Jean-Eric Vergne gewinnt Formel-E-Rennen in Sanya

Jean-Eric Vergne hat sich beim Formel-E-Rennen in Sanya seinen ersten Saisonsieg geholt. In einem souveränen Rennen setzte er sich beherzt gegen Oliver Rowland durch, der mit seinem Nissan auf Platz 2 ins Ziel kam. BMW-Pilot Antonio Felix da Costa vervollständigte das Podium als Dritter. Mit Andre Lotterer und Daniel Abt auf den Positionen 4 und 5 holten zwei Deutsche gute Punkteergebnisse, Pascal Wehrlein wurde Achter. Nach einem Unfall kurz vor Schluss ging der erste Sanya E-Prix unter Full-Course-Yellow zu Ende.

Aufregung war bereits kurz vor dem Start aufgekommen, denn sowohl Sebastien Buemi als auch Gary Paffett mussten aus der Box starten. Am Start selbst ging zunächst fast alles glatt. Pole-Sitter Rowland erwischte einen sehr guten Start und blieb vorn. Daniel Abt konnte Antonio Felix da Costa angreifen, blieb aber dahinter. Felipe Nasr kam am Start hingegen gar nicht weg, weshalb die Rennleitung Full-Course-Yellow ausrief. Nasr konnte seinen Dragon wenig später aber doch starten, sodass es nach gut fünf Minuten mit grünen Flaggen weiterging.

Dann das erste bedeutende Ereignis für die Meisterschaft: Der Gesamtführende Sam Bird kollidierte mit Stoffel Vandoorne und musste das Rennen schon früh aufgeben - keine weiteren Punkte für den Briten. Auch für HWA-Pilot Vandoorne, der Bird mit viel Tempo ins Heck krachte, ging es nicht weiter. An der Spitze machten vor allem die beiden BMW-Fahrer Druck auf ihre Vordermänner: Felix da Costa auf Vergne, Sims auf Abt. Zusammen konnten sich die Top 5 von Andre Lotterer und dem Rest des Feldes absetzen.

Nach etwas mehr als fünf Minuten fuhr Nasr schließlich an die Box und musste sein Rennen ebenfalls früh aufgeben. Derweil aktivierten die ersten Fahrer den Attack-Mode, darunter Felipe Massa, Buemi und Nelson Piquet jr. Lucas di Grassi hingegen erwischte die Attack-Zone nicht richtig und verlor stattdessen Zeit - Stirnrunzeln bei Audi-Teamchef Allan McNish.

Spitzengruppe dicht beisammen

Weiterhin fuhren die Top 5 sehr eng beisammen innerhalb von zwei Sekunden. Rowland führte die Gruppe weitgehend souverän an. Weiter hinten im Feld rutschte Mitch Evans ins Heck von Oliver Turvey und gewann dadurch eine Position. Die Situation wurde aber nicht untersucht. Jose Maria Lopez musste derweil auch den zweiten Dragon mit Problemen abstellen. Als FANBOOST-Gewinner verkündete die Formel E Lucas di Grassi, Sebastien Buemi, Antonio Felix da Costa, Daniel Abt und Stoffel Vandoorne.

Nach etwa 20 Minuten verschleppte die Spitzengruppe das Tempo zunehmend. Dadurch konnten Lotterer, Robin Frijns und di Grassi aufschließen. Der Brasilianer verpasste indes zum zweiten Mal die Attack-Zone und machte seinem Frust am Funk Luft. Durch die nicht geglückte Aktivierung wuchs sein Rückstand auf Frijns auf knapp fünf Sekunden an. Beim dritten Mal klappte es dann aber endlich für den Brasilianer. Während Paffett auch den zweiten HWA mit Problemen abstellen musste, meldete die Rennleitung, sich mit Felix da Costa und dessen Startprozedere zu befassen.

Action, Unfälle & Rennabbruch

Pünktlich zur Rennhalbzeit setzte Vergne den entscheidenden Move gegen Rowland. Sehr spät auf der Bremse stach er innen hinein und übernahm die Führung in Sanya. Rowland musste sich anschließend gegen Felix da Costa erwehren, der ihm beim Anbremsen sogar ins Heck rauschte und seine Nase leicht beschädigte. Anschließend musste sich der Portugiese selbst gegen Abt verteidigen und nutzte dazu seinen FANBOOST. Der andere BMW-Pilot hatte weniger Glück: Sims schlug im Zweikampf mit Lotterer mit dem rechten Hinterrad an der Mauer an - das Aus für den Briten. Die Rennleitung schickte das Safety-Car auf die Strecke, um den BMW, der ausgerechnet auf der langen Brücke stehen blieb, zu bergen.

