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Lucas di Grassi: So muss das künftige Formel-E-Auto für Saison 8 (2021/22) aussehen

Die zweite Generation der Formel E steht kurz bevor. Doch noch ehe das neue Gen2-Auto am 15. Dezember in Riad erstmals an den Start geht, laufen bereits die Planungen für die fernere Zukunft. Ab Saison 8 (2021/22) kommt in der Elektroserie drei Jahre lang das Fahrzeug der dritten Generation zum Einsatz. Bereits im April tagten die Hersteller der Formel E, darunter auch Mercedes und Porsche, zu dieser Thematik in Genf.

Einer der größten Streitpunkte zwischen den Konstrukteuren ist laut 'e-racing365' bislang die mögliche Einführung eines Allradantriebs gewesen. Zwar könnte dieser die Fahreigenschaften des Autos deutlich verbessern und gleichzeitig bis zu 450 kW Rekuperation erlauben (ab nächster Saison 250 kW), doch würde er auch den Job der Fahrer vereinfachen und damit wohl auch die Show für den Zuschauer verschlechtern.

Davon abgesehen müsse die Formel E über den Zeitpunkt nachdenken, ab wann die Autos zu schnell für die engen Straßenkurse werden. Dieser Meinung ist zumindest BMW-Motorsportchef Jens Marquardt. Toto Wolff hingegen, der Mercedes in gut einem Jahr ebenfalls in die Formel E führen wird, sprach bei 'Welt kompakt' voller Vorfreude von einer Motorenoption mit 500 kW Leistung (680 PS) ab 2021. "Was mich an der Formel E fasziniert, ist nicht das, was heute ist, sondern das, was übermorgen sein wird", so Wolff vor einigen Monaten.

Di Grassis Ziel: Formel 1 ausbeschleunigen

In Zürich haben wir uns ausgiebig mit Lucas di Grassi zur Zukunft der Formel E unterhalten. Dem Audi-Piloten geht es dabei nicht zwingend um Maximalleistung oder Endgeschwindigkeiten: "Wenn ich das künftige Gen3-Auto konzipieren würde, hätte ich dabei vor allem ein Ziel: schneller von 0 auf 200 km/h beschleunigen als ein Formel-1-Auto", erklärt di Grassi im Gespräch mit 'e-Formel.de'. "Alles andere, wie zum Beispiel die Rundenzeiten, ist mir relativ egal, denn wir setzen auf ein ganz anderes Reifenkonzept (mit weniger Grip) und haben viel weniger Anpressdruck. Aber wenn wir schneller als die Formel 1 beschleunigen könnten, das wäre schon was!"

Für den Meister von 2017 geht es beim E-Rennwagen von übermorgen vielmehr darum, das Gesamtkonzept des Autos zu optimieren. "Das neue Gen2-Auto ist bereits ein kleiner Schritt nach vorn, eine klare Verbesserung verglichen mit dem bisherigen Auto. Aber ein Elektroauto muss unbedingt ein völlig anderes Design haben als ein Verbrenner. Das Design muss für den Elektroantrieb optimiert werden - sie dürfen nicht einfach nur einen E-Motor in ein Verbrenner-Design stecken."

Ein Schlüsselfaktor sei dabei die Form und Position des Energiespeichers, der enorm viel Gewicht auf die Waage bringt und somit erheblich das Fahrverhalten beeinflusst. "Die Batterie muss im Fahrzeugboden verbaut werden", meint di Grassi und denkt dabei an die bereits gängige Anordnung bei Serien-E-Fahrzeugen. "Gleichzeitig brauchen wir einen großen Diffusor (leitet Luft unter dem Fahrzeugboden entlang), der wiederum mit der Batterie zusammenhängt. Man hätte ganz andere Kühleigenschaften, weil man im Vergleich zu einer würfelförmigen Batterie viel mehr Fläche zum Kühlen nutzen könnte."

Batterie könnte der Schlüssel sein

Auch eine bessere Gewichtsverteilung, die das Beschleunigungs- und Bremsverhalten optimiert, hänge mit der Batterie zusammen: "Dann kannst du das Gewicht völlig frei verteilen, wie es dir beliebt. Du könntest Gewicht nach vorn verlagern, dadurch gewinnst du aerodynamische Effizienz. So wird es zum Beispiel in Le Mans gemacht."

Ebenfalls zwingend erforderlich in den Augen des Brasilianers: ein Allradantrieb. "Durch den Allradantrieb kannst du das dynamische Gewicht beim Beschleunigen so gleichmäßig verteilen, dass du auf jedem Rad das gleiche Gewicht hast."

Dass all diese Dinge schon heute technisch möglich sind, hat di Grassi mit eigenen Augen gesehen: "Ich habe mit Schaeffler zusammen ein Auto gebaut, das vier Formel-E-Motoren an Bord hat - es beschleunigt unfassbar schnell. Das gleiche gilt für den DevBot von Roborace, ebenfalls mit vier Formel-E-Motoren. Es gibt keinen Grund, warum die Formel E das nicht auch tun könnte. Wenn sie (die FIA) beschließen sollten, dass die Formel E nicht schneller als die Formel 1 beschleunigen soll, hat das, denke ich, nur politische Gründe. Die Technologie dafür ist bereits da", so der Brasilianer. Als Fahrer werde er aber leider nicht in diese gestalterischen Prozesse involviert.

Agag pflichtet di Grassi bei

Formel-E-Gründer Alejandro Agag stimmt di Grassi weitestgehend zu. "Ich denke, die Formel E betritt mit dem Design des (Gen2-) Autos neuen Boden", erklärt der Spanier gegenüber 'Autosport'. "Nichtsdestotrotz könnten wir mit dem Auto der dritten Generation einen noch extremeren Weg einschlagen." Vor allem die Form der Batterie sei von immenser Bedeutung, findet auch Agag: "Wenn wir sie anders im Auto unterbringen oder vielleicht sogar verteilen können, wären dem Design keine Grenzen mehr gesetzt."

"Sie haben noch genügend Zeit", fasst Lucas di Grassi mit Blick auf Generation 3 zusammen, "und sie wissen, was zu tun ist." Allzu weit ist 2021 allerdings auch nicht mehr weg. Eine Entscheidung über das neue Gen3-Konzept soll voraussichtlich schon im Frühling 2019 fallen.

von Timo Pape 

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Kommentar von Helmut |

Mit dem Design vor allem bei der Batterie und drum rum bin ich dabei.
Allerdings finde ich immer noch, dass es eine Formel Rennserie bleiben soll und daher unbedingt beim Hecksntrieb festgehalten werden muss. Ein Allradantrieb konterkariert ja genau das , worauf di Grassi so wert legt: geringere Haftung.

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