Patrik-Holzmann-ABT-eRace-Las-Vegas

Kommentar: Die Formel E hat eine Chance vergeben

Das Las Vegas eRace hätte das Jahrhundertevent im Simracing werden können. Noch nie schüttete ein Veranstalter so viel Preisgeld aus wie die Formel E, noch nie wartete so ein großes Publikum auf ein virtuelles Rennen. Zehntausende Spieler nahmen an der Qualifikation für das eRace teil, nur die zehn erfolgreichsten Gamer kamen ins Finale nach Vegas. Eine große Chance für die Simracing-Szene, sich endlich auf der großen Bühne zu beweisen. Doch dann lief es alles anders als geplant. Ein Kommentar.

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Die Durchführung des Vegas eRace grenzte an eine reine Katastrophe. Natürlich: Das Racing war erwartungsgemäß gut und das Feld kompetitiv - aber das Drumherum? Maximal unprofessionell.

Das Ganze zeichnete sich schon bei der Promotion der Qualifikationsserie "Road to Vegas" ab. Gemeinsam mit dem Veranstalter Cloud Sport startete die Formel E eine eigene Simracing-Liga, bei dem sich Fahrer aus aller Welt erst im Zeitfahren und dann im direkten Duell auf der virtuellen Strecke beweisen mussten. Das Simracing-Fahrerfeld: stark. Die Zuschauerzahlen: unterirdisch. Warum die Road to Vegas nicht mehr promotet wurde, weiß niemand. Vielleicht, weil sie sich eher an Simracer als an die breite Masse richtete.

Wo war der Livestream?

Doch viel schlimmer als die Qualifikationsphase war der Tag des Events selbst. Weshalb stellt man, wenn man schon die volle Aufmerksamkeit der großen Simracing-Community hat, keinen Livestream für die Trainings- und Qualifikationssessions bereit? Und nicht nur das: Auch ein Link zum offiziellen Live-Timing wurde kein einziges Mal von der Formel E geteilt. Allein der deutlich kleinere Cloud-Sport-Twitter-Account postete die unübersichtliche Seite erst zur Mitte des 2. Freien Trainings - keine Chance also für Fans, die Session zu verfolgen. Erst zum Qualifikationsrennen um Mitternacht bekamen europäische Fans die Chance, das Event per Twitch-Livestream zu verfolgen.

Ferner war nicht von Beginn an klar, worum es sich beim Las Vegas eRace handelt. Nicht nur an die offizielle Facebook-Seite der Formel E, sondern auch an uns richteten sich mehrere Fans und fragten, was das Vegas eRace eigentlich so besonders macht.

So eine schlechte Kommunikation darf schlicht und ergreifend nicht passieren. Ganz zu schweigen von den langen Wartezeiten auf Bilder oder Pressemitteilungen - aber das ist in der Formel E schon Gewohnheit. Ähnliche Verwirrung wegen schlechter Kommunikation galt übrigens für die Zeitzonen: Mal wurden die Zeiten in Las-Vegas-Zeit angegeben, mal in New-York-Zeit und mal in der London-Zeitzone.

Probleme mit der Hard- und Software

Aber nicht nur in der Organisation, sondern auch auf technischer Seite haperte es gewaltig. Die "Pods", also die Simulatoren, funktionierten nicht einwandfrei. Mehrere Fahrer, etwa Lucas di Grassi und Jerome d'Ambrosio, mussten wegen Hardwareproblemen aussetzen und konnten nicht am Rennen teilnehmen. Und die Renndistanz wurde in letzter Minute - ohne offizielle Bekanntgabe der Änderung - von 28 auf 20 Runden verkürzt. Grund dafür dürften die vorausgegangenen Verzögerungen wegen Hardware-Problemen gewesen sein. Vor dem eRace hatten die Simracer gut eine Viertelstunde auf ihren Playseats gehockt und auf den Start gewartet. Aber auch da fehlte uns irgendeine Art Kommentar des Veranstalters.

