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Warum Montreal für sein Formel-E-Rennen bezahlen muss - und Berlin nicht

Wie viel Geld ein Formel-E-Rennen eine Stadt kosten kann, wird derzeit den Stadtautoritäten in Montreal bewusst. Rund eineinhalb Monate vor dem Elektro-Spektakel in der Hauptstadt von Quebec beträgt die Summe der Ausgaben für das Event bereits weit über 23 Millionen kanadische Dollar. Pikant: Keine andere Stadt im aktuellen Rennkalender hat einen einzigen Cent für das Formel-E-Rennen ausgeben müssen. Die Steuerzahler sind verärgert.

Schließlich sind es letztendlich die rund 1,7 Millionen Montrealer, die auf den Kosten sitzen bleiben. Kürzlich segnete die Stadtverwaltung einen weiteren Kredit von 10 Millionen Dollar ab, um die Organisation des Events finanziell abzusichern. Kann der Teil nicht zurückgezahlt werden, muss die Stadt dafür aufkommen.

Ganz anders sieht das Bild in Berlin, Paris und New York aus: "Das gesamte Event wurde von den Organisatoren und ihren Sponsoren finanziert und geleitet - inklusive der Wiederherstellung vom Asphalt", heißt es beispielsweise aus dem Bürgermeisterbüro in Paris, wie 'Radio Canada' berichtet.

Eine ähnliche Antwort gibt es aus New York: "Die Stadt subventioniert das Formel-E-Rennen nicht, wenngleich wir natürlich sehr froh sind, solch ein spannendes Event bei uns austragen zu können." Auch Berlin, Monaco, Marrakesch und Hongkong haben ähnlich geantwortet. Wie kommt es also, dass Montreal mehrere Millionen Dollar in die Formel E investiert?

"Jede Stadt hat ein eigenes Wirtschaftsmodell", verteidigt der Pressesprecher des Montrealer Bürgermeisters Denis Coderre das Event. "Unser Konzept zielt darauf ab, den Erfolg des Events zu maximieren. Wir wollen zeigen, dass Montreal eine Motorsport-Metropole ist. Nicht zuletzt haben wir deswegen einen Langzeit-Vertrag mit der Formel E."

24 Millionen Dollar - aber wofür?

Monatelang kämpfte Coderre hinter verschlossen Türen um den Slot im Formel-E-Rennkalender. Das Event in der Innenstadt sollte eines der Highlights der 375-Jahr-Feier zum Bestehen von Montreal werden. Laut Medienberichten wurde der Vertrag mit der Formel E auf sechs Jahre geschlossen.

Aber wofür genau muss Montreal eigentlich solch horrende Summen zahlen?

Zweck

Ausgaben

Auf- und Abbau der Strecke

8.996.775,95 $

Antrittsgebühren der Stadt Montreal

150.506,00 $

Homologation der Strecke

226.155,83 $

Rechte am ePrix

1.500.00,00 $

Versch. Gehälter und Honorare

250.000,00 $

Streckensicherung (Barrieren, Fangzäune…)

7.525.502,02 $

Entschädigung der Bürger für Parkplätze

80.000,00 $

Straßensanierungen

4.416.598,46 $

Streckenplanung

454.151,25 $

Qualitätsmanagement

250.000,00 $

TOTAL

23.849.669,51 $

Wie verlässlich die Zahlen von 'Radio Canada' sind, können wir derzeit nicht sagen. Nichtsdestotrotz scheinen die Schätzungen realistisch zu sein, denn die Zahlen für die Formel-E-Gebühr sowie die Straßensanierungen sind seit einigen Monaten bekannt.

Probleme mit der Finanzierung scheint Montreal trotz der hohen Ausgaben für die Formel E aber nicht zu haben. Coderre sei nach wie vor zuversichtlich, dass viele Firmen aus dem Quebecer Umland das Event als Sponsor unterstützen werden und im Rahmen der Formel E neue Partnerschaften schließen können. Den Steuerzahlern dürfte das aber eher egal sein…

von Tobias Bluhm  

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Kommentar von Tobias Wirtz |

Soweit ich das erkennen kann, sind in der Auflistung von Radio Canada nahezu sämtliche Ausgaben aufgelistet, die das Event verursacht - Einnahmen wie durch Ticketverkäufe, Sponsoren oder Standgebühren gibt es dort jedoch keine.

Viele der Kosten fallen natürlich auch nur einmalig an, bei einer erneuten Ausführung des Rennens 2018 (bei gleicher Streckenführung) werden weder Straßensanierungen, noch Anschaffungskosten für Barrieren und Fangzäune, noch die Streckenplanung erneut Kosten verursachen. Das senkt die Kosten um mindestens 50%, während die Einnahmen zukünftig mindestens konstant, eher sogar steigend sein dürften. Außerdem wäre die Straßensanierung ja irgendwann sowieso notwendig gewesen.

Gibt es denn für den Montreal ePrix keine Organisations-Firma, die die Kosten schultert, so wie in Berlin z.B.?

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