Gunther-vs-Techeetah-Marrakesh

Günther & Vergne kommentieren "intensive" Energie-Schlacht von Marrakesch

Was für ein Duell: In den letzten Runden des Marrakesch E-Prix kämpften der amtierende Formel-E-Meister Jean-Eric Vergne und Emporkömmling Maximilian Günther um den zweiten Platz. In der vorletzten Kurve setzte sich der junge Deutsche mit einem starken Überholmanöver durch. Nach dem Rennen zeigten sich beide sehr zufrieden.

"Der Kampf gegen die beiden Techeetah-Autos war auf jeden Fall intensiv", beschreibt Günther sein fünftes Rennen für BMW. "Am Ende war es sehr spannend mit JEV, als er mich in den letzten Attack-Mode-Sekunden überholt hat. Seine Aufholjagd heute war beeindruckend", lobt der junge Deutsche den Champion.

Am Ende zahlte sich jedoch - wie schon in Santiago gegen Antonio Felix da Costa - die Energieeffizienz des BMW-Piloten aus: "Wir wussten, dass wir das Rennen mit Blick auf die Energie managen können. Wir hatten einen Vorteil ihm gegenüber, den wir in den letzten Momenten des Rennens ausgespielt haben. Das Überholmanöver zwei Kurven vor Schluss war natürlich ein tolles Gefühl. Ich bin glücklich mit P2 heute, das war ein gutes Rennen", so Günther.

Grenzwertige Verteidigungsmanöver

Vergne, der das 1. Freie Training am Freitag noch wegen einer starken Migräne hatte auslassen müssen, zeigte ein beeindruckendes Rennen. Von Startplatz 11 aus gestartet, arbeitete sich der Franzose stetig nach vorn und ging schließlich auch an Günther vorbei. Zu diesem Zeitpunkt sah es nach einem Doppelsieg für DS Techeetah aus, doch Vergne hatte bis dahin mehr Energie verbraucht als sein deutscher Kontrahent.

Im "Energiesparmodus" verteidigte sich Vergne lange Zeit mit aller Härte gegen Günther. Vor allem am Ende der Start- und Zielgeraden machte er einmal sehr spät die Tür zu - ein grenzwertiges Manöver, auch weil Vergne dabei mehrfach hin- und herzuckte. Günther konnte seinen BMW mit blockierenden Reifen gerade noch abfangen. In der letzten Runde gelang ihm jedoch der Überraschungsangriff: Günther täuschte erst rechts an, Vergne zog entsprechend mit, dann stach der Youngster links auf der Innenbahn hinein und machte die Kurve zu. Ein beherztes Manöver gegen den Routinier, das Günther auf Platz 4 der Fahrerwertung vorspülte.

Vergne: "Das stärkste Rennen meines Lebens"

"Ich habe im Rennen einfach alles gegeben, aber als mir mein Renningenieur nach der ersten Rennhälfte sagte, ich sei Vierter, konnte ich es gar nicht glauben", erinnert sich Vergne. "Gegen Ende hatte ich einen guten Zweikampf mit Max, aber ich war sicher, dass er mich letztlich überholen würde. Natürlich habe ich versucht, Platz 2 so gut es ging zu verteidigen, doch am Ende hatte ich keine Energie mehr im Auto. Ich freue mich, wieder auf dem Podium gewesen zu sein."

Vorausgegangen war ein wirklich harter Arbeitstag für Vergne: "Nachdem ich die letzten drei Tage schwer mit der Grippe zu kämpfen hatte und das 1. Freie Training verpasst habe, weil ich in Quarantäne war, kann ich mit voller Zufriedenheit sagen: Das war das stärkste Rennen meines Lebens!", meint der Franzose via Instagram. "Ich konnte mir heute Morgen nicht mal vorstellen überhaupt zu fahren. Dann von Platz 11 aufs Podium zu fahren - ich könnte nicht glücklicher sein." Gleichzeitig sei es "das härteste Rennen meiner ganzen Formel-E-Karriere" gewesen, erklärt er.

Vergne nach dem Rennen: "Wäre fast ohnmächtig geworden"

Vergne war am Freitagmorgen ins Krankenhaus gebracht worden, um sich verschiedenen Tests zu unterziehen. Unter anderem bestand ein Verdacht auf Coronavirus, der sich jedoch nicht bestätigte. Vergne musste zehn Stunden in Quarantäne verbringen, bis die Testergebnisse da waren. "Ich habe die letzten drei Tage im Bett verbracht und hatte nicht mal die Kraft, mich zu bewegen oder mir Wasser zu holen. Ich wurde in einem Krankenhaus in Marrakesch den ganzen Tag behandelt (...) und durfte zehn Stunden lang nicht aus meinem Zimmer", erklärt Vergne gegenüber 'The Race'.

Das 1. Freie Training habe er dennoch am Bildschirm verfolgen können. "Ich bin fast verrückt geworden und denke, da dürften noch ein paar Spuren an den Wänden sein! Ich habe immer noch hohes Fieber, und als ich (nach dem Rennen) aus dem Auto stieg, wäre ich fast ohnmächtig geworden. Ich habe alles aus mir rausgeholt", so Vergne.

Nach einem schwierigen Saisonstart ist der amtierende Champion wieder in den Top 10 angekommen: Mit 31 Zählern liegt Vergne nun auf dem achten Gesamtrang der Meisterschaft. Mit Blick auf die starke Pace seines DS Techeetah ist die Titelverteidigung durchaus im Rahmen des Möglichen.

von Timo Pape  

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