Die Krönung der Katastrophe "eRace" war jedoch der FanBoost-Fauxpas bei Olli Pahkala. Der Mahindra-Simracer bekam den Energieschub nämlich nicht für sechs Sekunden, sondern für sechs Runden zur Verfügung gestellt. Ein Fehler, der einem womöglich aufgefallen wäre, wenn man die Pods vorher auf ihre Funktionalität überprüft hätte. Auch die Probleme bei di Grassi, d'Ambrosio und Evans hätte man sich dadurch sparen können. Selbst Codemasters hätte das hinbekommen…

Die schwerwiegenden Technikprobleme werfen ein schlechtes Licht auf die Partnerfirmen, die Simracing-Szene und die Formel E. Das ach-so-große Formel-E-Event ließ leider viel Frust entstehen. Das Rennen selbst war gut, doch die Veranstaltung, in die es eingebettet war, ähnelte einer Katastrophe. Nichtsdestotrotz hat die Formel E am Wochenende den Grundstein für eine womöglich erfolgreiche Simracing-Zukunft gelegt.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg mit einer Menge Raum für Verbesserungen. Sehr viel Raum. Sehr viel.

In unserer neuen ePod-Folge diskutieren wir das Vegas eRace noch tiefergehend und evaluieren, was genau besser werden sollte.

von Tobias Bluhm  

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Nick Berndt |

sind das Formel E rennen oder Formel 1 ????????
ps. brauch noch einen Außenkontakt für mein Projekt würde mich über Antwort freuen

Kommentar von Timo |

Bitte??
Wenn du Hilfe bei irgendeinem Thema brauchst, schreib uns eine Mail mit allen wichtigen Infos, dann schauen wir, ob und wie wir dir weiterhelfen können: contact@e-formel.de

Kommentar von Jean Hoffmann |

Also ganz so düster würde ich es nicht sehen. Ich finde es aber gut, dass ihr die hohen Ansprüche weiter hochhaltet. Bin aber aus anderen Live-Sport Übertragungen auch noch viel schlechtere Fan-Behandlung gewohnt. Hab das Rennen natürlich nicht nachts um 1 verfolgt, und ich wäre wahrscheinlich als Fan für immer ausgestiegen, wenn ich es getan hätte und mit dem Mahindra-Sieger eingeschlafen, aber mit dem Dragon-Sieger aufgewacht wäre. Da ich sowas aber schon vom Berlin ePrix 2015 gewohnt war, hat es mich im Nachhinein auch nicht mehr gewundert. Ich hab das Rennen dann als Aufzeichnung gesehen, immerhin kam gestern dazu noch ein Link. Es hat eigentlich Spass gemacht anzuschauen, auch wenn ich das Ergebnis schon vorher kannte. War allerdings etwas erschrocken, über die Grafik von rFactor in Windows. Das Spiel scheint unter Simracern das Nonplusultra zu sein, aber andere Spiele sind heute da schon weitaus freundlicher zum Anschauen. Ich dachte 4K wird langsam zum Standard und 8K wäre neueste Technik. Da muß 2017 eigentlich mehr gehen. Warum muß mit so altbackener Software auf einer Avantgarde-Technikmesse gefahren werden? Nur weil die Simracer das seit Jahren so machen?

NEUESTE NACHRICHTEN

Race-at-home-challenge-New-York-Stoffel-Vandoorne

Race at Home Challenge: Vandoorne gewinnt virtuelles Formel-E-Rennen in New York

Stoffel Vandoorne hat den sechsten Lauf der "Race at Home Challenge" der Formel E für sich entschieden. In einem ereignisreichen Rennen auf der neuen virtuellen Strecke von New York City gewann ...
von Tobias Bluhm
Electric-Docks-Nico-Müller-GEOX-Dragon-Racing

Race at Home Challenge: Der virtuelle New York E-Prix im Live-Stream

Startschuss für das vorletzte Rennwochenende der Race at Home Challenge: Nach fünf ereignisreichen Meisterschaftsläufen biegen alle 24 Formel-E-Piloten sowie die "Challenger" am Samstag auf die Zielgerade der E-Sports-Meisterschaft ein. Auf der ...
von Tobias Bluhm
New-York-Simulation-rFactor-2

Vorschau zur Race at Home Challenge: Neue Strecke in New York, Audi startet ohne 2. Fahrer

Nach einer turbulenten Woche kehrt die Formel E am Samstag zurück zum "Tagesgeschäft" der Race at Home Challenge. Der sechste Lauf der E-Sports-Meisterschaft findet auf der virtuellen Piste in New ...
von Tobias Bluhm
Berlin-Tempelhof-Schriftzug-Formel-E

Formel E plant bis zu 6 Rennen in Berlin - womöglich auch bei Nacht & verkehrt herum

Die Formel E könnte in dieser Saison noch bis zu sechsmal (!) in Berlin fahren. Nach Informationen von 'e-Formel.de' diskutiert die Elektro-Rennserie aktuell die Option, zwei oder drei "Double-Header" in ...
von Timo Pape