in seinem zweiten Formel-E-Rennen Zweiter wurde. Auf Rang 3 fuhr Audi-Fahrer Daniel Abt, der von einer nachträglichen Durchfahrtsstrafe gegen Alex Sims (BMW) profitierte und dessen Podiumsplatz erbte.

Schon am Start lief es gut für Bird. Der Brite ging zunächst vorbei an Abt, der sich seinen Platz jedoch wenig später zurückholen konnte. Bird ließ nicht locker und überholte Abt in Kurve 13 erneut. Weiter hinten kam es zum Kontakt zwischen Oliver Turvey und Nelson Piquet jr. Der Brite fuhr dem Jaguar-Piloten ins Heck. Lucas di Grassi, der direkt dahinter fuhr, kürzte daraufhin die Schikane ab, was zu einer Untersuchung führen aber ungesühnt bleiben sollte. Zudem blieb schon nach einer Runde Tom Dillmann im NIO stehen, konnte sein Auto aber neustarten und vorerst weiterfahren.

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Buemi, der Platz 1 am Start behaupten konnte, baute seine Führung in den ersten Runden auf gut 1,5 Sekunden aus. Dann zündete der Spitzenreiter seinen ersten von zwei Attack-Modes, um sich weiter abzusetzen. Bei der Aktivierung ging der Zweitplatzierte Wehrlein beinahe vorbei. Buemi blieb jedoch vorn und setzte sich während seiner vier Minuten mit 225 kW wieder um mehr als zwei Sekunden ab.

Felix da Costa dreht Vergne

Dann der erste größere Aufreger: Antonio Felix da Costa bekam beim Anbremsen auf die Haarnadelkurve einen Stoß von hinten und drehte daraufhin den vor ihm fahrenden Jean-Eric Vergne, der seinerseits die meiste Zeit bei der Kollision verlor. Bird kämpfte sich derweil im Attack-Mode am Ende der Start- und Zielgeraden an Wehrlein vorbei - das Manöver, das später den Sieg bedeuten sollte. Wehrlein holte sich direkt im Anschluss seinen ersten Attack-Mode, konnte aber nicht kontern.

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Bird nahm seinerseits die Verfolgung von Buemi auf und kämpfte sich innerhalb von einer Runde bis ans Heck des Nissan heran. Für einen Angriff reichte der Attack-Mode des Briten jedoch nicht mehr. Alexander Sims im BMW gewann derweil Plätze gegen Maximilian Günther und Stoffel Vandoorne. Im Zweikampf mit Edo Mortara drehte er den Italiener allerdings, was zu einer Zeitstrafe nach Rennende führen sollte.

Weiter hinten kam es ebenfalls zu einem Dreher: Lucas di Grassi rauschte beim Anbremsen mit Geschwindigkeitsüberschuss heran und fuhr praktisch unter das Auto von Jose Maria Lopez. Der Argentinier drehte sich und verlor viel Zeit. Sein Dragon-Teamkollege Günther hatte sich kurz zuvor mit Felipe Massa duelliert. Der Deutsche setzte sich durch und zwang Massa auf die Außenbahn. Oliver Rowland nutzte die Chance und ging ebenfalls an Massa vorbei, wobei er den Brasilianer allerdings gegen die Mauer drückte.

Günther blieb wenig später mit einem technischen Fehler stehen - wieder kein Glück und keine Punkte für den Deutschen. Es folgte eine Full-Course-Yellow-Phase, um den Dragon von Günther zu bergen. Indes verkündete die Rennleitung die Gewinner des FANBOOST-Votings: Vandoorne, Abt, Buemi, Felix da Costa und d'Ambrosio sahnten diesmal die Zusatzenergie ab.

Beim Neustart scherte Bird auf Start/Ziel aus und griff Buemi an, blieb aber dahinter. Dann bereits der nächste Schreckmoment: Vandoorne krachte nach einem bis dato starken Rennen in Kurve 3 ohne ersichtlichen Grund in die Mauer und beschädigte die Front seines HWA - die nächste Full-Course-Yellow-Phase. Während sich Vandoorne an die Box zurückschleppte, lief das Führungstrio auf ihn auf und verlangsamte - aus Angst, unter Full-Course-Yellow zu überholen. Zum Neustart waren die drei Führenden - Buemi, Bird und Wehrlein - somit sehr nah beisammen. Buemi wehrte die ersten Angriffe von Bird jedoch erneut ab.

