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Jann Mardenborough im Exklusiv-Interview: "Möchte einen Fuß in die Tür bekommen"

Im Rahmen des Paris E-Prix traf unser Redakteur Tobias Wirtz den britischen Nissan-Rennfahrer Jann Mardenborough, der als einer der ersten Gewinner der GT Academy bekannt wurde - einem gemeinsamen Förderprogramm von Nissan und Sony Playstation. In einem E-Sports-Wettbewerb konnten sich Playstation-Spieler als Nachwuchsrennfahrer für eine professionelle Rennfahrerkarriere qualifizieren. Mardenborough gelang der Sprung in den realen Motorsport. Er feierte seitdem diverse Siege und Podestplatzierungen in verschiedenen Formel- und GT-Klassen, unter anderem beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Aktuell tritt der Brite in der japanischen Super-GT-Meisterschaft an.

Mardenborough gilt als potenzieller Kandidat auf ein Cockpit im künftigen Formel-E-Team von Nissan. Die Japaner übernehmen bekanntlich zur kommenden Saison das e.dams-Teams von Allianz-Partner - zumindest Nico Prost steht nach sportlich überschaubaren Leistungen auf der Kippe und könnte durch den Briten ersetzt werden. Nach seinem Besuch beim Las Vegas eRace Anfang 2016 erlebte Mardenborough in Paris sein erstes Formel-E-Rennen - eine Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen konnten.

Jann, Premiere für dich in der Formel E, nicht wahr?

Genau, das ist mein erstes Formel-E-Rennen. Ich habe ein freies Wochenende, bin von Japan rübergekommen und dachte mir, Paris ist nicht so weit weg von meinem Wohnort.

Was denkst du über die Formel E?

Für mich ist das sehr beeindruckend. Sie ist wirklich sehr öffentlichkeitsnah. Ich liebe die Idee, Rennen in den Zentren von Großstädten zu fahren. Das hier ist das erste Rennen, bei dem ich bin, und es ist mitten in Paris. Ich kann gar nicht glauben, wie nah wir hier am Eiffelturm sind, man kann ihn von hier aus sehen. Die Besucher hier sind nicht notwendigerweise motorsportverrückt, denn das Rennen findet in einem Park statt. Es geht darum, mehr Menschen zum Motorsport zu bringen, und ich mag diese Idee und die Tatsache, dass die Formel E das schon bald fünf Jahre macht. Und jedes Jahr wird es besser.

Wie gefällt dir das Auto der Formel E?

Das aktuelle Auto sieht mit dem Doppeldecker-Frontflügel sieht bereits besser aus als die erste Version. Und das Auto, das nächste Saison kommt, sieht richtig cool aus. Es ist ein Fortschritt festzustellen in der Entwicklung - bei den Sponsoren und auch bei den Herstellern, die sich engagieren. Das lässt die Leute aufhorchen. Genau wie mich, auch ich bin heute interessierter als noch in der ersten Saison. Das ist großartig.

Du warst also im ersten Jahr bereits an der Serie interessiert. Viele Leute waren der Meinung, dass Elektroautos im Motorsport nichts zu suchen haben. Wie denkst du darüber?

Menschen auf der ganzen Welt verbrauchen ganz allgemein zu viel Energie. Die Formel E macht einen guten Job, den Leuten zu zeigen, dass man Motorsport machen und gleichzeitig auch sehr effizient sein kann. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird. Verbrennungsmotoren und Elektroautos koexistieren momentan noch ganz gut miteinander.

Die Formel E wird sicher noch größer, viel größer. Ich weiß nicht, wie sie sich in Zukunft entwickeln wird, aber ich glaube, es ist eine kluge Idee, sich jetzt zu engagieren. Die Hersteller, die jetzt einsteigen, werden die Serie noch weiter voranbringen. Es passt gut in die weltweite Mobilitätssituation, und man kann gut Dinge auf Straßenfahrzeuge übertragen, sowohl auf Hybride als auch auf reine Elektroautos. Es sieht für die Formel E gut aus. Sie macht den Menschen ihren Energieverbrauch bewusst, was für Millennials und Nach-Millennials ein wichtiges Thema ist. So wird die Serie immer beliebter. Und ich wünsche ihr viel Erfolg.

Siehst du deine persönliche Zukunft in der Formel E? Nissan wird nächste Saison einsteigen, da läge die Option ja auf der Hand...

Danke, das ist nett! Und genau deshalb bin ich auch hier. Ich bin im Paddock, um Leute zu treffen, um mit den Teams in Kontakt zu kommen und um Networking zu betreiben. Nismo (Nissan Motorsport) kommt in der nächsten Saison und übernimmt e.dams. Das ist gut, aber garantiert natürlich weder mir noch einem anderen Nissan-Fahrer einen Startplatz. Daher versuche ich, zu netzwerken, meinen Fuß in die Tür zu bekommen und zu sagen: Hallo Leute, ich bin hier. Ich bin ein Nissan-Werksfahrer, ich bin schnell und kann Auto fahren. Das ist das, was ich tue. Ich weiß nicht, was die Zukunft für mich bereithält.

Auch wenn es mit der Formel E nicht klappen würde - ausgelastet bist du ja...

Momentan liebe ich das, was ich in der GT500 tue (Top-Kategorie der japanischen Super-GT-Serie). Die Autos sind so cool! Sie sind so laut und so leistungsstark. Und die Rennen sind toll. Ich liebe das, was ich tue - aber ich kann meine Augen nicht von den anderen Dingen abwenden, die im Motorsport und ganz allgemein passieren. Ich werfe also meinen Blick auf das, was sonst noch im Motorsport passiert. Die Formel 1 ist ein anderer Traum von mir. Aber ich bin jetzt hier, um zu netzwerken und mir anzusehen, wie so ein Rennen abläuft. Und um mir ein Formel-E-Auto einmal in echt auf der Strecke anzusehen, im fünften Jahr der Serie. Ich weiß nicht, was passieren wird, aber ich möchte hier einen Fuß in die Tür bekommen.

von Tobias Wirtz  

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