Kurz zuvor war abermals Piquet am Kurvenausgang an der Mauer angeschlagen. Der Brasilianer zerbrach dadurch die Aufhängung seines Jaguar und fiel erneut aus. Die Luft wird immer dünner für den Meister der ersten Formel-E-Saison... Gegen Ende der Safety-Car-Phase holten sich die meisten Fahrer der Spitzengruppe ihren Attack-Mode. Dann jedoch ließ die Rennleitung völlig überraschend rote Flaggen schwenken, da das Auto von Sims noch immer an derselben Strecke stand. Der dritte Rennabbruch in Folge. Rennleiter Scott Elkins funkte an die Fahrer, dass die Unterbrechung nicht lange dauern werde, sie sollten in den Autos sitzen bleiben.

Di Grassi & Frijns verunfallen in der letzten Runde

Mit zehn verbliebenen Minuten auf der Uhr ging es in Sanya unter grünen Flaggen weiter. Da alle Fahrer der Spitzengruppe im Attack-Mode fuhren, passierte ganz vorn nicht viel. Dahinter kämpfte sich di Grassi allerdings mit Macht an Robin Frijns vorbei. Indes meldete die Rennleitung, dass Vergne untersucht werde, weil er womöglich das Safety-Car-Prozedere nicht einhalten habe. Sein Teamkollege Lotterer überholte seinerseits Abt und übernahm Platz 4. Auch di Grassi versuchte im FANBOOST, an Abt vorbeizukommen, blieb aber dahinter.

Gut drei Minuten vor dem Ende fragte Rowland sein Team per Funk, ob er alles für den Sieg riskieren sollte oder besser nicht. Die klare Antwort von Nissan: Ergebnis sichern. Der Führende Vergne hatte somit nicht mehr allzu viel zu befürchten. Ohne weitere Vorkommnisse lief die Zeit ab - noch eine Runde.

In der letzten Runde kam es zum dramatischen Unfall zwischen di Grassi und Frijns. Der Niederländer fuhr zu schnell in die Haarnadelkurve und schoss di Grassi ab, beide nahmen größeren Schaden. Ob Frijns seinerseits vom hinter ihm fahrenden Buemi angeschoben wurde, war aus den TV-Bilder nicht genau zu erkennen. Di Grassi stieg aus, während Frijns noch einmal weiterrollte und so zumindest in die Wertung kam. Die Rennleitung gab Full-Course-Yellow aus, und so ging das Rennen mit 50 km/h Tempolimit zu Ende.

Der amtierende Meister Jean-Eric Vergne sicherte sich in Sanya seinen ersten Saisonsieg vor Oliver Rowland und Antonio Felix da Costa. Andre Lotterer und Daniel Abt kamen auf den Punkten 4 und 5 ins Ziel. Beeindruckend: Buemi, der aus der Box gestartet war, beendete das Rennen als Sechster.

In der Gesamtwertung hat Felix da Costa wieder die Führung übernommen und liegt nun drei Punkte vor Jerome d'Ambrosio. Den größten Sprung machte natürlich Vergne, der nun bereits wieder Vierter ist. Rowland belegt nach seinem ersten Formel-E-Podest Rang 12. Bei den Teams hat Virgin trotz der Doppel-Nullnummer von Sanya noch die Nase vorn - einen Zähler vor dem Audi-Werksteam. DS Techeetah und Mahindra sind dem Führungsduo jedoch dicht auf den Fersen. Das nächste Formel-E-Rennen findet in drei Wochen, am 13. April, in Rom statt.

>>> zum provisorischen Rennergebnis von Sanya
>>> zur Gesamtwertung der Fahrer und Teams

von Timo Pape 

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Kommentar von Micha |

Schade das die Sportschau heute die Übertragung verschlafen hat. Im Hauptprogramm soll es 10 Minuten eine Zusammenfassung geben. Witzlos.

Bin auf Eurosport ausgewichen. Der Basis Stream ist zum Glück kostenlos.