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Buemi verliert die Nerven

Nach knapp einer halben Stunde wurde der Druck schließlich zu groß: Buemi leistete sich einen folgenschweren Fehler und krachte in Kurve 7, wo er bereits am Morgen verunfallt war, in die Mauer. Mit zerstörter Front fuhr er zurück an die Box - wild fluchend am Funk - und stieg letztlich frustriert aus. Bird lag fortan in Führung vor Wehrlein. BMW-Pilot Sims hatte sich im Attack-Mode an Abt vorbeigekämpft und belegte nun Position 3. Dann holte sich auch Abt seinen zweiten Attack-Mode und kam wieder näher heran, jedoch nicht vorbei. Jean-Eric Vergne musste das Rennen nach einem erneuten Dreher, diesmal in Kurve 3, beenden. Und auch Felix da Costa fuhr an die Box und stieg aus - wohl in beiden Fällen die Folgen des Kontaktes zuvor.

Abt griff Sims mit seinem FANBOOST an, kam jedoch nicht vorbei und fiel stattdessen wieder gut zwei Sekunden zurück. Weiter hinten kämpften sich Robin Frijns, Andre Lotterer und Mitch Evans voran. Frijns duellierte sich vor allem aufs Schärfste mit Mortara - ein packender Zweikampf. An der Spitze hielt Bird den Vorsprung auf Wehrlein konstant bei ungefähr anderthalb Sekunden. Der Deutsche hatte im Gegensatz zum Briten jedoch noch einen Attack-Mode übrig.

Gut sechs Minuten vor dem Ende holte sich Wehrlein seinen letzten Attack-Mode und kämpfte sich entsprechend bis auf 0,1 Sekunde heran, fand jedoch keinen Weg vorbei. Ein packendes Duell um den Sieg entwickelte sich. Zwar lief der Attack-Mode von Wehrlein schließlich aus, doch Hoffnung bestand weiterhin, denn er noch gut zwei Prozent mehr Energie im Akku. Weiter hinten blieb unterdessen Oliver Rowland stehen - das Doppelaus für Nissan e.dams.

Zwei Runden vor Schluss ließ Wehrlein schließlich abreißen, da seine Batterie-Temperatur nach dem Attack-Mode-Einsatz das Limit erreichte. Um einen Shutdown zu verhindern und Platz 2 zu sichern, ließ er sich fallen. Bird ging folgerichtig mit mehr als fünf Sekunden Vorsprung in die letzte Rennrunde. Somit passierte auf den letzten Metern nichts mehr - der Sieg für Bird in Santiago war perfekt. Wehrlein rettete sich als Zweiter ins Ziel. Sims komplettierte zunächst das Podium, erhielt aber eine nachträgliche Zeitstrafe für sein Manöver gegen Mortara und wurde letztlich nur Achter.

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D'Ambrosio bleibt vorn, Virgin übernimmt Spitze

In der Gesamtwertung liegt Jerome d'Ambrosio (44) weiterhin in Führung, allerdings nur noch einen Punkt vor Bird (43). Mit jeweils 28 Zählern folgen Antonio Felix da Costa, Robin Frijns und Jean-Eric Vergne. Bester Deutscher ist Daniel Abt auf Rang 7. Andre Lotterer und Pascal Wehrlein folgen direkt dahinter.

Bei den Team hat Virgin Racing die Gesamtführung übernommen. Mahindra Racing und DS Techeetah folgen auf den Plätzen 2 und 3. Durch das erste Podium der Saison hat Audi die Verfolgung des viertplatzierten BMW-Teams aufgenommen - Position 5 nun für die Ingolstädter. HWA bleibt nach drei Saisonläufen das letzte Team ohne Punkte auf dem Konto.

Das nächste Formel-E-Rennen findet in drei Wochen am 16. Februar in Mexiko-Stadt statt.

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von Timo Pape 

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Kommentar von Horatio |

Der Crash von Vandoorne war wirklich sehr schade. Nach Ansicht der Wiederholung, dürfte er einfach zu schnell in die Kurve hineingefahren sein? In etwa derselbe Fehler wie von Buemi.

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