Jean-Eric-Vergne-Techeetah-Formula-E-Paris-Win

Formel E: Jean-Eric Vergne siegt in Paris, kurioser Unfall kurz vor Schluss

Jean-Eric Vergne hat den Paris E-Prix der Formel E gewonnen. Mit einem ungefährdeten Start-/Zielsieg baute der Franzose beim Heimspiel seinen Vorsprung in der Gesamtwertung weiter aus. Dahinter ging es jedoch zur Sache - bis zur letzten Kurve. Lucas di Grassi im Audi holte zum dritten Mal in Folge den zweiten Platz, Sam Bird wurde mit drei Rädern am Auto noch Dritter. Maro Engel kam als bester Deutscher auf Rang 4 ins Ziel. Sebastien Buemi wurde Fünfter.

Am Start lief es für Techeetah bereits gut: Vergne konnte seine Pole-Position verteidigen, während Teamkollege Andre Lotterer an Bird vorbeiging. Antonio Felix da Costa verlor derweil seinen guten fünften Startplatz direkt an di Grassi und Buemi. Weiter hinten im Feld krachte es wenig später gehörig, als Tom Blomqvist mit relativ hoher Geschwindigkeit Nico Prost ins Heck krachte. Noch bevor die Rennleitung auf Full-Course-Yellow entschied, um die Unfallstelle aufräumen zu lassen, holte sich Bird den zweiten Platz von Lotterer zurück.

Nachdem das Rennen wieder freigegeben wurde, drehte Daniel Abt so richtig auf. In kurzer Zeit machte er vier Plätze gut und kämpfte sich in die Top 10 vor - unter anderem mit einem starken Manöver gegen Felix Rosenqvist. Felix da Costa verbremste sich hingegen gleich nach dem Re-Start und musste den Notausgang nehmen. Der Portugiese kam wenig später an die Box und gab auf - enttäuschte Gesichter bei Andretti nach einem beeindruckenden Qualifying.

Strategie von Lucas di Grassi geht auf

Während sich die Top 3 - Vergne, Bird und Lotterer - kontinuierlich von Engel absetzen konnten, verteidigte der Deutsche tapfer seine vierte Position. Di Grassi und Buemi hinter ihm ließen es schließlich etwas ruhiger angehen und sparten somit viel Energie, um später an die Box kommen zu können. Tatsächlich kam di Grassi nach seinem Boxenstopp knapp vor Engel wieder heraus und übernahm Platz 4, während Buemi direkt vor Abt zurück auf die Strecke kam und sich über einige Runden gegen den Deutschen erwehren musste.

An der Spitze tat sich beim Fahrzeugwechsel nichts. Einige Runden später startete Lotterer jedoch den Angriff auf Bird und bremste sich brutal vorbei. Er erwischte geradeso noch die Kurve, es kam zum Kontakt  - dennoch die neue Doppelführung für Techeetah. Di Grassi nutzte den kurzen Durchhänger von Bird aus und schnappte sich den Virgin-Fahrer ebenfalls.

Wenige Runden vor dem Ende entschied Daniel Abt das Duell mit Sebastien Buemi letztlich für sich. Dank FANBOOST, den er neben Buemi und di Grassi gewonnen hatte, und einem entschlossenen Willen ging der Audi-Fahrer auf der Innenbahn vorbei. Während Abt die Fährte von Engel aufnahm, erhöhte Teamkollege di Grassi weiter vorn den Druck auf Lotterer. Zwischenzeitlich war der Brasilianer schon gleichauf, doch Lotterer machte die Tür zu - Frust am Funk bei di Grassi.

Bird im Dreirad über die Ziellinie

In der letzten Runde wurde es kurios. Während Vergne einen nie gefährdeten Sieg nach Hause brachte, flogen hinter ihm noch die Fetzen: Lotterer ging wenige Kurven vor Schluss die Energie aus. Er "kroch" in Richtung Ziel, di Grassi raste an ihm vorbei. Bird konnte dem langsamen Fahrzeug im kurvigen, engen Teil der Strecke nicht mehr ausweichen und krachte Lotterer ins Heck. Mit drei Rädern an seinem Virgin rettete sich Bird noch als Dritter über die Ziellinie, während Lotterer schließlich als Sechster über den Strich rollte.

Engel und Buemi rückten somit noch jeweils eine Position vor, während Abt kurz vor Schluss noch einen Platz einbüßen musste und am Ende nur Siebter wurde. "Leider habe ich noch einen Platz verloren, weil mein... bester Freund Buemi meinte, er könnte noch in der Schikane innen reinstechen", beklagte Abt, der mit dem Ergebnis nach Startplatz 14 trotzdem "super zufrieden" war, kurz nach dem Rennen.

Vergne & Techeetah auf Titelkurs, Audi jetzt 3.

Nach seinem dritten Saisonsieg hat Vergne vier Rennen vor dem Ende der diesjährigen Meisterschaft beste Chancen auf den Titel. Im Gesamtklassement hat er durch die 28 Zähler aus Paris nun 31 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten Bird. Er könnte sich also sogar einen Ausfall in Berlin leisten und wäre immer noch vorn. Die Chancen des Drittplatzierten Felix Rosenqvist, der nun schon 61 Punkte Rückstand auf Vergne hat, sind nach dem Paris E-Prix abermals geschrumpft. Auch wenn theoretisch noch zehn Fahrer Meister werden könnten.

In der Teamwertung konnte Techeetah - das einzige Kundenteam in der Formel E - seinen Vorsprung auf 55 Punkte ausbauen. Audi Sport ABT Schaeffler hat indes den dritten Gesamtrang von Mahindra übernommen und liegt jetzt hinter DS Virgin. Venturi holte mit zwölf Zählern sein zweitbestes Saisonergebnis nach Hongkong - allein dank Maro Engels viertem Platz.

Das nächste Formel-E-Rennen findet am 19. Mai, also in drei Wochen, auf dem stillgelegten Flughafengelände Tempelhof in Berlin statt.

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

Das provisorische Ergebnis des Paris E-Prix

von Timo Pape 

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