Kommentar von EffEll |

@Micha:
Hat der Stream der hier im Rennvorschauartikel verlinkt ist nicht funktioniert? Wie kann es sein dass man vergessen hat zu übertragen? ZDF war da bisher eigentlich sehr zuverlässig. Konnte man dort sogar on demand nachträglich schauen. Ich konnte es heute nicht live sehen und habe daher auf Eurosport aufgenommen. Gut dass ich mich nicht auf den Stream on demand verlassen habe

Kommentar von Micha |

@EffEll die ARD war zuständig. Sie schrieben auf Twitter das es Technische Probleme gab. Haben aber mit einer 10 Minütigen kürzen inzwischen das Rennen bis zum 30.3. Hochgeladen nach kommentiert.

Wobei ich die Technischen Probleme nicht so glaube, auf Eurosport ging ja alles und woher nehmen die das ganze im nachhinein.

Will keine Werbung machen, Augen zu drücken. Das Video ist von der Sportschau hier zu finden: https://www.sportschau.de/formel-e/formel-e-sanya-102.html

Kommentar von Hch.-W. E.. |

Na ja...wirklich meckern kann man nicht!
Aber wieder, eigentlich banale Unfälle aber durch das Versagen der Organisation, Rennunterbrechung.... Thema Action, fand ich nicht wirklich. War alles so mehr oder weniger ein E-Auto Corso, Energie-Sparbrötchen Abt war das leuchtende Beispiel wie man auf Platz 4 fahrend Langeweile pur verbreiten kann. Und das schlimmste, jeder noch so einfache Überholvorgang stand unter "Beobachtung"...Vorschlag, einfach Abstandssensoren verbauen, dann piepst es bei der Rennleitung

Kommentar von EffEll |

@Micha: ja, die ARD ist seit dem letzten E-Prix zuständig, davor war es das ZDF. Da lief alles völlig problemlos. Die technische Umsetzung der ARD hatte mir schon beim letzten Rennen nicht gefallen,aber ein Totalausfall geht eigentlich gar nicht.
Danke für den link. Ich nehme mal an, dass das posten der Inhalte der FE von den ÖR hier kein Problem ist. Oder? ^^

Kommentar von EffEll |

@Hch.-W. E..:
Dass Überholmanöver mit Vollkontakt untersucht werden, finde ich nicht schlimm. Was mich bei dem Thema jedoch schon stört, sind Einblendungen von Untersuchungen, die technische Abläufe behandeln. Z.B. die Einblendung der Untersuchung von Vergne. "safety-car procedere" oder die, die den Ablauf beim Start untersuchten. Denn im Gegensatz zu den normalen Untersuchungen bei Zweikämpfen, die im Rennen mit dem Hinweis "no further action" aufgelöst wurden, ga es keine Entwarnung beim Thema Safety-Car- und Startablauf. Wenn ich mich recht erinnere gab es sogar noch eine zu dem full course yellow. Kann natürlich auch sein, dass ich die Einblendung dazu aufgrund von Werbepausen auf Eurosport verpasst habe. Da wurde ich mir mehr Aufmerksamkeit dazu von Oliver Sittler und Patrick Simon wünschen. Manche Einblendungen werden komplett ignoriert oder schlicht übersehen. Nach Zieleinlauf war ich mir mal wieder nicht sicher, ob der Rennsieger denn nun wirklich auch der Rennsieger ist. Was war denn nun mit der Untersuchung des safety-car procedere? Echt nervig

Kommentar von Tobias Wirtz |

Hallo zusammen, das Posten des Links zum ARD-Stream ist natürlich überhaupt kein Problem. Wer es gucken will, sollte sich aber beeilen - die Streams sind bei der ARD immer nur für 7 Tage abrufbar.

@EffEll: Zu den Strafen haben wir einen separaten Artikel. siehe hier: https://e-formel.de/kurzmeldungen/sanya-alle-strafen-im-ueberblick.html

Leider erfahren wir aber auch während eines Rennens nicht mehr, als im offiziellen Live-Timing oder im TV-Bild eingeblendet wird. Von der im TV und Livetiming eingeblendeten Untersuchung gegen Felix da Costa wegen des "Startablaufs" ist in den veröffentlichten, offiziellen Dokumenten gar nichts zu finden.

Dass Vergne lediglich eine Verwarnung bekommen hat, weil er zu viel Abstand hinter dem Safety-Car gelassen hat, erfuhren wir mehr als 3 Stunden nach Rennende, genauso wie von der Geldstrafe für di Grassi, weil er das Auto ohne Aufforderung verlassen und so (aus Sicherheitsgründen) die Full-Course-Yellow ausgelöst hat.

Hier hat die Formel E definitiv noch Verbesserungspotenzial in ihrer Kommunikation.

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